Der "Super Tuesday" entscheidet nicht über den künftigen US-Präsidenten – doch er ist mehr als nur ein Gradmesser für den Topfavoriten. Was verbirgt sich hinter dem Begriff – und wieso wählen die US-Bürger mitten in der Woche?

Alles zur US-Wahl 2020

Wer am Ende eines langen Wahlkampfs US-Präsident geworden ist, hat eine Ochsentour hinter sich. Mehr noch als die Auseinandersetzung zwischen den Parteien, ist für die Kandidaten die Auslese innerhalb der eigenen Partei lang und hart.

Die endgültige Entscheidung, wer für die Demokraten oder Republikaner als Präsidentschaftskandidat antreten darf, fällt auf einem Parteitag. Der Favorit steht dann in der Regel bereits fest. In bundesweiten Vorwahlen wurde zuvor festgelegt, wie sich die Delegierten am Abstimmungstag verhalten werden.

Während für die Demokraten aktuell noch sechs Kandidaten (Bernie Sanders, Joe Biden, Amy Klobuchar, Tulsi Gabbard, Michael Bloomberg und Elizabeth Warren) im Rennen sind, stehen für die Nominierung der Republikaner nur US-Präsident Donald Trump und William Weld, der frühere Gouverneur von Massachusetts, an. Trump gilt innerhalb seiner eigenen Partei als gesetzt.

Spannender stellt sich die Situation deshalb bei den Demokraten dar. Von insgesamt 3.979 Delegiertenstimmen ist rechnerisch der Kandidat gesetzt, der mindestens 1990 Delegierte hinter sich vereint.

Um überhaupt eine Chance zu haben, muss jeder Bewerber mindestens 15 Prozent der Stimmen erreichen – in jedem einzelnen Wahlbezirk. Kandidaten, die in einem Bundesstaat eine überwältigende Zustimmung genießen, in anderen aber nicht, sind daher chancenlos.

Welche Bedeutung hat der "Super Tuesday" für den Ausgang der Präsidentschaftswahl?

Die wichtigste aller Vorwahlen ist der "Super Tuesday", an dem Wähler in insgesamt 14 Staaten zur Urne schreiten. Am nächsten Morgen stehen dann bei den Demokraten 1.357 von 3.979, also 34 Prozent der Delegiertenstimmen, fest.

Zum Vergleich: Bei der Vorwahl in Iowa, die am 3. Februar stattfand, wurden gerade einmal 41 Delegiertenstimmen vergeben, nach allen bisherigen Vorwahlen sind es 155. Gewählt wird unter anderem in den traditionell republikanischen Hochburgen Texas und Oklahoma sowie in Staaten wie Massachusetts und Maine, in denen eher die demokratische Partei reüssiert.

Erstmals nimmt an diesem "Super Tuesday" auch der Bundesstaat Kalifornien teil. Er allein stellt ein Zehntel der Delegierten.

In der Vergangenheit hat ein gutes Abschneiden beim "Super Tuesday" die Chancen für eine erfolgreiche Kandidatur massiv gesteigert. Zwar werden die ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire von den Medien traditionell stärker beachtet, zahlenmäßig spielen diese kleinen Staaten aber nur eine untergeordnete Rolle.

Der Demokrat Bill Clinton hatte im Jahr 1992 einige Vorwahlen verloren, gewann jedoch den "Super Tuesday" und sicherte sich am Ende Nominierung und Präsidentenamt. Auch dem Demokraten Al Gore und den Republikanern George W. Bush und Bob Dole gelang nach einem schwachen Abschneiden in den ersten Vorwahlen ein Comeback am "Super Tuesday" – am Ende stand die Nominierung. Der 3. März hat auch im Jahr 2020 das Potenzial, das Kandidatenrennen der Demokraten auf den Kopf zu stellen.

Welche Kandidaten können entspannt in den "Super Tuesday" gehen?

Dass alles so bleibt wie es ist, daran dürfte am meisten Interesse der Demokrat Bernie Sanders haben. Nach seinem deutlichen Sieg bei den Vorwahlen in Nevada führt er in den Umfragen und hat bisher auch die meisten Delegierten hinter sich. Einzelne Prognosen lassen jedoch darauf schließen, dass Sanders am 3. März eher schwach abschneiden könnte.

