• Mann des Vertrauens ist für einen Formel-1-Piloten der Renningenieur.
  • Das Verhältnis zwischen den beiden muss stimmen, sonst kann das Performance auf der Strecke kosten.
  • Gary Gannon ist bei Haas der Renningenieur von Mick Schumacher und verrät, wie der Deutsche tickt.

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Im Haas-Team gibt es einen Menschen, dem Mick Schumacher zu 100 Prozent vertraut. Wo die Chemie stimmt, wo sie aber auch stimmen muss. Denn das Verhältnis zu seinem Renningenieur sollte offen und ehrlich sein, beide sollten auf einer Wellenlänge funken, und das gilt sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn passt es zwischen Renningenieur und Fahrer nicht, kann das auf der Strecke wertvolle Zeit kosten. Zwischen Schumacher und Gary Gannon passte es von Anfang an.

Der 45-Jährige ist an einem Rennwochenende für so ziemlich alles zuständig, was Schumacher und das Auto betrifft. Er ist Ansprechpartner, Bezugsperson, "Mülleimer" für den ganzen Frust, der sich aufstauen kann, ist Informationsquelle, im Idealfall sogar Kumpel.

Die Kommunikation der beiden ist entscheidend, weil der Renningenieur den Informationsfluss zwischen Fahrer, Ingenieuren und Mechanikern koordinieren muss. Wie Gannon das macht, welche Prioritäten er setzt, welchen Ton er trifft, kann entscheidend für ein Rennen sein. Und auch für die Entwicklung Schumachers.

Schumacher will so viele Infos wie möglich

"Mick möchte während des Rennens viele Informationen erhalten, deshalb spreche ich während des Rennens immer mit ihm. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich zu viel rede, aber das ist genau das, was er will und was er braucht", sagte Gannon bei "Motorlat".

Denn bei einem Fahrer, der in seinem zweiten Jahr ist, können kleine Dinge noch eine große Wirkung haben. Die Piloten sind wissbegierig und in gewisser Weise auch demütig, saugen alle Informationen auf und lassen sich gerne mit Tipps versorgen. Routiniers werden bei zu viel Quatscherei am Funk auch schon mal unwirsch, wie zum Beispiel Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen, der seinem Renningenieur vor ein paar Jahren sagte: "Lass mich in Ruhe, ich weiß, was ich tue."

Akribischer Arbeiter und Tüftler

Schumacher ist als akribischer Arbeiter und Tüftler bekannt, hat sich in den Nachwuchsserien immer im zweiten Jahr besonders verbessert. Je mehr Input, desto besser also. "Bei Mick können wir mit kleinen Informationen einen großen Einfluss auf seine Leistung nehmen", sagte Gannon. "Es fühlt sich sehr lohnend an, vor allem in diesem Jahr, weil wir am Anfang etwas zu kämpfen hatten und jetzt einige gute Ergebnisse einfahren, die auf dem aufbauen, was wir im Laufe des Jahres erreicht haben", so Gannon, der seit 2010 in der Formel 1 arbeitet, seit 2013 als Renningenieur und seit 2015 bei Haas.

Schumacher wiederum schätzt an Gannon dessen ruhige und freundliche Art und den Sinn für Humor. Gannon war auch der Erste, der dem 23-Jährigen in Silverstone zu seinen ersten Punkten in der Formel 1 gratulierte. "Platz 8, Mick, Platz 8. Unglaublich. Was ein unglaubliches Rennen und starke Überholmanöver am Ende", jubelte er mit Schumacher.

So tickt Schumacher unter Druck

Gannon erlebt Schumacher natürlich auch dann, wenn etwas schiefgeht, wenn es nicht läuft, wenn der Druck von allen Seiten steigt. Wie in dieser Saison, als im Frühjahr zunächst die heftigen Unfälle in Saudi-Arabien und Monaco jede Menge Kritik hervorriefen. Oder aktuell, wenn es um seine Zukunft geht, wenn seine Leistung essenziell für einen Platz in der Motorsport-Königsklasse 2023 ist. Denn sein Cockpit in der Formel 1 hat Schumacher immer noch nicht sicher, Haas-Teamchef Günther Steiner lässt Schumacher zappeln.

"Mick selbst ist sehr reif und in der Lage, mit diesen Emotionen umzugehen und sich nicht aufgrund eines früheren schlechten Ergebnisses unterkriegen zu lassen", sagte Gannon. "Dadurch fühlen wir uns nicht unter Druck gesetzt, einen Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren."

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Auf dem Positiven aufbauen

Vieles komme von Schumacher, weil er keinen Druck aufbaue, so Gannon, "und wir versuchen auch, keinen Druck aufzubauen. Wir versuchen, ein schlechtes Wochenende oder ein paar schlechte Wochenenden auszugleichen, und wenn wir etwas Positives haben, versuchen wir darauf aufzubauen", sagte der US-Amerikaner.

Zuletzt in Monza zum Beispiel konnte Schumacher als Zwölfter zwar keine Punkte holen, das Rennen war angesichts der Umstände mit Problemen im Training und Startplatz 17 aber sehr positiv. In Zandvoort wiederum glänzte Schumacher mit seinem bislang besten Qualifying.

"Es geht immer darum, etwas Positives zu finden, auf dem man aufbauen kann, auch wenn wir nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt haben", so Gannon. So wird Schumacher auch die kommenden Rennen angehen, angefangen am 2. Oktober in Singapur. Dann werden Gannon und Schumacher wieder auf einer Wellenlänge funken.

Verwendete Quelle:

  • Gannon-Interview
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