Die anfängliche Begeisterung um das Engagement Red Bulls in Salzburg ist längst verflogen und einer lähmenden Resignation gewichen. Einer der Gründe dafür ist der große Engergy-Drink-Bruder aus Leipzig - und ein klarer Kurswechsel von Firmen-Boss Dietrich Mateschitz.

Der Plan der Verantwortlichen von RB Leipzig hatte am Montag im schweizerischen Nyon eigentlich etwas Anderes vorgesehen.

Auch wenn sich Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Sportdirektor Ralf Rangnick zumeist in Understatement zu unterbieten versuchen und stets hervorheben, dass ihr Klub gerade erst am Anfang seiner Entwicklung sei, wollten sie eigentlich die Auslosung um zwölf und nicht erst um 13 Uhr verfolgen.

Die einstündige Verspätung bedeutete nämlich Europa League statt Königsklasse – und damit den ersten kleinen Dämpfer des Leipziger Höhenflugs in den letzten Jahren.

Klarer Kurswechsel von Dietrich Mateschitz

Dass zumindest der Gegner im Sechzehntelfinale, der italienische Spitzenklub SSC Neapel, noch nach einer Aufgabe von Champions-League-Format klingt, dürfte Mintzlaff und Rangnick nicht ganz darüber hinwegtrösten, dass sie in Nyon zugleich mit dem Sinnbild dafür konfrontiert wurden, wohin der Weg von RB Leipzig eben nicht führen soll: Sportliche Stagnation und der Abschwung des einst großen Interesses an einem ehemals ambitionierten Projekt.

Auch Red Bull Salzburg war im Lostopf, aufeinandertreffen können die Schwesterklubs jedoch erst in der nächsten Runde.

Die Vereinsnahmen sind ähnlich, die Klublogos fast identisch – und doch trennen Leipzig und Salzburg inzwischen nicht nur sportlich Welten, auch das Interesse von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz gilt mittlerweile nur mehr dem Klub aus Ostdeutschland.

Es ist eine Mischung aus Resignation und einem veränderten Marktgedanken, die den 73-Jährigen in den letzten Jahren dazu bewogen hat, sein Engagement Stück für Stück von Salzburg nach Leipzig zu verlagern.

In diesem Sommer sind die Salzburger zum zehnten Mal in Folge an der Qualifikation für die Champions League gescheitert, und für Mateschitz war es auf Sicht schlicht nicht mehr sinnvoll, auf die schillerndste Werbeplattform im europäischen Fußball zu verzichten.

Und genau darum geht es dem Konzern freilich bei seinen Investitionen in den Sport, obwohl man sich dort seit Jahren redlich darum bemüht, auch eine soziale Komponente des Engagements hervorzuheben.

Keine Perspektive und schwindende Euphorie

Bereits seit einigen Jahren lässt sich die veränderte Blickrichtung vom Mateschitz-Konzern im Fußball beobachten, und aus unternehmerischer Sicht gibt es natürlich keinen Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Kurswechsels.

Red Bull als multinationaler Konzern zielt auf internationale Aufmerksamkeit – und diese lässt sich eben, aller regionalen Identität zum Trotz, nicht mit einem Klub aus der österreichischen Bundesliga erzielen.

Das sportliche Niveau ist dürftig, ein Interesse an der Liga im Ausland quasi nicht vorhanden, und internationale Erfolge, wie Salzburg in den letzten Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, verkommen in der Konsequenz auch perspektivisch gesehen zu reinem Wunschdenken.

Von der anfänglichen Euphorie hinsichtlich des Salzburger Fußballprojekts ist ohnehin nicht mehr viel übrig geblieben: In der Saison 2005/2006, die erste seit dem Einstieg von Red Bull, kamen noch durchschnittlich 16.512 Zuschauer zu den Heimspielen ins Salzburger Stadion – in der aktuellen Spielzeit hat sich der Wert mehr als halbiert.

Die Masse hat sich lange abgewandt von einem Klub, der bereits seit geraumer Zeit nur mehr als Talent-Zulieferer für Schwesterklub RB Leipzig fungierte. Torwart Peter Gulacsi, die österreichischen Nationalspieler Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker, der Brasilianer Bernardo und natürlich Mittelfeldmotor Naby Keita – sie alle sind Beispiele für den kürzesten Weg im Fußballgeschäft: nämlich den von Salzburg nach Leipzig.

Salzburg verwaist im Schatten des Zugpferds

Immerhin der andauernde Aderlass an talentierten Spielern dürfte für den österreichischen Klub nun aber ein Ende haben.

Die engen Verflechtungen zwischen den beiden Klubs riefen schnell die UEFA auf den Plan, denn der europäische Fußball-Verband witterte dadurch einen Verstoß gegen sein Reglement.

Zwei Klubs dürfen nicht zeitgleich im Europacup antreten, wenn sie in der Führung oder Verwaltung oder durch Besitzanteile miteinander verwoben sind. Kein Eigentümer, Anteilshalter oder Funktionär darf also in mehr als einem Klub Kontrolle ausüben oder Einfluss nehmen.

Und weil die Prioritäten beim Konzern klar gesetzt sind, war der Klub aus Österreich derjenige, von dem Red Bull nun zunehmend Abstand nahm, um das Projekt in Leipzig und ein Schaulaufen auf internationaler Bühne nicht zu gefährden.

Die personellen Verbindungen auf der Führungsebene wurden gekappt, die Doppelrolle als Sportdirektor von RB Leipzig und Red Bull Salzburg - damals von Ralf Rangnick eingenommen - gibt es seit Mitte 2015 nicht mehr.

Offiziell ist das Getränkeunternehmen in Salzburg auch längst nur noch Hauptsponsor. Und so scheint der österreichische Klub im Schatten des Red-Bull-Zugpferds Leipzig immer weiter zu verwaisen.