Jude Bellingham kann nichts dafür, aber die 103 Millionen Euro Grund-Ablöse, die Real Madrid für den gerade 19-Jährigen locker macht und an Borussia Dortmund zahlt, zeigen: Der Rubel rollt nach dem Corona-Schock ungeniert weiter. Das beweist eine Studie. Die Demuts-Aussagen aus der Branche erscheinen vor dem Hintergrund von Rekorderlösen wie Geschwätz von gestern.

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Real Madrid überweist an Borussia Dortmund für Jude Bellingham eine Grund-Ablösesumme in Höhe von 103 Millionen Euro. Der 19-Jährige hat bei den Königlichen einen Vetrag bis Saisonende 2028/29 unterzeichnet.

Ein Transfer, der beweist: Europas Fußball-Markt hat sich während Corona wirtschaftlich erstaunlich widerstandsfähig gezeigt und ist nach dem Ende der Pandemie mit seinen Umsätzen wieder auf Rekordkurs. Die im Frühjahr 2020, angesichts der coronabedingten Zuschauer-Aussperrungen, geäußerten Demuts-Bekundungen aus der Bundesliga entpuppen sich als ein vorübergehendes, weil von der Pandemie erzwungenes Innehalten.

Die Millionen-Umsätze steigen weiter

Im Anschluss an die Saison 2022/23 belegt eine jährlich durchgeführte Untersuchung: Die "Big five"-Ligen in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich sind aus der wirtschaftlichen Delle gut herausgekommen und haben bei den Gesamterlösen einen Höchstwert erreicht. Das geht aus der 32. Auflage des "Annual Review of Football Finance" hervor, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte in London veröffentlichte. Die Zahlen basieren auf der Saison 2021/22.

Demnach stieg der Gesamtumsatz auf dem europäischen Markt im Vergleich zur Vorsaison um sieben Prozent von 27,6 Milliarden auf 29,5 Milliarden Euro. Transfererlöse werden bei der Erhebung der Daten nicht berücksichtigt. Ähnlich wie auf Europas Gesamtmarkt ist die Umsatzentwicklung in den fünf Top-Ligen Premier League, Bundesliga, La Liga, Serie A und Ligue 1. Gleich um zehn Prozent stiegen die Erlöse von 15,6 Milliarden (2020/21) auf den bisherigen Höchstwert von 17,2 Milliarden Euro. Damit wurde auch das Niveau aus der Vor-Pandemie-Zeit übertroffen.

Der Fan hätte die Bremse in der Hand

"Diese Zahlen zeigen, dass der europäische Fußball resilient durch die Pandemie gekommen ist. Nach der Aufhebung der COVID-19-Beschränkungen führte die ungebrochen hohe Nachfrage der Fans in ganz Europa zu stark steigenden Spieltagserlösen", sagte Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte.

Dies zeige sich bei der Bundesliga auch für die kürzlich abgeschlossene Saison 2022/23. In dieser hatten die Stadien der Bundesliga mit 92 Prozent europaweit die höchste Auslastung. "Dies ist insbesondere auf die starke Bindung zwischen den deutschen Klubs und ihren Fans zurückzuführen", sagte Ludwig.

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Im Umsatz-Ranking ist die englische Premier League mit 6,4 Milliarden Euro (+12 Prozent) allerdings klar weiter vorn. Auf Platz zwei folgt die spanische La Liga (+11 Prozent) mit 3,3 Milliarden Euro knapp vor der Bundesliga (+5 Prozent) mit 3,1 Milliarden Euro. Von den fünf großen Ligen machten nur die Bundesliga und die Premier League Gewinne. Die englische Eliteklasse kam 2021/22 auf 542 Millionen Euro, die Bundesliga steigerte ihren Gewinn von 62 Millionen Euro auf 227 Millionen Euro.

Die Bundesliga wirtschaftet nachhaltig

"Ein Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga ist ihr langjähriger Fokus auf finanzielle Nachhaltigkeit", betonte Kim Lachmann, Director in der Sport Business Gruppe von Deloitte. Diese spiegele sich in der im europäischen Vergleich geringen Personalaufwandsquote wider. In den letzten zehn Jahren habe sie – abgesehen von der Saison 2020/21 – nie höher als 59 Prozent gelegen. "So konnte auch während der Pandemie stets ein positives operatives Ergebnis erzielt werden", sagte Lachmann.

Die Bundesliga hat laut der Studie aber auch Verbesserungspotenzial bei der globalen Vermarktung. Aus dem Verkauf von internationalen Medienrechten zieht die deutsche Eliteliga mit etwa 230 Millionen Euro wesentlich weniger als die Premier League (ca. 1,6 Milliarden Euro) und La Liga (ca. 897 Millionen Euro). (dpa/hau)

Verwendete Quelle:

  • sportschau.de: Zwei Jahre nach der Coronapause - Schluss mit dem Gerede von Demut
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