Ruhrpott-Derby in Gelsenkirchen! Heute treffen der FC Schalke 04 und Borussia Dortmund zum 143. Mal aufeinander (ab 15:30 Uhr LIVE bei uns im Ticker und auf "Sky"). Doch selten blieb es vor einem Derby so ruhig wie in dieser Woche. Giftpfeile wurden sowohl von Schalker als auch von Dortmunder Seite nicht verschossen. Existiert die Rivalität der beiden Klubs nur noch in den Köpfen der Fans?

Seit 2002 spielt Roman Weidenfeller für Borussia Dortmund. In seinen elf Jahren beim BVB hat der Keeper schon einige Derbys miterlebt. Unter anderem jenes im August 2007, als er beim 1:4 mit Schalkes Gerald Asamoah aneinander geriet und dafür vom DFB mit einer Sperre belegt wurde. Da überrascht es schon, dass Weidenfeller ausgerechnet in der Derby-Woche freundliche Worte für den kommenden Gegner übrig hat. Der "Sport Bild" sagte der Torwart, dass er auf Christoph Metzelders 30. Geburtstag feststellte, "dass es auch bei den Blauen ein paar nette Jungs gibt". Auf der Feier habe er "mit dem Busfahrer und dem Zeugwart von Schalke ein paar Bierchen getrunken und einen guten Abend gehabt."

Und während Kevin Großkreutz dem Boulevard früher noch mitteilte, Schalke "wie die Pest" zu hassen, hört man vom personifizierten Borussia Dortmund heutzutage kaum etwas zum Rivalen. Einzig Julian Draxlers stichelte in jüngerer Vergangenheit in der "Bild" ein wenig, als er sagte, ohne "Gehirnwäsche" nie nach Dortmund zu wechseln.

"CL-Finale wichtiger als Derbysieg"

Auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ließ in dieser Woche die Chance ungenutzt, gegen den Erzrivalen auszuteilen. Bei "Sky" überraschte der 54-Jährige mit der Aussage, dass er die beiden Niederlagen gegen Schalke in der Vorsaison nicht ganz so schlimm fand. "Wenn ich die Wahl gehabt hätte, zwischen dem Champions-League-Finale in London und einem Derbysieg, dann wähle ich das Champions-League-Finale." Für den objektiven Beobachter nachvollziehbare Worte - nicht so für die BVB-Fans.

"Derbysieg ist wie Meisterschaft" - so stand zuletzt auf einem Transparent in der Südtribüne des Signal-Iduna-Parks. Nimmt man das wörtlich, feierte Schalke in der vergangenen Spielzeit gleich zwei Meisterschaften. Beide Duelle entschieden die Königsblauen mit 2:1 für sich. "Das Bedürfnis, Wiedergutmachung zu leisten, ist sehr ausgeprägt", betont daher Dortmunds Trainer Jürgen Klopp im "kicker". Klopp weiß, wie wichtig ein Sieg gegen Schalke für die eigenen Fans ist.

Santana und Höwedes mit pathetischer Wortwahl

Auf Schalke weiß man das offensichtlich auch und liefert den Fans, das was sie hören wollen. Felipe Santana, dessen Wechsel vom BVB zu S04 mit auffällig leisen Nebengeräuschen ablief, glaubt, dass sein Ex-Klub mit "Blut in den Augen" in die Schalke-Arena reist. Nur geringfügig weniger pathetisch ist die Wortwahl von Kapitän Benedikt Höwedes. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein Ruhrpott-Kind und ein Schalker Junge bin", erklärt der 25-Jährige. "Solche Spiele lebe ich natürlich besonders und opfere mich dafür auch auf." Gewinnt Schalke erneut gegen den BVB, wäre es das erste Mal seit 45 Jahren, dass Schalke drei Siege in Serie gegen den Erzrivalen einfahren würde.

Die Favoritenrolle aber hat die Borussia inne. Acht Punkte beträgt Dortmunds Vorsprung auf die Gelsenkirchener. Und während der BVB am vergangenen Dienstag in der Champions League mit 2:1 beim FC Arsenal gewann, ging Schalke gleichzeitig mit 0:3 gegen den FC Chelsea unter. Klopp warnt jedoch vor Übermut: "Das Derby wird ein ganz anderes Spiel", sagt der 46-Jährige. "Diese Derbys verlieren niemals etwas von ihrer Einzigartigkeit." Zudem habe Schalke eine hohe Qualität. "Die Offensive der Blauen halte ich für extrem gut besetzt", so Klopp.

Sein Pendant auf Schalker Seite, Jens Keller, erklärt, die beiden Derbysiege der Vorsaison als "Rückenwind" nutzen zu wollen und versicherte: "Man spürt überall das Derbyfieber."

Doch unstrittig bleibt, dass dieses Derbyfieber schon einmal ganz andere Temperaturen erreicht hat.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FC Schalke 04: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Matip, Aogo - Neustädter, Jones - Boateng, Meyer, Draxler - Szalai

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Sahin - Aubameyang, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)