Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt ist einer der letzten "echten Typen" in der Bundesliga, wandert vom Ansehen zwischen Publikumsliebling, Partylöwe und Skandal-Profi umher. Heute ist er in der Europa League gefordert.

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Manchmal scheint es fast so, als wäre Martin Hinteregger aus einer anderen Zeit entsprungen. Während die meisten Profis bei jedem Interview Standard-Antworten von sich geben, trägt der Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt sein Herz auf der Zunge. Er kritisiert Trainer, Vereine und manchmal sogar den gesamten Profifußball - vor Journalisten und laufenden Kameras.

Hinteregger ist der Unangepasste, der auch gerne einmal über die Stränge schlägt. Vor eineinhalb Wochen feierte er seinen 27. Geburtstag so ausgiebig und lange, dass er aus dem Kader der österreichischen Nationalmannschaft flog – wahrlich nicht der erste "Skandal" in der Karriere des 27-Jährigen.

Martin Hinteregger: Ein "echter Typ" wie Mario Basler

Durch sein Auftreten erinnert er an Fußball-Ikonen wie Mario Basler, Uli Stein oder Stefan Effenberg. Echte Typen also, die sagten, was sie dachten und lebten, wie sie wollten. Im modernen Profifußball, wo jede brisante Aussage und jeder Fehltritt im Internet viral geht, wird so etwas eigentlich kaum noch akzeptiert.

Hinteregger weiß das. Manchmal wünscht er sich, er wäre in einer anderen Zeit Fußballprofi gewesen. Dafür hätte er auch finanzielle Einbuße in Kauf genommen.

"Das Geld wäre mir egal. Ich wäre viel lieber Profi in den 80er-Jahren gewesen und hätte dafür ein lustigeres, authentischeres Leben geführt", sagte er einmal im Interview mit der "Sport Bild".

Der Österreicher betrachtet den Fußball und all die Begleiterscheinungen kritisch wie kaum ein anderer Profi. "Es wäre schön, wenn man das sagen könnte, was man denkt. Und nicht das, was man sagen muss, damit es ruhig bleibt", erklärte er im "kicker".

Er hat für sich entschieden, sich um das Medienecho nicht zu scheren und seine Meinung offen zu sagen. Das war bereits in Österreich so, wo er für den FC Red Bull Salzburg aktiv war.

Was er damals von sich gab? So einiges: Hinteregger sagte über gegnerische Mannschaften, sie würden sich "anscheißen" (in die Hosen machen, Anm. d. Red.), bezeichnete einen gegnerischen Trainer als "Koffer" (österreichischer Ausdruck für Idiot, Anm. d. Red.) und legte sich sogar mit dem eigenen "Imperium" an.

Im Sommer 2016 sollte er eigentlich von Salzburg zum "Schwesterverein" RB Leipzig in die Bundesliga wechseln – so wie viele andere Profis es ebenfalls getan haben. Doch Hinteregger verweigerte den Wechsel, kritisierte sogar das Vorgehen innerhalb der Red-Bull-Familie: "Die Art und Weise, wie Leipzig Salzburg kaputt macht, ist nicht schön anzuschauen."

Öffentliche Trainer-Kritik in Augsburg

Stattdessen wechselte Hinteregger für eine Ablöse von 10,5 Millionen Euro zum FC Augsburg. Zweieinhalb Jahre war er unumstrittener Stammspieler, bis es auch dort zum großen Knall kam. Im Januar 2019, als Augsburg 0:2 gegen Gladbach verlor und seit zehn Spielen sieglos war, ließ er seinem Frust freien Lauf.

"Ich sehe nicht viel Verbesserung, die Entwicklung geht seit einem Jahr nach unten", kritisierte er und sagte in Richtung des damaligen Trainers Manuel Baum: "Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen." Öffentliche Kritik gegen den eigenen Trainer? Ein Novum im modernen Fußball.

Hinteregger erhielt eine Geldstrafe, wurde aus der Mannschaft geschmissen und sollte sich einen neuen Verein suchen. Das tat er: Der Abwehrspieler wechselte zu Eintracht Frankfurt – erst leihweise, dann im Sommer für eine Ablöse von neun Millionen Euro dauerhaft.

In Frankfurt ist er glücklich, fühlt sich von Trainer Adi Hütter wertgeschätzt und blickt nun dem Europa-League-Auftakt gegen den FC Arsenal (Donnerstag, 18:55 Uhr, bei uns im Live-Ticker) entgegen.

Alkohol im Trainingslager

Der Profi hatte seinen Wechsel nach Frankfurt ein wenig erzwungen, indem er zum Beispiel mit einem Frankfurt-Rucksack zum Augsburg-Training kam und den Termin für das Mannschaftsfoto verpasste.

Damit nicht genug: Es tauchte sogar ein Video aus dem Trainingslager des FC Augsburg auf, wo Hinteregger offensichtlich alkoholisiert war.

Der Profi sprach danach von einem Fehler, den er bereue. "Mich ärgert es aber, dass es Menschen gibt, die Spaß daran haben, mich zu filmen und so ein Video weiterzuleiten", fügte er hinzu.

Ohnehin steht er mit den Smartphones ein wenig auf Kriegsfuß. "Mich hat es genervt, dass ich immer so viel am Handy gewesen bin, das nimmt komplett Überhand. Deswegen habe ich ein Klapphandy, da kriegst du 80 Prozent weniger Nachrichten, dafür hast du viel mehr Zeit und Ruhe", berichtet er.

"Ich hatte keine Lust mehr auf sinnloses WhatsApp-Schreiben. Mein Handy kann nur drei Dinge: SMS, Telefonieren und Snake. Die werden seit 2008 nicht mehr hergestellt."

Irgendwie passt das Handy zu ihm: Es ist eben aus einer anderen Zeit!

Quellen

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