Ich glaub', ich dreh' am Rad: Ja, das "Glücksrad" ist wieder da und diesmal hat sich RTLZWEI die Buchstabenumdreherei ins Programm geholt. Das ist nicht wirklich originell, aber das neue Moderatoren-Duo Sonya Kraus und Thomas Hermanns macht am Donnerstagabend mit viel Charme das Beste draus. Eine Kandidatin hingegen wird die Auftaktfolge in keiner guten Erinnerung behalten.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Es gibt Game- oder Quizshows, die haben nicht nur in der TV-Geschichte ihre Spuren hinterlassen, sondern auch in unserem Wortschatz. Wer im Alltag ahnungslos ist, nimmt gerne einmal den Telefonjoker, wer etwas vermasselt, der kriegt den Zonk und wenn etwas besonders gut gelaufen ist, dann sind wir der Meinung "Das war spitze!" und springen vor Übermut vielleicht sogar in die Luft.

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Auch das "Glücksrad" hat mit Redewendungen wie "Ich kaufe ein A" oder "Ich möchte lösen" den allgemeinen Sprachgebrauch geprägt, wobei man an ihnen auch gleich das Alter der Verwender ablesen kann. Denn Menschen, die in diesem Jahrtausend geboren wurden, wird man mit solchen Floskeln höchstens ein irritiertes Staunen in die Gesichter zaubern.

Daher für alle Spätgeborenen: Das "Glücksrad" war eine Show, die Ende der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahr bei Sat.1 lief und danach bei verschiedenen Sendern hin- und hergereicht wurde. Wenn RTLZWEI die Show also am Donnerstagabend wieder reaktiviert, dann kann man nur bedingt vom Surfen auf der Retro-Welle, die das deutsche Fernsehen gerade erfasst hat, sprechen, denn so wirklich weg war das "Glücksrad" eigentlich nie.

Thomas Hermanns und Sonya Kraus drehen gemeinsam am Rad

Nun versucht also RTLZWEI sein Glück mit dem Rad und lässt dabei nicht alles, aber doch vieles beim Alten. Das ist auch nicht wirklich schwer, denn überkomplex war die Show nie: Drei Kandidaten müssen einen Begriff erraten und erhalten als Hinweis das oder die zu erratenden Wörter als Platzhalter an einer Wand dargestellt. Per Drehen am Rad wird ein Betrag ermittelt, den es für jeden richtig erratenen Buchstaben gibt. Nur wer den Begriff errät, kann das erspielte Geld behalten.

Ein vergleichsweise simples Regelwerk, das auch in der 2023er-Neuauflage Anwendung findet. Bei der Moderation hat man sich hingegen etwas Neues einfallen lassen. Mit dabei ist nämlich Sonya Kraus, die seinerzeit als Buchstabenumdreherin im "Glücksrad" einem breiteren Publikum bekannt wurde. Doch die Frankfurterin kehrt damit nur bedingt zu ihren Wurzeln zurück, denn sie teilt sich diesmal die Aufgabe mit Thomas Hermanns. Wenn der eine die Runde moderiert, dreht der andere die Buchstaben um und umgekehrt.

Das ist aus gleich mehreren Gründen eine gute Idee. Denn zum einen wird damit die Tradition der Show zu Grabe, in der Frauen zum "hübschen Beiwerk" degradiert und lediglich mit Hilfsaufgaben beauftragt wurden. Man kann an dieser Stelle gerne spekulieren, ob die früheren Moderatoren Peter Bond und Frederic Meisner auch zu so einer Arbeitsteilung bereit gewesen wären. Thomas Hermanns aber ist es und so spricht er Kraus auch gleich auf ihre Zeit als "Buchstabenfee" an und fordert seine Kollegin auf, ihn doch bitte "Letter Fairy" zu nennen.

Kandidat Eric: "Ich hätte gerne ein S wie Sex Machine"

Die Abwechslung in der Moderation sorgt aber nicht nur für Gleichberechtigung, sondern auch gleich für eine Belebung der knapp zweistündigen Show. Hermanns und Kraus haben ihren eigenen Stil, ihnen gemeinsam ist aber: Sie haben Lust auf die Show, Lust auf ihre Kandidaten, Lust auf Fernsehen – und das zeigen sie dem Zuschauer auch.

Vor allem Thomas Hermanns ist augenscheinlich ganz in seinem Element, wenn er etwa die Art, wie seinerzeit die Sachpreise in der Show präsentiert wurden, liebevoll auf die Schippe nimmt oder sich freut, wenn Kandidaten mal etwas anders machen: "Ich hätte gerne ein S wie Sex Machine", bittet einmal Kandidat Eric und Hermanns kann seine Freude kaum verbergen: "Endlich mal Sex Machine statt Siegfried."

Für eine ganz andere Belebung sorgt Kandidatin Sarah im sogenannten "Champions Finale". Dort spielen die Gewinner der drei vorherigen Runden gegeneinander um den Sieg und hier flattern Sarah gleich zweimal die Nerven. Die 36-Jährige hat bereits stolze 5.700 Euro erspielt und muss nun folgenden Satz lösen: EICHH_RNCHEN IM __RK F_TTERN. Eigentlich ein Elfmeter ohne Torhüter, doch die dreifache Mutter scheint zu aufgeregt und antwortet EICHHÖRNCHEN IM WERK FÜTTERN. Damit ist Sarah für diese Runde raus und Konkurrentin Annette muss nur noch aus dem Werk ein Park machen und gewinnt die Runde.

Zweimal Pech für Kandidatin Sarah

Sarah ist die Enttäuschung über sich selbst anzumerken, doch ihr Leiden sollte noch nicht vorbei sein. Wenig später scheint die Aufgabe nämlich noch leichter. Doch Sarah macht aus AM ÄTNA GIBT ES EINEN SKILIFT ein IM ÄTNA GIBT ES EINEN SKILIFT und so staubt nicht sie, sondern Konkurrent Kai das Geld für diese Runde ab. Kai ist es auch, der am Ende das "Champions Finale" und auch die abschließende Bonusrunde gewinnt. 10.900 Euro darf er schlussendlich mit nach Hause nehmen.

Ein Gewinn, der angesichts der Riesensummen anderer Formate lächerlich erscheint, doch hier passt es einfach zum Rest. Denn die RTLZWEI-Version des "Glücksrads" ist eine sympathische, kleine, unaufwändige und unaufgeregte Neuauflage eines TV-Klassikers, mit Innovationen an der richtigen Stelle. Für Freunde belangloser, aber netter Retro-TV-Unterhaltung genau das Richtige. Wer von einem Fernsehabend mehr erwartet, dürfte sich damit allerdings schwertun. Oder wie es Kandidat Thomas am Donnerstagabend formuliert: "Ich nehme ein L wie langweilig."

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