Er trifft immer seltener, erntet Widerspruch von seinen Mannschaftskameraden und hat nicht mehr nur Fußball im Kopf. Neigt sich die große Zeit von Cristiano Ronaldo bei Real Madrid dem Ende zu?

Alle News zur Champions League

Heute möchte er sich gegen Borussia Dortmund den Frust von der Seele ballern. In der Champions League führt Cristiano Ronaldo mit acht Treffen die Torschützenliste an. In der Liga hingegen erlebt Real Madrid den schlechtesten Ronaldo aller Zeiten.

Nach 14 Spieltagen und zehn Liga-Einsätzen hat der Weltklasse-Torjäger, der bislang in 275 Liga-Spielen unfassbare 287 Treffer erzielt hat, lediglich zwei Tore auf dem Konto – das ergibt in der Torschützenliste Platz 51.

Seine mangelnde Torgefahr stürzt die "Königlichen" in die Krise. Nur eines der letzten drei Ligaspiele hat Real Madrid gewonnen. Der Rückstand auf Tabellenführer und Erzrivale FC Barcelona beträgt acht Punkte - indiskutabel in Reals Selbstverständnis.

Ronaldo kritisiert Transferpolitik von Real

Die Gründe für die Misere sucht Ronaldo allerdings nicht bei sich, sondern in der Transferpolitik von Real: "All die Spieler, die uns diesen Sommer verlassen haben, hatten uns bis dahin stärker gemacht. Das soll keine Entschuldigung sein, aber Spieler wie Pepe, James oder Morata - wir waren mit ihnen einfach stärker."

Real hatte im Sommer einige Top-Stars abgegeben und dafür Perspektivspieler verpflichtet – offenbar zum Missfallen von Ronaldo: "Die jungen Spieler sind unsere Zukunft, aber sie sind eben noch sehr jung, und manchmal ist Erfahrung eminent wichtig."

Mannschaftskamerad widerspricht Ronaldo

Doch selbst innerhalb der eigenen Mannschaft erntet Ronaldo Widerspruch. Kapitän Sergio Ramos sagte in einem Radiointerview: "Ich teile die Meinung von Cristiano nicht. Sie erscheint mir opportunistisch. Unsere Mannschaft ist nicht weniger stark als letzte Saison."

Sucht Ronaldo also nur Ausreden für seine eigene Formkrise? Der Superstar ist genervt, immer wieder auf seine Torlosigkeit angesprochen zu werden.

Gegenüber der Sportzeitung "L‘Equipe" beklagt er sich: "Meine Mutter fragt mich, mein Sohn fragt mich, meine Schwester, mein Bruder. Sie sagen mir: Was ist los mit dir? Das ist so, als wäre dies das Ende der Welt. Ich muss mir so was von meiner eigenen Familie anhören."

Erschwerend kommt für Real Madrid hinzu, dass auch die übrigen Torjäger ihre Probleme haben. Mittelstürmer Karim Benzema steht ebenfalls erst bei zwei Toren. Und Gareth Bale wird immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Auch gegen Borussia Dortmund wird Bale nicht spielen.

Keine Harmonie mit Isco

Darunter leidet auch das Spiel von Ronaldo: Die Flügelzange mit Ronaldo und Bale war in den vergangenen Jahren das Markenzeichen von Madrid. Bale und Ronaldo wechselten ständig die Seiten und setzten sich gegenseitig in Szene. Das Zusammenspiel mit Isco funktioniert bislang weniger gut.

Auch menschlich scheinen die beiden Außenspieler nicht zu harmonieren. Laut einem Bericht von "Diario Gol" soll Isco Ronaldo vorwerfen, ihn als jungen Spieler nicht gut aufgenommen zu haben.

Zu einer möglichen Missstimmung würde passen, dass Ronaldo zuletzt einen Ligatreffer von Isco gegen Las Palmas nicht bejubelte. Es ist kein Geheimnis, dass sich schlechte Stimmung innerhalb einer Mannschaft auch auf die Leistung auswirken kann – selbst bei einem Ronaldo.

Fußball ist nicht mehr alles

Gut möglich ist auch, dass sich bei Ronaldo die Prioritäten verschoben haben. Über Jahre hat es ihn ausgezeichnet, seine Tagesabläufe zu 100 Prozent auf den Sport auszurichten.

Sein Leben drehte sich ausschließlich um Spiele, Training und Regeneration. Und heute? Im Sommer kamen seine Zwillinge zur Welt. Am 12. November folgte das vierte Kind.

Es wäre normal, wenn bei drei Babys im Haus die schönste Nebensache der Welt tatsächlich auch mal nebensächlich werden würde.

Auch die noch immer bestehenden Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung könnten ihn ablenken. Immerhin droht ihm im schlimmsten Fall eine mehrjährige Haftstrafe – wenn auch nur theoretisch.

Ronaldo in "Beziehungskrise" mit Real?

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Ronaldo sich in Madrid nicht mehr wohlfühlt. Laut dem TV-Talk "El Chiringuito" hat Ronaldo seinem Verein mitgeteilt, im Sommer wechseln zu wollen. Und das nicht nur wegen des Ärgers mit dem Finanzamt, sondern auch wegen mangelnder Wertschätzung von Real.

Die vom Verein angebotene Gehaltsaufbesserung soll nicht seinen Vorstellungen entsprochen haben, wie der beste Spieler der Welt angemessen zu bezahlen sei. Stecken Ronaldo und Real also in einer ernsten "Beziehungskrise" oder kochen nur die Spekulationen hoch?

Tatsache ist: Gerüchte um einen Weggang aus Madrid gibt es fast jedes Jahr – bislang war kaum etwas dran. Und dass Ronaldo eine Krise angedichtet wird, ist auch nicht gerade neu. In der Vergangenheit schlug Ronaldo immer wieder zurück.

Sein langjähriger Mannschaftskamerad Xabi Alonso ist davon überzeugt, dass das auch diesmal so ein wird. "Ich habe keine Zweifel, dass Cristiano in den fundamentalen Momenten der Saison zur Stelle sein wird", sagte der Ex Bayern-Spieler bei einem Adidas-Event. "Letzte Saison war er das und legte ein spektakuläres Finish hin."

Als fast sicher gilt, dass Ronaldo am Donnerstag den Ballon d'Or entgegennehmen wird. Es wäre das fünfte Mal, dass er als bester Fußballspieler der Welt ausgezeichnet wird – möglicherweise auch das letzte Mal.

Bildergalerie starten

Jan Ulrich, Boris Becker und andere Legenden des Sports: ihr Weg nach unten

Sie waren Idole ihrer Generationen, Sportlerikonen, Spitzenverdiener. Doch dann ging es bergab. So hoch sie gestiegen waren, so tief fielen sie. Jan Ullrich, Tiger Woods, Boris Becker, Mike Tyson: Wir stellen die prominentesten Abstürze der Sportgeschichte vor.