• Isabel Varell feiert am Samstag ihren 60. Geburtstag.
  • Exklusiv im Interview mit unserer Redaktion verrät die Sängerin, Schauspielerin und Autorin ihr "Jungbleib"-Rezept.
  • Zudem spricht Varell über ihr neues Buch "Die guten alten Zeiten sind jetzt", die zukünftige "Verstehen Sie Spaß?"-Moderatorin Barbara Schöneberger und die Bedeutung der Unterhaltungsbranche in schwierigen Zeiten.
Ein Interview
von Dennis Ebbecke

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Frau Varell, normalerweise verbietet es sich, eine Dame auf ihr Alter anzusprechen. Mit Ihrem Buch "Die guten alten Zeiten sind jetzt", in dem Sie dieses Thema ansprechen, haben Sie mir die Hemmungen genommen. Daher: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihren 60. Geburtstag?

Isabel Varell: Ich habe vor ein paar Monaten einmal gezuckt, weil die "60" gemeinhin ein schlechtes Image hat. Diesen Gedanken habe ich jedoch schnell beiseite geschoben. Ich bin inzwischen völlig gelassen, da ich mein Leben nicht von einer Angst vor dem Älterwerden überschatten lassen werde. Mir geht es gut und ich fühle mich so, wie ich mich fühle – ganz unabhängig von der Zahl.

In Ihrem Buch verraten Sie das "Rezept Varell". Was steckt denn dahinter?

Ich werde häufig gefragt, welche Creme ich nehme, weil ich für mein Alter anscheinend noch ganz vernünftig aussehe. Natürlich nehme auch ich eine Hautcreme, darüber hinaus mache ich aber gar nichts. Kein Botox. Keine Hyaluron-Ampullen. Wirklich nichts dergleichen. Auch ich hatte früher Ängste, zu scheitern oder abgelehnt zu werden. Der Unterschied ist, dass ich heute dazu bereit bin, diese Sorgen auch zuzugeben. Mein "Jungbleib-Rezept" ist, diesen Ängsten mutig entgegenzutreten, sie zu überwinden und beweglich zu bleiben. All das verschafft einem ein großartiges Glücksgefühl.

Wie kann man dieses Glücksgefühl konkret erreichen?

Meiner Ansicht nach lassen es viele Menschen im Alter zu, dass die Vorsicht einen zu großen Raum bekommt. Das ist durchaus nachvollziehbar, doch ich möchte es für mich so nicht akzeptieren. Und daran sollte man arbeiten. Man kann Dinge verlernen und der Muskel des Mutes kann erschlaffen. Eine Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man gesund ist. Dafür tue ich zumindest eine Menge.

Was genau tun Sie für Ihre Gesundheit? Geben Sie uns doch bitte einen Einblick in Ihren Alltag …

Ich ernähre mich gesund – allerdings ohne dabei auf alles zu verzichten. Ich schlemme schon mal ganz gerne und belohne mich damit. Eine Predigerin, was andere zu tun und zu lassen haben, bin ich sicher nicht. Ich persönlich habe mich bereits vor Jahrzehnten für ein vegetarisches Leben entschieden – mit Ausnahme von Fisch, den ich hin und wieder esse. Eine große Rolle spielt für mich auch die Bewegung: Laufen ist mein Ausdauersport, Yoga mein Alternativsport. Wenn der Körper steif ist, dann löst dieser Zustand eine Kettenreaktion aus. Die Lust, Abenteuer zu erleben, lässt nach. Und ich möchte weiterhin Abenteuer erleben …

Sieht Ihr innerer Schweinehund das genauso?

Natürlich nicht. Der meldet sich immer zu Wort, denn ich habe nie Lust zu laufen. Auf der einen Seite schreien mich die Laufschuhe an, auf der anderen Seite liegt der Schweinehund quer vor der Tür und macht einfach keinen Platz. Doch ich weiß, was dann folgt – nämlich ein Glücksgefühl, sobald ich auf der Laufstrecke bin. Es begleitet mich den ganzen Tag.

Verurteilen Sie die Menschen, die mit Botox oder Ähnlichem in den Kreislauf des Lebens einzugreifen versuchen?

Es ist gut, dass du Menschen sagst und nicht Frauen, denn es machen inzwischen auch immer mehr Männer. Ich finde es völlig übertrieben und kontraproduktiv, wenn man doch gerade daran arbeitet, den Jugendwahn zu stoppen. Allerdings sollte man auch die positiven Aspekte der Schönheitschirurgie nicht unter den Tisch fallen lassen. Ich finde es großartig, dass Frauen und Männern, die richtig Kummer und psychische Probleme haben, geholfen werden kann. Das ist nicht das, was ich kritisch beäuge. Mir geht es vielmehr um die von Haus aus schönen Menschen, die es nicht zulassen wollen, dass sie äußerlich reifer werden.

