In der Premier League laufen die besten Fußballer der Welt auf. Die Engländer müssten auf den deutschen Fußball also nicht neidisch sein - sollte man meinen. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

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In England hat der Fußball seine Wurzeln. Zumindest beanspruchen die Engländer für sich, das Mutterland des Fußballs zu sein. Es gibt unterschiedliche Überlieferungen über die Anfänge des beliebtesten Sports der Welt. Einig sind sich Fußballfans aber in der Regel darüber, dass die Premier League die derzeit beste und attraktivste Liga der Welt ist.

Denn in England wird schnell gespielt. Mit viel Zug zum Tor. Hart. Und: In der ersten englischen Spielklasse werden die durchschnittlich höchsten Gehälter weltweit gezahlt, was in der Regel die talentiertesten Fußballer nach Manchester, Liverpool oder London lockt.

Doch genau darin sieht das englische Fanzine "Halb Vier" ein Problem. Und blickt neidisch nach Deutschland.

Englische Fußball-Fans reisen jedes Bundesliga-Wochenende nach Deutschland

"Viele Menschen sind genervt davon, wie sich die Premier League entwickelt hat. Es geht nur noch um Geld", sagt Feargal McEvoy, Gründer des Fanzines, in einem Interview mit dem "Spiegel". Er sagt, dass jedes Bundesliga-Wochenende zahlreiche Engländer nach Deutschland reisen, um sich den Fußball anzuschauen. Live, im Stadion, bei einem Bier.

"Hier (England, Anm. d. Red.) herrscht die Vorstellung, dass die Bundesliga ursprünglicher ist, ein bisschen mehr Old School - so, wie der englische Fußball früher war", sagt McEvoy. Dabei gehe es natürlich um den Fußball als Spiel, aber auch um das Drumherum.

"Ich glaube einfach, dass es in Deutschland viele Dinge gibt, die in England verloren gegangen sind. Es gibt Stehplätze. Die Fans dürfen im Stadion Bier trinken. Die Zuschauer gehen schon zwei oder drei Stunden vor Anpfiff ins Stadion. Der ganze Spieltag ist anders als in England."

"Die Atmosphäre in Deutschland ist 20 Mal besser als in England"

Ganz so "Old School" ist der deutsche Fußball aber natürlich nicht mehr. Das weiß auch McEvoy, der etwa steigende Ticketpreise anspricht. Dennoch: "Die Atmosphäre in Deutschland ist 20 Mal besser als in England. Man bekommt einfach mehr für sein Geld."

In England, so McEvoy, gibt es ein "großes Interesse am deutschen Fußball". "Halb Vier" beschäftigt sich daher mit der Bundesliga und auch den unterklassigen Ligen. Der Action auf dem Platz. Den Stadien. Und überhaupt der Freude am deutschen Fußball.

In der ersten Ausgabe geht es unter anderem um die Oberliga Nordrhein in den 1980er-Jahren und dem Stadion Rote Erde in Dortmund. In der ehemaligen Heimstätte der BVB-Profis gibt es statt Sitzplätzen überwiegend Stehplätze.

Stehplätze würde McEvoy auch gerne wieder in der Premier League sehen. Den Verkauf von Alkohol während der Spiele fände er dagegen fragwürdig: "Viele Zuschauer könnten damit nicht verantwortungsvoll umgehen."

Verwendete Quellen:

  • spiegel.de: "Die Atmosphäre in Deutschland ist 20 Mal besser"
  • sportrade.de: "Der beliebteste Sport der Welt"
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