Der FC Schalke 04 beendete die Bundesliga-Hinrunde auf dem 13. Tabellenplatz. Lediglich vier Punkte trennen die Königsblauen vom Relegationsplatz. Viel zu wenig, wenn es nach den eigenen Ansprüchen geht. Aber ist S04 überhaupt gut genug für die internationalen Plätze?

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Der Wechsel von Schalkes Publikumsliebling Naldo zur AS Monaco kurz nach Jahreswechsel sorgte im Revier für viel Aufsehen. Einiges hatte sich Sportdirektor Christian Heidel anschließend von den Schalke-Anhängern anhören müssen.

Vor allem wurde Kritik laut, dass mit Naldo die Identifikationsfigur, das Gesicht der Mannschaft den Verein verlasse. Heidel war bewusst, dass Naldos Abgang für Diskussionsstoff sorgen würde.

Dennoch stimmte der Sportdirektor dem Wechsel-Wunsch des Brasilianers zu. Sein Abgang riss eine Lücke in die Schalker Mannschaft.

Denn der 36-Jährige war mehr als nur Liebling der Schalker Fans. Er war Führungsspieler, innerhalb des Teams hoch angesehen. Und mit Naldo verloren die Königsblauen auch ihren besten Innenverteidiger aus der Vorsaison, der in dieser Hinrunde aber meist nur noch auf der Bank saß.

Naldos Abgang ein Verlust

Charakterlich - und aufgrund der dünnen Personaldecke auch sportlich - ist der Verlust des Brasilianers nur schwer aufzufangen. Trainer Domenico Tedesco kündigte zwar neues Personal an. Davon fehlt kurz vor dem Bundesliga-Rückrundenauftakt aber jede Spur. Auf Schalke hat man anscheinend Zeit.

Tedesco sagte jüngst zu möglichen Zugängen: "Dabei wird es keine Schnellschüsse geben. Denn es ist wichtiger, einen guten Transfer hinzulegen – und nicht einen schnellen. Wenn es noch zwei Wochen dauern sollte, dann ist das so."

Ein Innenverteidiger, ein Flügelspieler und ein Stürmer werden gesucht, heißt es auf der Schalke-Homepage. Erstgenannter soll Naldo ersetzen. Die Letztgenannten sollen die Offensive beleben und endlich für Tore sorgen.

Viel zum Jubeln hatten die S04-Fans in der Hinrunde nämlich nicht: Nach 17 Spieltagen hat Schalke gerade einmal 20 Treffer erzielt. Einer der Gründe, warum die Königsblauen vor den Abstiegsrängen stehen. Nur fünf Mannschaften trafen das Gehäuse in der laufenden Bundesliga-Saison noch seltener.

Weitere Abgänge bei S04 möglich

Die Transferaktivitäten von Schalke 04 werfen einige Fragen auf. Laut verschiedener Medienberichte dürfen die Mittelfeldspieler Yevhen Konoplyanka und Amine Harit den Verein verlassen. Ausgerechnet jene beiden Spieler also, die für Kreativität in der Offensive sorgen könnten. Schließlich wirkte das Schalker Spiel in der Hinrunde meist ideenlos.

Sollten Konoplyanka und Harit tatsächlich verkauft werden, fehlt Tedesco selbst bei Zugängen weiter quantitativer Spielraum. Das war bereits in der Hinrunde ein Problem.

So musste zum Beispiel Außenverteidiger Hamza Mendyl im Derby gegen Herbstmeister Borussia Dortmund die Rolle des Flügelspielers und Mittelstürmers einnehmen. Er kam nach 36 Minuten für den verletzten Guido Burgstaller in die Partie.

Schalker Hoffnung liegt auf Mark Uth

Auch für Stürmer Franco Di Santo wird ein Abnehmer gesucht. Sollte es keine Interessenten geben, wird der Argentinier die Rückrunde bei der U23 verbringen.

