Werwolf, Zahnfee, Maulwurf und Roboter: Es ist das vielleicht ungewöhnlichste Quartett seit den Bremer Stadtmusikanten, das da am Samstagabend im "The Masked Singer"-Finale steht. Am Ende entscheidet der Maulwurf das Rennen für sich – und hält ein Plädoyer für Freiheit und Gemeinsinn.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Wenn Matthias Opdenhövel einen Kandidaten am Samstagabend mit "die Pfeife Thomas Hayo" begrüßt, dann bedeutet das Dreierlei. Zum einen, dass er die Sache mit der "Pfeife" nicht abwertend meint, denn Thomas Hayo hat einfach ein Pfeifen-Kostüm an. Und damit sind wir auch schon bei Punkt zwei, denn Hayo läuft nicht einfach so als Pfeife herum, sondern zieht das Kostüm nur bei der aktuellen Staffel von "The Masked Singer" an.

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Dass Opdenhövel Hayo mit seinem Maskennamen anspricht, bedeutet drittens, dass der Creative Director die Show bereits verlassen musste. Ebenso wie der Großteil seiner Kandidaten-Kollegen, die am Samstagabend um ihn herumwirbeln und die Matthias Opdenhövel ebenfalls begrüßt – genauso natürlich wie die vier, die noch im Rennen sind oder, um alles ein bisschen weniger umständlich zu formulieren: Es ist das Finale von "The Masked Singer".

Für das hat sich, wie eben beschrieben, die gesamte Truppe der aktuellen Staffel, ob bereits ausgeschieden oder nicht, versammelt, um gemeinsam "Beautiful Day" von U2 zu singen. Das gewinnt sicher keinen Innovationspreis, aber das macht "The Masked Singer" in der inzwischen siebten Staffel ohnehin nicht mehr. Hier sitzt alles dort, wo es sitzen soll, eine spontane Abweichung vom Ablauf passiert hier nur unabsichtlich.

"The Masked Singer": Was, wenn der Maulwurf ein "Bad Boy" ist?

Die allergeringste Abweichung gibt es bei "The Masked Singer" naturgemäß bei den Regeln, die der Zeremonienmeister des Abends, Matthias Opdenhövel, noch einmal kurz erklärt: Demnach gibt es drei Runden, in denen die Kandidaten jeweils ein Lied zum Besten geben. Nach jeder Runde geht ein Kandidat über die Zuschauervoting-Planke und muss im Anschluss seine Maske vom Kopf nehmen. Läuft alles nach Plan, bleibt am Ende genau ein Kandidat übrig, der dementsprechend die Show gewinnt.

Da das aber zu sehr Gesangsshow wäre, gibt es natürlich auch im Finale eine "Jury" genannte Nicht-Jury, die dafür da ist, alle Auftritte zu feiern, vor allem aber, um mit ihren Vermutungen die Zuschauer ein bisschen zum Mitraten zu animieren. Diesmal sind dafür Judith Williams, Riccardo Simonetti und natürlich Ruth Moschner verantwortlich. Aber vor das Raten hat der TV-Show-Gott die Auftritte gesetzt und da geht es mit dem Maulwurf los. Der probiert es mit einer Version von Bruno Mars’ "Grenade" und damit beginnt sie, die Raterei.

Judith Williams ist ob des Auftritts "schockverliebt". Der Maulwurf sei ja ein niedliches Tierchen, aber, "was, wenn darunter ein Bad Boy steckt?", fragt Willams und das nicht ohne Grund. Die Unternehmerin will nämlich Strip-Bewegungen erkannt haben und tippt deshalb auf Marc Terenzi. Das wäre in der Tat eine Überraschung und für Terenzi eine kleine Image-Korrektur, war er zuvor doch eher in Trash-TV-Shows unterwegs.

