Den Montagabend nützte der Sender RTL, um zurückzublicken. In "Wer wird Millionär? – das Phänomen. Zwischen Pech und Glück" stießen Aficionados der Sendung auf einige alte Bekannte, darunter etwa Heike Schulz, die minutenlang in Jauchs Stuhl saß, gleichzeitig aber völlig auf der Leitung stand. Dass es in Deutschland zwei Menschen gibt, die die Redewendung "Klappe zu, Affe tot" nicht kennen und dann auch noch miteinander verwandt sind, hatte man inzwischen auch schon wieder fast vergessen. Eckhard Freise hingegen ist jedem noch erinnerlich. Hätte die Sendung mit der Million kein Ende, würde der heute noch mit Jauch im Studio sitzen und Fragen korrekt beantworten.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Robert Penz dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Nachdem Heike Schulz in der Auswahlrunde reüssiert hatte, ging sie zunächst zum Moderator, um sich dann zielsicher auf Günther Jauchs Stuhl zu setzen. Alle lachten. Nur Schulz und Jauch lachten nicht. Denn Schulz hatte keine Ahnung und Jauch keine Lust darauf, die Sache aufzuklären. Er kann ja ganz schön fies sein.

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Dass die Kandidatin auf dem falschen Stuhl Platz nahm, ließ dieser also zunächst beinhart unkommentiert. "Fällt Ihnen was auf?", wollte er dann doch wissen. Gelächter im Publikum. Schulz aber fiel genau nichts auf und nahm, jetzt nervöser, einen Schluck von Jauchs Wasserglas.

Die Leute auf den Tribünen hatten nun Pipi in den Augen. "Wir probieren das einfach mal so, und dann schauen wir mal, wie das so läuft?", bemerkte Jauch dann. Erst als das "Wer wird Millionär?"-Urgestein Schulz die Moderationskarten gab, dämmerte es der Kandidatin. Sie stieß ein lautes "Ich bin falsch?" hervor. Eine Sternstunde des Formats im Jahr 2008.

"Oheim" kommt von Obdachlosenheim

RTL blickte am Montagabend zurück. "Wer wird Millionär? – Das Phänomen: Zwischen Pech und Glück", nannte sich das Special, das von Kandidatinnen und Kandidaten erzählte, die besonders viel Glück oder Pech hatten. Manche waren aber vielleicht oder ganz sicher auch einfach nur ein wenig ahnungslos.

Kandidat Christian Mauer aus Ludwigsfelde wusste im Jahr 2000 etwa nicht, wofür der Begriff "Oheim" steht. Statt "Onkel" entschied er sich für das "Obdachlosenheim" und schied aus. Pech war das keines. Richtig leid konnte einem aber Tanja Fuß tun, deren Auftritt vor sieben Jahren bei Günther Jauch nach weniger als Minute auch schon wieder vorbei war. Sie bekam es mit dieser allerersten Frage für 50 Euro zu tun.

Seit jeher haben die meisten….?

A: Dober Männer

B: Cocker Spaniels

C: Schäfer Hunde

D: Riesen Schnauzer

"Ich hätte jetzt gesagt 'Riesen Schnauzer'", meinte Fuß. "Sagen sie’s auch?", wollte Jauch wissen. Und die Kandidatin, die natürlich auf der Leitung stand, entschied sich tatsächlich für die falsche Antwort und blieb bis heute die einzige, die sich schon nach der erste Runde vom Acker machen musste.

Bessere Publicity, als dass eine blonde Mode-Studentin an der ersten Frage scheitere, gebe es ja wohl nicht, sagte sie später dem Magazin "Closer". "Es lag an der Situation. Ich hatte ein Blackout und war ziemlich nervös. Es war einfach nur ein menschlicher Fehler", meinte sie wiederum einmal an anderer Stelle.

Davon, dass er der Kandidatin zu wenig unter die Arme griff, wollte Jauch später nichts wissen. Sie habe mehr als eine Möglichkeit bekommen, sich zu korrigieren ließ er seine Kritiker wissen. Für Fuß war das historische Fiasko jedenfalls traumatisierend und die Häme in den sozialen Medien blanker Horror. Schon wenige Minuten nach ihrem Auftritt wurde eine "Fan"-Seite auf Facebook errichtet. Die Beleidigungen im Virtuellen wollten danach gar kein Ende mehr nehmen.

"Klappe zu, Ofen aus"

Extrem sympathisch war 2001 der damals 27-jährige Tamas Golya, dem nur leider einfach die Redewendung "Klappe zu, Affe tot" kein Begriff war und der für die Beantwortung der vierten Frage nach dieser auf den 50:50-Joker sowie auf seine Oma als Telefonjoker setzen musste. "Das wird brutal hier", kommentierte der nicht ganz unwitzige Golya die für ihn etwas peinliche Situation damals.

Oma war dann völlig perplex, als sie sich, da sie die Antwort ebenso nicht wusste, das brachiale Gelächter im Publikum am Telefon anzuhören hatte. "Das ist ja auch schwierig", kommentierte sie die Frage, was auf den Tribünen nicht gerade für Ruhe sorgte. Jauch jedenfalls hatte Mitleid und machte sich für Golya schließlich mit wilden Gesten zum Affen. Der Kandidat räumte dann noch ohne Joker 64.000 Euro ab.