Die weiteren Stürmer Breel Embolo und bereits genannter Burgstaller sind verletzt. Mark Uth, der vor seiner Zwangspause durch gute Leistungen aufgefallen war, ist wieder zurück.

Auf dem Deutschen ruht die Schalker Hoffnung, endlich mehr Tore zu schießen. Der 27-Jährige kam im Laufe der Saison immer besser in Fahrt.

Sommer-Zugänge zünden nicht

Ein Faktor der Schalker Misere sind auch - ausgenommen von Uth - die Sommer-Zugänge, die auf Schalke noch nicht einschlagen. Bisher konnten Teile der Ablöse für Thilo Kehrer, der vor der Saison für 37 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain gewechselt war, nicht in Erfolge umgemünzt werden.

Omar Mascarell, Suat Serder und Ex-Bayern-Spieler Sebastian Rudy sollten das Mittelfeld beleben. Daraus wurde nichts. Sie fanden sich meist auf der Bank wieder.

Abwehrspieler Salif Sané fiel mehr durch ständiges Diskutieren mit den Schiedsrichtern, statt durch sein fußballerisches Können auf. Mendyl braucht nach seinem Wechsel aus Frankreich ins Ruhrgebiet noch Zeit, sich an die Bundesliga anzupassen.

Gleiches gilt für Mittelfeldspieler Steven Skrzybski, der aus der 2. Bundesliga kam. Kurzum: Die Sommer-Einkäufe sind auf Schalke noch nicht angekommen.

Mit System-Wechsel zum Erfolg?

Tatsächlich braucht Heidel bei der Wahl neuer Spieler Geduld, um die restlichen Kehrer-Millionen nicht in den Wind zu schießen. Doch auch die möglichen Neuankömmlinge brauchen Zeit, sich an den Bundesliga-Fußball und das Schalker Umfeld (es wurde in der Vergangenheit bei Misserfolg schnell unruhig) zu gewöhnen, sollten deshalb möglichst schnell zum Kader stoßen.

Noch hat Tedesco genügend Innenverteidiger zur Verfügung, um mit Dreierkette zu spielen. Doch auch hier kommt die dünne Personaldecke zum Vorschein.

Fällt einer der Innenverteidiger aus, droht ein System-Wechsel. Aber vielleicht wäre genau das die Chance auf eine Wende. Denn auch Tedesco hat in der Hinrunde Fehler gemacht.

Der Deutsch-Italiener gilt als Taktik-Genie. Er reagiert auf seine Gegner. Anstatt nur die eigenen Stärken auszuspielen, nutzt er vor allem die Schwächen des Kontrahenten. In der Hinrunde aber meist erfolglos, was wiederum auch dem Personal geschuldet war, das ihm zur Verfügung gestellt wurde. Ein Teufelskreis.

Prognose: S04 hat mit Abstieg nichts am Hut

Wo geht es für Schalke in der Rückrunde nun hin? Sollten die Sommer-Zugänge ihre Eingewöhnungszeit hinter sich haben und sich die Verletzten-Liste verkleinern, klettert Königsblau in der Tabelle nach oben.

Mit den internationalen Plätzen wird es diese Saison aber nichts mehr. Dafür spielen Mannschaften wie Eintracht Frankfurt oder der VfL Wolfsburg zu konstant. Genau diese Kontinuität fehlte Schalke in der Hinrunde. Auf ein gutes folgten zwei schlechte Spiele.

Will der S04 seine Chance zumindest auf die Europa League noch irgendwie wahren, müssen zum Rückrundenauftakt gegen die Wölfe (20. Januar, 18:00 Uhr) zwingend drei Zähler her.

Geht das Duell verloren, trennen Schalke und Wolfsburg (derzeit Fünfter) bereits 13 Punkte.

Um den Abstieg muss sich bei Schalke am Ende der Saison aber niemand sorgen. Um den Ruhrpott-Verein abzufangen, reicht die Qualität der Kellerkinder Nürnberg, Hannover, Stuttgart, Augsburg und Düsseldorf einfach nicht aus.

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