Werksklub gegen Milliardärsklub: Bayer Leverkusen trifft heute Abend in der Champions League auf Schachtjor Donetsk (ab 20:45 Uhr LIVE bei uns im Ticker und auf "Sky"). Für die Mannschaft von Sami Hyypiä ist es ein wegweisendes Duell. Donetsk hofft auf seine brasilianischen Offensiv-Künstler.

Selten wird sich Stefan Kießling mehr auf ein Spiel gefreut haben, als auf die kommende Partie gegen Schachtjor Donetsk. Sein Phantomtor bei 1899 Hoffenheim war nicht nur hierzulande tagelang ein Top-Thema. Kießling musste immer wieder Stellung beziehen, da viele den Stürmer für dessen Verhalten nach seinem irregulären Treffer angriffen. "Die ganze Kritik, die da auf mich zukam, ist ziemlich hart", gab der 29-Jährige einen Einblick in sein Seelenleben.

So kurios die Situation in Sinsheim war, so störend ist sie für Bayer in der Vorbereitung auf das wegweisende Duell mit Schachtjor Donetsk. "Wir dürfen nicht mehr an dieses komische Tor denken. Das Spiel gegen Donetsk ist zu wichtig", fordert daher Torhüter Bernd Leno.

Direktes Duell gegen den "Hauptgegner"

Durch Jens Hegelers Last-Minute-Tor gegen Real Sociedad San Sebastian am 2. Spieltag hat Leverkusen weiterhin gute Chancen, das Achtelfinale zu erreichen. Einen Punkt liegt die Werkself hinter Manchester United und Donetsk. Umso wichtiger sind die direkten Duelle gegen den ukrainischen Meister, den Mittelfeldspieler Stefan Reinartz als "Hauptgegner" in der Gruppe ausmacht.

Um das 160. Europapokalspiel der Vereinsgeschichte erfolgreich zu bestreiten, bedarf es im Vergleich zu den Partien in Manchester und gegen San Sebastian einer Leistungssteigerung. Und auch mit den vergangenen Liga-Auftritten ist Hyypiä nicht zufrieden. "Unser Offensivspiel mit Ball war in den vergangenen Spielen unser Problem", bemängelt der Bayer-Trainer. "Wir kontern sehr gut, aber wir können es bei eigenem Ballbesitz noch besser machen."

Trotz der erfolgreichen Punkteausbeute habe seine Mannschaft momentan eine "schwächere Phase", was sich vor allem an Lenos erhöhtem Arbeitspensum zeige. "Bernd hat es sehr gut gemacht in den letzten Spielen", lobt Hyypiä seinen Keeper und appelliert gleichzeitig an seine Mannschaft: "Wir können nicht damit rechnen, dass er alle Bälle hält."

Donetsk hat Erfahrung mit deutschen Teams

Schachtjor-Trainer Mircea Lucescu will in Leverkusen auf Sieg spielen und heute Abend einen ganz großen Schritt in Richtung Achtelfinale machen. Dabei soll sein Team versuchen, "das Spiel technisch zu kontrollieren". Gegen ein "körperlich starkes" Leverkusen müsse seine Mannschaft vor allem auf Konter und Standards aufpassen, erklärte der Rumäne auf der Pressekonferenz vor dem Match.

Mit deutschen Teams hat Donetsk in der jüngeren Vergangenheit einige Erfahrungen gemacht: 2009 gewann Schachtjor den Uefa-Pokal im Finale gegen Werder Bremen. In der Vorsaison setzte sich das Lucescu-Team in der Gruppenphase der Champions League vor dem FC Chelsea durch und scheiterte im Achtelfinale an Borussia Dortmund.

Erfolg ist käuflich

National hat das Team aus der Ostukraine längst Dynamo Kiew als Nummer eins des Landes abgelöst. Acht Meisterschaften in den vergangenen elf Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Hauptverantwortlich dafür: Präsident Rinat Achmetow. Über eine halbe Milliarde hat der Oligarch seit seinem Amtsantritt 1996 in den Verein gesteckt. Der Unternehmer ist mit einem geschätzten Vermögen von über zwölf Milliarden Euro der reichste Mann der Ukraine. Da war es für den 47-Jährigen auch kein Problem, der Stadt das von der Uefa mit fünf Sternen ausgezeichnete Schachtjor-Stadion, die Donbass Arena, zu schenken.

Seit geraumer Zeit haben Achmetow und Trainer Lucescu eine Vorliebe für brasilianische Fußballer. Gleich elf Spieler kommen vom Zuckerhut. Auffällig hierbei: Neun der elf Brasilianer sind offensive Mittelfeldspieler oder Stürmer. Umgekehrt sind wiederum zwölf der 13 Ukrainer im Team Defensivspieler.

Hyypiä mit Respekt vor Donetsks Brasilianern

Leverkusens Trainer Sami Hyypiä macht sich vor allem Gedanken um die brasilianische Angriffsreihe: "Sie sind in der Offensive sehr variabel und wechseln häufig die Positionen", erklärt der Finne. "Ohnehin können sie besser offensiv als defensiv spielen."

Nichtsdestotrotz hat Donetsk in der Offensive einiges an Qualität verloren. Spielmacher Willian, mittlerweile beim FC Chelsea gelandet, kehrte dem Klub im Januar dieses Jahres den Rücken und ging zu Anschi Machatschkala. Henrikh Mkhitaryan wechselte in der Sommer-Transferperiode zu Borussia Dortmund. Dieser Qualitätsverlust macht sich auch in der Liga bemerkbar. Nach 13 Partien liegt der in den vergangenen Jahren alles dominierende Serienmeister hinter Metalist Charkow nur auf Rang zwei.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Bayer Leverkusen: Leno - Donati, Toprak, Spahic, Can - Castro, Reinartz, Rolfes - Sam, Kießling, Son

Schachtjor Donetsk: Pijatow - Srna, Kucher, Rakytsky, Schewtschuk - Fernando, Hübschman - Taison, Alex Teixeira, Douglas Costa - Luiz Adriano

Schiedsrichter: Stephane Lannoy (Frankreich)