Sie würden auch mit zunehmendem Alter nichts machen?

Ganz klar nein. Ein Gesicht wird im Alter nicht uninteressanter, sondern das Gegenteil ist der Fall. Ich bin absolut gegen diese Eingriffe und finde es unheimlich schade. Auch ich war im Verlauf meines Lebens nicht immer mit mir zufrieden. In meiner Kindheit und Jugendzeit habe ich mich nicht geliebt gefühlt und meine Schönheit nicht gesehen. Man darf nicht als Opfer durchs Leben gehen, sondern sollte an seinen Entwicklungsfeldern arbeiten. Eine Spritze hilft da nicht weiter.

Beim Lesen Ihres Buches ergeben sich Fragen. Zum Beispiel: Was dürfen wir uns unter einer Langzeitstudentin an der Lebensuniversität vorstellen?

(lacht) Dieses Zitat soll aussagen, dass man im Leben nie den Punkt erreicht, an dem man alles weiß. Es gibt viele ältere Menschen, die jüngeren zu rechthaberisch gegenübertreten. Nur weil man älter ist, heißt das nicht, dass man alles besser weiß. Im Gegenteil: Ich durfte von jungen Menschen unglaublich viel lernen. Ich bleibe eine Langzeitstudentin, weil ich wissbegierig und neugierig bin. Ich will niemals ein fertiger Mensch und niemals erwachsen werden. Es ist immer ein Lernprozess.

Der Untertitel Ihres Buches heißt "Wie ich das Leben jeden Tag neu erfinde". Das klingt abwechslungsreich. Aber ist es nicht auch anstrengend, das Leben jeden Tag neu erfinden zu müssen?

Ja, dafür braucht es Kondition. Denn es bedeutet ja, dass man jeden Tag seine Komfortzone verlassen muss. Ich finde es wunderbar, wenn jemand mit dem zufrieden ist, was er hat. Bei mir verhält es sich etwas anders, da ich neue Dinge erleben möchte. Diese Lust auf neue Abenteuer ist nicht gestillt und wird es vermutlich auch niemals sein.

Ein neues Abenteuer beginnt 2022 auch für Ihre Kollegin Barbara Schöneberger. Warum ist sie als neue Moderatorin der ARD-Show "Verstehen Sie Spaß?" eine gute Wahl?

Weil sie frech ist und eine gewisse Distanz zu den Medien mitbringt. Barbara ist, und das meine ich absolut positiv, dieser Branche gegenüber auf eine erfrischende Art und Weise ein bisschen respektlos. Diese Eigenschaft – gepaart mit ihrer unvergleichlichen Schlagfertigkeit – gefällt mir so an ihr.

Hatten auch Sie Ambitionen auf die Nachfolge von Guido Cantz? Schließlich sind Sie bei "Verstehen Sie Spaß?" schon einige Male in Erscheinung getreten …

Zumindest als Lockvogel stehe ich sehr gerne wieder zur Verfügung. Es hat mir bisher immer großen Spaß bereitet – ob beim Sprung ins Wasser mit Beatrice Egli oder die Verlade von Eckart von Hirschhausen. Menschen veräppeln und dafür Geld bekommen: Was will man mehr?

Passt eine Sendung wie "Verstehen Sie Spaß?" - Stichworte Corona und Flut-Katastrophe - überhaupt zum aktuellen Zeitgeist? Einige Shows wurden ja verschoben.

Wer helfen will, darf gerne spenden und anpacken, aber bitte nicht nur mit einer übermäßigen Betroffenheit in den sozialen Netzwerken glänzen. Wir sind alle wahnsinnig betroffen. Dennoch müssen diese Kraftquellen, die uns unter anderem die Unterhaltungsbranche bietet, meines Erachtens unbedingt bleiben.

Ist das auch ein Fall von "Wo fängt man an und wo hört man auf"?

Genau. Wie können wir feiern, wenn zum Beispiel anderswo der Hunger tobt oder schlimme Katastrophen passieren? Wenn wir uns dies immer vor Augen führen, dann geht gar nichts mehr. Aus meiner Sicht müssen wir eine gesunde Balance finden. Beispielsweise die großen Spendengalas von ARD, ZDF, Sat.1 und RTL haben gezeigt, wie man sogar mit Unterhaltung helfen kann.

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