Schon in Sinsheim rückte die Darbietung auf dem Rasen in den Hintergrund, als brillante Bayern Hoffenheim mit 6:0 besiegten. Schuld waren bestimmte Bayern-Fans, denen daran gelegen war, Dietmar Hopp zu beleidigen. Ihre Nachahmer fanden sich bei Union Berlin gegen Wolfsburg zusammen.

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Mit Schmähungen gegen Dietmar Hopp haben Fans des 1. FC Union den Punktgewinn ihres Teams im Abstiegskampf überschattet und ein weiteres Bundesliga-Spiel an den Rand des Abbruchs gebracht.

Beim 2:2 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg schlossen sich zahlreiche Anhänger der Berliner am Sonntag dem wütenden Protest gegen den Deutschen Fußball-Bund an und nahmen dafür Hoffenheim-Mäzen Hopp via Plakat ins Fadenkreuz.

Proteste gegen Hopp und den DFB: Begegnung zweimal unterbrochen

Die Partie war wie schon das Duell des FC Bayern bei der TSG 1899 Hoffenheim gleich zweimal unterbrochen, die Teams standen kurz vor der Halbzeit minutenlang im Kabinengang.

Das Sportliche rückte erst danach wieder in den Fokus: Zwar verpasste Union trotz einer 2:0-Führung den dritten Sieg aus den vergangenen vier Ligaspielen, hat aber beruhigende neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und konnte die zuletzt starken Wolfsburger bei der Verfolgungsjagd auf die Europapokalplätze ein wenig bremsen.

Vier Kopfballtore

Jeweils per Kopf trafen Sebastian Andersson (41. Minute) und Marvin Friedrich (57.) für die Köpenicker. Ebenfalls per Kopf sorgten Yannick Gerhardt (60.) und Wout Weghorst (81.) noch für das 2:2.

Beherrschendes Thema war aber lange Zeit wie schon an anderen Bundesliga-Standorten die Machtprobe der Fans mit dem DFB. Zunächst kritisierten die Anhänger hinter dem Union-Tor auf Plakaten den Verband: "2017 Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht!"

Die Partie war für wenige Momente unterbrochen. Nachdem wenig später Hopp diffamiert wurde, schickte Schiedsrichter Bastian Dankert die Teams vom Feld.

"Das ist ein absolutes No-Go", sagte Union-Manager Oliver Ruhnert zu den Anfeindungen gegen Hopp beim Streamingdienst DAZN in der Halbzeitpause. "Persönliche Beleidigungen oder Verunglimpfungen sind einfach nicht akzeptabel. Da sind wir uns einig."

Die Berliner Ultra-Gruppierung "HammerHearts 2004" rechtfertigte sich umgehend in einer längeren Stellungnahme. "Der Doppelhalter (...) ist keine Morddrohung. Er ist aber ganz klar provokant und kritisiert eine Person und eine stetige Entwicklung. Heute steht er jedoch vor allem entgegen schleichender Zensur und für die Ausdrucksfreiheit der Kurven", stand darin.

Für die erste Kritik am DFB äußerte Ruhnert Verständnis. "Dass man kritik an Dingen äußert, sachlich, da muss man auch bereit sein, kritische Worte zu akzeptieren." Er habe allein aufgrund der Kritik am Verband "keinen Grund" gesehen einzugreifen, sagte er. "Dann muss ich jedes Spiel unterbrechen."

Der VfL Wolfsburg beginnt selbstbewusst

Nach zuletzt vier Pflichtspielsiegen in Serie startete Wolfsburg selbstbewusst in die Partie. Die Gäste erarbeiteten sich größere Anteile, beide Teams gingen allerdings zunächst noch nicht das letzte Risiko ein. Nach einer Ecke von Josip Brekalo rettete Union-Keeper Rafal Gikiewicz gegen einen Kopfball von Weghorst und entschärfte in höchster Not auch den Nachschuss des VfL-Angreifers (22.).

Union setzte auf seine bewährte Taktik der ersten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte: Lange Bälle und Standardsituationen. Die hohen Pässe auf Stoßstürmer Andersson verteidigte die Defensive der Wolfsburger lange Zeit solide - geriet durch einen individuellen Fehler aber doch in Rückstand.

Nach einem Freistoß von Kapitän Christopher Trimmel lief Keeper Koen Casteels zu ungestüm aus seinem Tor, Andersson setzte sich gegen Daniel Ginczek durch und köpfte problemlos ein.

Auch für den zweiten Union-Treffer durch Friedrich leistete Trimmel die Vorarbeit. Kurz danach sorgte Gerhardt per Kopf für das 1:2, Christian Gentner, der für sein 400. Bundesligaspiel geehrt wurde, sah dabei nicht gut aus. Weghorst brachte die Gäste endgültig zurück ins Spiel. (dpa/hau)

Hans-Dieter Flick: "Ich wusste, dass eventuell was geplant ist"

Bayern Münchens Fan-Chaoten verwandeln eine Gala-Vorstellung des Tabellenführers bei der TSG 1899 Hoffenheim binnen weniger Minuten in Sinsheim in einen denkwürdigen Tiefpunkt der Bundesliga-Geschichte. Gäste-Coach Hans-Dieter Flick ist geschockt. Er hatte so etwas befürchtet. © DAZN