• Marc Roca kam beim FC Bayern München monatelang nicht zum Einsatz, ehe er sich in den vergangenen Wochen in den Vordergrund spielte.
  • "Mindfulness" - zu Deutsch Achtsamkeit - war ihm dabei laut eigener Aussage eine große Hilfe.
  • Die Achtsamkeitslehre hat sich in den vergangenen Jahren über den Sport hinaus zum Trend entwickelt.

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Marc Roca ist beim FC Bayern München der Aufsteiger der vergangenen Wochen. Nachdem der spanische Mittelfeldspieler an den ersten 14. Bundesliga-Spieltagen nicht zum Einsatz kam, befand er sich in den vergangenen vier Partien in der Startelf. Trainer Julian Nagelsmann gab zwischenzeitlich sogar zu, dass es "offensichtlich ein Fehler war, ihn selten oder nahezu nie zu bringen."

Roca selbst spricht im "kicker" mit viel Zufriedenheit über seine Entwicklung: "Ich merke, dass ich mich hier verbessere, dass ich reife und natürlich ist auch Geduld gefragt. Dabei darf man das Vertrauen in die eigenen Stärken nicht verlieren."

Marc Roca versucht, "immer fokussiert zu sein"

Das Erfolgsgeheimnis von Roca hat einen Namen: Mindfulness.

Der 25-Jährige nutzt die derzeit im Trend liegende Achtsamkeitslehre, um bestmögliche Leistungen abrufen zu können. "Es geht darum, wie ich meinen Tag verbringe: im Jetzt, mir jeden Moment bewusst mache, bewusst aufmerksam lebe, versuche, immer fokussiert zu sein: auf dem Platz und außerhalb", erzählt er.

Roca arbeitet dabei mit einem Sportpsychologen zusammen: "Ich visualisiere Spiele, stelle mir vor, was für Situationen eintreten könnten, wer wie wo angreift, wie ich darauf reagieren könnte, um eben auf dem Platz schneller agieren zu können."

Auch als er Anfang der Saison wegen eines Außenbandrisses am Sprunggelenk mehrere Wochen fehlte, hätte ihm die Aufmerksamkeitslehre dabei geholfen: "Jetzt fokussierst du dich auf deinen Knöchel, sagte ich mir, also ziehe ich so viel Positives wie möglich aus dem Heilungsprozess auf dem Weg zurück, dann wird dich das stärker machen."

Mindfulness für Jedermann

Von der Mindfulness-Methode können nicht nur Fußballspieler profitieren. "Es ist ein genereller Ansatz, wie man Aufgaben angeht", sagt Roca.

Sogar gesetzliche Krankenversicherungen empfehlen teilweise das Achtsamkeitstraining und bezuschussen dieses sogar. Auf der Webseite von Die Techniker heißt es zum Beispiel: "Das Ziel ist es, eine achtsame Haltung in den privaten wie beruflichen Alltag zu übertragen und dadurch gelassener mit Stress sowie belastenden Gedanken und Gefühlen umgehen zu können."

Mindfulness-Based-Stress-Reduction (MBSR), so der komplette Name dieser Methode, steht für Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion. Jochen Strauch lehrt als zertifizierter MBSR-Lehrer diese Methode und beschreibt diese als "die Fokussierung auf den jetzigen Augenblick ohne Geschichte."

Im Interview mit dem RBB erklärt er: "Es geht darum, im Kontakt mit dem zu sein, was ist. Der Körper und der Atem helfen uns dabei. Wir können den Atem beobachten, die Signale des Körpers wahrnehmen – und so aus dem Gedankenkarussell aussteigen, das unser Geist ununterbrochen unbewusst mit uns fährt."

Die Kunst, sich zu konzentrieren

Allerdings ist ein mehrwöchiger Kurs notwendig, um die Achtsamkeitslehre wirklich zu verinnerlichen.

Michael Zimmermann, Professor für Indologie an der Universität Hamburg, erklärt im Gespräch mit dem "Deutschlandfunk": "Das ist nicht simpel. Man muss sich konzentrieren können, da scheitern schon manche Menschen dran. Weil sie sich gar nicht über zehn Minuten konzentrieren können, weil sie es nicht gewohnt sind. Aber das kann man ja üben."

Und weiter: "Achtsamkeitspraxis Vipassana hat viel mit Übung zu tun. Wenn Sie das üben, dann werden Sie merken, sie entwickeln ein gewisses Bewusstsein für den Körper. Das ist der erste Schritt, ein gewisses inneres zur Ruhe kommen."

Atemübungen und Meditation vor dem Spiel

Roca half dies offenbar. Er wendet diese Methode gerade an Spiel- und Trainingstagen an. "Vor dem Training und Spielen mache ich dazu Atemübungen, um den Kopf freizubekommen", erzählte er im Interview mit "bild.de".

Ergänzt wird dies durch Meditation: "Neben den Atem-Übungen mache ich das gerne am Morgen des Spieltags für gut 20 Minuten. Vor einem Spiel zum Beispiel stelle ich mir vor, wie ich den Ball führe oder einen Zweikampf gewinne."

Es hat ihm offenbar geholfen.

Verwendete Quellen:

  • Kicker (6/2022): "Ich lese gut, was das Team braucht"
  • tk.de: MBSR-Acht­sam­keits­trai­ning
  • bild.de: Darum bin ich Nagelsmann dankbar
  • rbb-online.de: Mindfulness und Meditation sind eine Lebenshaltung
  • deutschlandfunk.de: Kritik an der AchtsamkeitsbewegungVon innen ruhig, nach außen kampfbereit
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