• Das Spiel des DFB-Teams gegen Liechtenstein in der WM-Qualifikation am Donnerstag hätte man sich auch schenken können, meint unser Kolumnist Olaf Thon.
  • Viel interessanter ist für den deutschen Weltmeister von 1990 Joshua Kimmichs Meinung gegenüber dem Impfen gegen das Coronavirus.
  • Für Thon gibt es da keine zwei Meinungen.
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Bundestrainer Hansi Flick hat es vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein am Donnerstagabend deutlich gesagt: Er wünscht sich, dass alle Spieler geimpft sind. Diese Position teile ich. Und in der Bundesliga sind auch - wie man hört - mehr als 90 Prozent der Profis geimpft. Das ist eine gute Quote im Verhältnis zur deutschen Bevölkerung, bei der etwa 70 Prozent vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind.

Joshua Kimmich ist es aber nicht, wie inzwischen alle wissen. Deshalb musste er auch nach der Corona-Infektion von Niklas Süle das DFB-Lager verlassen. Interessant wird nun, wie sich Kimmich nach seiner Quarantäne gegenüber dem Impfen äußern wird. Jetzt kann nicht mehr herumgedruckst werden, es muss Tacheles gesprochen werden, warum sich Kimmich und die übrigen Fußballer nicht impfen lassen.

Es gibt keine zwei Meinungen

Für mich sind die Fakten von Gesundheitsexperten so dargelegt worden, dass es unabdingbar ist, sich impfen zu lassen - um sich und andere zu schützen. Für mich gibt es keine zwei Meinungen.

Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Bundesregierung zu ihrem letzten Mittel greift und eine Impfpflicht ausruft, wenn die Infektionszahlen weiter ansteigen sollten. Und dafür hätte ich Verständnis. Ich kann nur an jeden appellieren: Lasst euch impfen!

Gerade als Nationalspieler gilt es, Vorbild zu sein. Nicht nur für die eigene Familie und den Verein, sondern für ein ganzes Land. Man hat die Verpflichtung, sich impfen zu lassen. Aber es gibt nun mal Leute, die anders denken - und man muss andere Meinungen auch zulassen. Auf der einen Seite werden Fußballer wie Kimmich nämlich dafür gelobt, dass sie ihre Verträge selbst aushandeln und mündig sind, aber auf der anderen Seite will man ihnen vorschreiben, sich impfen zu lassen. Ich sehe auch, dass sich das beißt.

Ich würde Kimmich und allen anderen ungeimpften Bundesligaspielern eine Übergangszeit einberaumen bis Jahresende, sich impfen zu lassen, aber dann muss Schluss sein. Mit Beginn der Rückrunde sollten sich auch die Vereine die Frage stellen: Bezahlt man die Ungeimpften weiter? Außerdem herrscht in immer mehr Bundesliga-Stadien die 2G-Regel, gleichzeitig laufen aber die ungeimpften Spieler auf, das passt nicht.

Zum Glück hat das Corona-Chaos der deutschen Mannschaft nicht geschadet. Das DFB-Team hat verdient mit 9:0 gewonnen gegen Liechtenstein, auch in der Höhe. Jedoch muss man sagen: Länderspiele gegen solche kleinen Nationen brauchen wir nicht. Gegen diese Mannschaften anzutreten, macht keinen Sinn, weil die Spieler nicht gefordert werden. Man hätte auch gegen eine Bowling-Mannschaft oder Eisstockschießen spielen können. Immerhin zeigt das Ergebnis aus deutscher Sicht, dass wir das Spiel ernst genommen haben.

Mit Hansi Flick als neuem Bundestrainer haben wir die Trendwende nach den schwachen Spielen unter Ex-Bundestrainer Jogi Löw geschafft. Der DFB hat eine hervorragende Entscheidung getroffen, Flick zu installieren. Die Ergebnisse bringen Ruhe rein - sportlich wie in der Führungsetage.

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Protokoll mit Olaf Thon von Malte Schindel