Der tiefe Fall des Francois Pütz

Richtig bitter wurde es 2008 für Francois Bao, damals noch Francois Pütz. In der Sendung am Montagabend konnte man ihn dabei beobachten, wie er sich seinen Auftritt im Jahr 2008 zum ersten Mal ansah. Denn genau das hatte er ob seines veritablen Traumas bis dato vermieden. Zunächst lief es damals wie geschmiert. "So eine Frage, das kann ja jetzt nicht sein. Wollen die mir das jetzt schenken?", dachte er sich etwa bei einer, die ihm maßgeschneidert vorkam.

Bao spielte sich bis zur 500.000 Frage, die wie folgt lautete: Wer stellte vor rund 150 Jahren ein Kondom aus Gummi her?‘ A: Giovanni Pirelli, B: John Dunlop, C: Charles Goodyear oder D: André Michelin. Der langhaarige Kandidat wusste es nicht und konsultierte eine Frau mit gefährlichem Viertelwissen aus dem Publikum, die meinte, den Namen "Dunlop" in diesem Kontext bereits gehört zu haben. Pütz, der ebenso auf Dunlop getippt hätte, tat dies dann auch. Und stürzte gewaltig ab. Und zwar auf 500 Euro, was bis heute als der tiefste Fall in der Historie von "Wer wird Millionär?" gilt.

Pütz jedenfalls verfiel damals coram publico. So gut wie alles, was er zuvor erspielt hatte, war nun futsch. "Ich weiß nicht, ob wir das schon jemals hatten – von 500.000 Euro auf 500", war Jauch danach auch nicht gerade eine große emotionale Hilfe. "Ich wollte den Leuten ja auch in Erinnerung bleiben", witzelte der Kandidat in der Sendung am Montagabend, also Jahre später. Der Frau aus dem Publikum machte er aber nie einen Vorwurf. "Ich hätt’s so oder so gemacht. Sie ist ganz bestimmt nicht schuld", so der Zocker von einst heute.

Reck: "Lachen die Leute jetzt über mich?"

Ein sattes Brett vor dem Kopf hatte auch Andreas Reck, den es bei der 300-Euro-Frage bereits mächtig schleuderte und der sich jede Menge Jauch’schen Spott abholen musste:

Wer kann vielleicht schwimmen aber nicht fliegen?

A: Stockenten

B: Pfeifenten

C: Krickenten

D: Studenten

"Ich bin so nervös, aber das ist total einfach, oder?", vermutete Reck damals zunächst richtig, was den Moderator gleich höhnisch werden ließ: "Das kommt immer auf den jeweiligen IQ an.",

Jauch legte nach: "Kleiner Hinweis, es sind vier Antworten." "Ich glaube, ich bin doof geworden auf einmal. Als ich mich hier angemeldet habe, war ich noch sehr clever", verzweifelte Reck dann zunehmend, was Jauch nicht davon abhielt, ihn weiter zu triezen: "Es gibt hier im Raum keinen, der das nicht weiß!"

Danach hatte der Ravensburger Gastronom endlich seinen Geistesblitz. "Studenten!", ließ er Jauch wissen, ehe er den Moderator noch fragte: "Lachen die Leute jetzt über mich, wenn sie mich auf der Straße sehen". Jauch konnte ihn beruhigen: "Nur die ersten vier Jahre – dann ebbt das langsam ab."

Erstmals Goldregen im Studio

Ein absolutes Highlight der "Wer wird Millionär?"-Historie ist natürlich der erste Millionengewinner Eckhard Freise, der seine Frau liebevoll "meine Regierung" nennt und im Jahr 2000 das schaffte, was ihm zuvor noch niemandem gelungen war: Er beantwortet in der Sendung alle 15 Fragen richtig und räumte die damals 1.000.0000 DM ab.

Der ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für mittelalterliche Geschichte am Historischen Seminar der Bergischen Universität Wuppertal mit Steckenpferden wie "Kunst und Kultur", "Religion und Glaube", "Bücher und Worte" sowie vermutlich "The Rest of the fucking Allgemeinwissen" spielte sich im besten Sinne des Wortes durch die Sendung und half auch danach als Joker noch unzähligen anderen Kandidaten. Seine finale Frage bei Jauch damals:

Mit wem stand Edmund Hillary 1953 auf dem Gipfel des Mount Everest

A: Nasreddin Hodscha

B: Nursay Pimsorn

C: Tenzing Norgay

D: Abrindranath Singh.

Der Professor, der erstaunlicherweise keinen Joker mehr hatte, musste zunächst kurz überlegen, war sich dann nach einem Moment der Stille aber sicher, dass es nur Norgay sein könne, wobei uns sein Ausschlussverfahren durchaus interessiert hätte. Er loggte jedenfalls die korrekte Antwort C ein und löste damit den ersten Goldregen in der Geschichte von "Wer wird Millionär?" aus.

Wie er es zur Million geschafft habe, beantwortete der Smarte einst ganz pragmatisch: "Es reicht nicht, viel zu wissen. Es müssen auch die richtigen Fragen kommen." Am Tag nach der Aufzeichnung sei er ganz normal zur Arbeit gefahren. "Ich war ein bisschen müde, habe aber dichtgehalten", verriet er einmal.

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