Diese Promis stecken hinter Zahnfee und Rosty

Doch bis dahin müssen noch ein paar Auftritte absolviert und ein paar Kandidaten rausgeworfen werden und als erste erwischt es hier die Zahnfee. Nach ihrer Version von "Take me to Church" tippen Riccardo Simonetti und Ruth Moschner auf Sängerin Leslie Clio, nur Judith Williams geht da nicht mit, weil Clios aktuelle Tour auch "Take me to Church" heißt: "Ich muss einfach was anderes sagen, weil das wäre einfach zu platt", erklärt Williams und haut einfach mal ein "Enie van de Meiklokjes" raus. Doch am Ende kommt tatsächlich Leslie Clio zum Vorschein, als die Sängerin sich quasi selbst den Zahn zieht.

Da waren’s nur noch drei und nun erwischt es Rosty, den Roboter. Der hatte zuvor eine fluffige Interpretation von Will Smiths "Miami" hingelegt. In Runde zwei gab es dann eine nett umgesetzte Version des Titelsongs "I’ll Be There For You" der TV-Serie "Friends" mit entsprechenden Anspielungen auf den einstigen Serien-Hit. Genutzt hat’s nichts, für Rosty ist nach Runde zwei Schluss und am Ende lächelt Comedy-Multitalent Rick Kavanian aus dem Roboter-Kostüm.

Also entscheidet sich der Titelkampf der siebten Staffel zwischen dem Maulwurf und dem Werwolf. Doch bevor dieses Rätsel gelöst wird, geht ProSieben ein wenig in den Streckbetrieb und streut noch ein paar Gastauftritte in den Abend ein. So darf die Gewinnerin der vorherigen Staffel, Ella Endlich, in ihrem Zebra-Kostüm zusammen mit dem einen oder anderen Kandidaten singen und auch der Ork alias Nora Tschirner singt noch einmal den Tarkan-Hit "Sımarik".

"The Masked Singer" 2022: "Frauen, Leben, Freiheit"

Doch wer gewinnt nun die siebte Staffel von "The Masked Singer"? Das entscheidet sich am Samstagabend um 23:32Uhr. Im "finalen Finale", wie es Matthias Opdenhövel nennt, singt der Maulwurf "Larger than Life" von den Backstreet Boys, der Werwolf wagt sich an den ESC-Siegersong von 2006, "Hard Rock Halleluja". Offenbar stehen die Zuschauer eher auf Boyband als als auf Heavy Metal und so wird um kurz nach halb zwölf Uhr der Maulwurf per Publikumsvoting zum Sieger erklärt.

Nun weiß man also, welches Kostüm die siebte Staffel gewinnt, aber noch nicht, wer darunter steckt. Traditionell muss hier der Zweitplatzierte zuerst ran und beim Werwolf hatte Ruth Moschner bereits auf Sänger Max Giesinger getippt und zwar, weil: "Max steht auf Metal und hat starke Körperbehaarung." Das mag sein, am Ende legt sich Moschner aber doch auf Bürger Lars Dietrich fest – und sollte Recht behalten.

Dementsprechend muss nur noch eine einzige Maske fallen, doch diesmal liegt Moschner mit ihrem Tipp daneben. Die Moderatorin legt sich nämlich auf Florian David Fitz fest, richtig liegen aber Judith Williams und Riccardo Simonetti. Eine Minute nach Mitternacht zieht der Maulwurf seine Maske vom Kopf und zum Vorschein kommt Schauspieler Daniel Donskoy.

Die Show sei ein "wundervolles Erlebnis", erklärt Daniel Donskoy, während er sich bei allen Beteiligten bedankt. So weit, so üblich, doch Donskoy will noch etwas wichtiges loswerden. "Menschen aller Geschlechter stehen hier auf der Bühne und singen. Das passiert, weil wir in einem freien, demokratischen Land leben", erklärt Donskoy und baut dann die Brücke zur Situation im Iran: "Frauen kämpfen dafür, singen und sich ausdrücken zu dürfen und ich will eine Sache sagen: Frauen, Leben, Freiheit."

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