Der Pferdemarkt im polnischen Skaryszew hat eine lange Tradition – und einen schrecklichen Ruf. In der Corona-Zeit blieb er geschlossen, doch in diesem Jahr wurden dort wieder Pferde verkauft. pferde.de erklärt, warum der Pferdemarkt so problematisch ist.

Mehr zum Thema Haustiere

Für die Veranstalter ist es ein Volksfest, Tierschützer sprechen von der "Pferdehölle Polens": Einmal im Jahr werden in Skaryszew, rund 130 Kilometer von Warschau entfernt, tausende Pferde verkauft. Damit findet in dem kleinen Ort der größte Pferdemarkt Europas statt – und der umstrittenste.

Europas schlimmster Pferdemarkt ist zurück.
Europas schlimmster Pferdemarkt ist zurück. © Foto: Rottmann Photography

Dabei hat der Pferdemarkt eine sehr lange Tradition. Schon 1433 bekam die Stadt das Marktrecht. Doch erst rund 100 Jahre später wurde aus dem Markt ein Pferdemarkt. Seit damals kommen Pferdezüchter und -händler am ersten Montag der Fastenzeit nach Skaryszewo. Und es wurden immer mehr. Vor zehn Jahren wurden 2.000 Pferde dort verkauft. Vor allem aus Polen, der Slowakei, Deutschland, Italien und auch Österreich reisten Besucher an, um Schlachtpferde zu kaufen.

Pferdemarkt – und immer gab es Alkohol…

Dabei waren die Zustände oft grausam: Die Pferde standen ohne Wasser und Futter an den Markttagen dort, hatten kaum Schutz vor Kälte oder Regen. Beim Aus- und Beladen wurden die Pferde, die nicht schnell genug waren, oft mit Peitschen oder auch mit Eisenstangen geschlagen. Dazu flossen Bier und Wodka für die Männer in Strömen.

Alkohol gehört zum Pferdemarkt in Skaryszew dazu.
Alkohol gehört zum Pferdemarkt in Skaryszew dazu. © Foto: Rottmann Photography

Die Folge: Immer mehr Tierschützer schlugen Alarm – und versuchten, Pferde auf dem Markt zu retten. Unter ihnen war auch Nicol Hufnagel. Für sie wurde die Reise zum Alptraum: "Ich kannte die Bilder, war auf das Schlimmste vorbereitet. Aber was wir dort erlebten, war so grausam, so schrecklich, dass ich die Bilder bis heute nicht vergessen kann", erzählte sie pferde.de.

Sie konnte am Ende des Tages zwei Pferde retten – ein kleiner Tropfen Hoffnung. Immer mehr Tierschützer kämpften für die Pferde von Skaryszew. Immer wieder gab es Petitionen. Das Ziel: Der Markt sollte geschlossen werden. Auf Facebook gibt es sogar eine eigene Seite über den Pferdemarkt: "Pferdemarkt in Skaryszew-Primitiv, Herzlos, Grausam”. Geschlossen war der Markt dann auch – aber nicht, weil Tierschützer gesiegt hatten. Durch Corona fand der Markt in den letzten Jahren nicht statt. In diesem Jahr öffnete er wieder seine Türen. Diesmal sollte alles besser werden, versprachen die Veranstalter. Denn wie wollten ihn unbedingt loswerden, den Ruf als schlimmster Pferdemarkt Europas.

Skaryszew: Ein Pferdemarkt mit Grauzonen

Doch hat sich wirklich etwas verändert? Tatsächlich versuchten die Behörden schon vor dem Corona-Aus, das Image der Stadt und des Pferdemarktes zu verändern – zuerst ohne Erfolg. Das Problem war die Größe des Marktes. So gab es die offiziellen Bereiche, die auch von einem Tierarzt betreut wurden. Doch am Rand dieses Gebiets gab es noch kleine Plätze oder einfach die nächste Weide, auf denen die Pferde ganz unkontrolliert verkauft wurden.

Ein Problem, das auch in diesem Jahr nicht ausgeschlossen werden konnte. Denn nur für die offiziellen Bereiche fühlen sich die Veranstalter verantwortlich. Immerhin: Der Bürgermeister von Skaryszew, Dariusz Piątek, versicherte, dass nur gesunde Pferde die Messe betreten dürfen, berichtet RMF 24. Die Verkäufer müssen über entsprechende Pässe und ärztliche Bescheinigungen über die Gesundheit der Tiere verfügen, die vom örtlichen Tierarzt bestätigt werden.

Die Pferde sind in äußerst schlechtem Zustand.
Die Pferde sind in äußerst schlechtem Zustand. © Foto: Rottmann Photography

"Das einst kranke Pferde in Skaryszewo zum Schlachten gekauft werden konnten, ist nun Geschichte. Seit vielen Jahren arbeiten wir in diese Richtung, damit Skaryszew nicht mit dieser Art von Ereignissen in Verbindung gebracht wird", so der Bürgermeister. Er fügte hinzu, dass die derzeitigen Organisatoren der Messe alles tun würden, um sicherzustellen, dass die Standards für Sicherheit, Transport und Wohlergehen von Pferden erfüllt werden.

Nachts sollen Pferde nicht mehr verkauft werden

"Auch wenn der Ort, an dem die Pferdeausstellung stattfinden wird, überdacht ist und alle sanitären Bedingungen erfüllt, versuchen wir, sie sogar von einem höheren Standard, als von der Verordnung gefordert, durchzuführen", sagte Piątek. So gebe es zum Beispiel jetzt Verladerampen, die an die unterschiedlichen Fahrzeughöhen angepasst sind.

Du liebst Pferde genauso sehr wie wir?
Dann bist Du bei Pferde.de genau richtig. Denn hier erhältst Du exklusive Storys aus dem Reitstall und spannende Ratgeber rund um die Welt der Pferde.

Zur Sicherheit der Pferde wurde die Markt-Öffnung auf 5 Uhr morgens verschoben, sodass der Handel nicht nachts stattfindet und Verkäufer ohne gültige Dokumente den Markt nicht betreten dürfen. Auch für die Transporter gibt es jetzt neue Vorschriften: Höchstens 7,5 Tonner dürfen kommen – so soll der Masseneinzug von Schlachttieren auf den Markt verhindert werden.

Der polnische Pferdemarkt will ein besseres Image.
Der polnische Pferdemarkt will ein besseres Image. © Foto: Rottmann Photography

Dazu sollten nicht nur Tierärzte, sondern auch Vertreter der Centaurus-Stiftung vor Ort vertreten sein, die sich für den Schutz von Tieren einsetzen. Auch andere Tierschutzverbände sollten vor Ort sein. Außerdem wurde das Rahmenprogramm aufgepeppt, das vor Jahren noch aus Musikbands und vor allem vielen Getränken bestand: Es gab neben vielen Marktständen auch die National Breeding Horse Show.  © Pferde.de

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.