Denn viele Demokraten fürchten, dass der stark polarisierende Senator aus Vermont mit seinem Programm die politische Mitte verschrecken und so chancenlos gegen Donald Trump sein könnte. Ein Sieg beim "Super Tuesday", der in einer großen Zahl von demographisch und soziokulturell unterschiedlichen Staaten stattfindet, wäre deshalb ein starkes Signal in Richtung Parteiestablishment, dass Sanders linker Kurs auch bundesweit Akzeptanz findet.

Besonders entscheidend wird der "Super Tuesday" aber für Michael Bloomberg sein. Nachdem der frühere New Yorker Bürgermeister erst spät in den Wahlkampf gestartet und die bisherigen Vorwahlen "übersprungen" hatte, stellt er sich nun erstmals den Wählern.

Seine gesamte, bislang mehr als 500 Millionen Dollar teure Kampagne hat Bloomberg deshalb ganz auf den "Super Tuesday" zugeschnitten. Selbstbewusst zeigte er sich in den Fernsehdebatten, mit einem Sieg vom Platz zu gehen. Kann er dieses Versprechen nicht einlösen, könnte mit seiner Kampagne Schluss sein, bevor sie richtig angefangen hat.

Für Elizabeth Warren könnte der "Super Tuesday" eine letzte Möglichkeit für ein dringend notwendiges Comeback sein, und das Signal, dass die Senatorin aus Massachusetts weiterhin eine ernstzunehmende Kandidatin ist. Experten rechnen damit, dass Warren in ihrem Heimatstaat als Siegerin vom Platz geht. Doch ob ein einziger Sieg reicht, zurück in das Favoritenfeld zu gelangen, ist fraglich.

Joe Biden dagegen hat nach seinem fulminanten Sieg bei den Vorwahlen in South Carolina am vergangenen Sonntag Rückenwind. Zwar reihten sich nach einem starken Start, auch dank seiner hohen Beliebtheitswerte, in Bidens Kampagne haufenweise Fehler aneinander. Doch der Erfolg in South Carolina könnte eine Wendung für den 77-Jährigen bedeuten.

Wie geht es nach dem "Super Tuesday" weiter?

Sollte der Super Tuesday keine Klarheit in das Kandidatenrennen bringen, stehen in den kommenden Wochen zwei weitere Dienstage zur Verfügung. Am 10. März wird in Idaho, Michigan, Mississippi, Missouri, North Dakota und Washington gewählt, eine Woche später stehen die vier teilweise republikanischen Hochburgen Arizona, Florida, Ohio und Illinois an.

Sofern Ende März noch immer nicht klar ist, wer das Rennen macht, droht ein Szenario, das die Demokraten fürchten: Bei einem Nominierungsparteitag ohne einen klaren Favoriten könnte die ohnehin zerstrittene Partei in einen monatelangen Wahlkampfmodus verfallen.

Die Folge wäre eine Spaltung, der Profiteur hieße Donald Trump, so die Sorge. Nach eigenen Angaben einer der Gründe, weshalb der bislang so aussichtsreiche demokratische Kandidat Pete Buttigieg das Rennen aufgegeben hat.

Denn einen Ausblick darauf, welche Folgen eine solche Spaltung haben könnte, gibt es bereits: Beim Super Tuesday 2008 sammelten Barack Obama und Hillary Clinton beinahe dieselbe Anzahl an Delegiertenstimmen ein.

Es folgten vier Monate erbitterter Wahlkampf. Am Ende gab Clinton aber auf, sicherte Obama ihre Unterstützung zu und sich selbst einen Platz im Kabinett des zukünftigen Präsidenten – als Außenministerin.

Wieso findet der "Super Tuesday" an einem Dienstag statt?

In den Archiven der großen US-Tageszeitungen taucht der "Super Tuesday" als Wortschöpfung zwar erstmals im Jahr 1976 auf. Dass die meisten Wahlen in den USA auf einen Dienstag fallen, ist aber schon seit rund 200 Jahren der Fall.

Als der US-Kongress im 19. Jahrhundert die Präsidentschaftswahl per Gesetz auf einen Dienstag legte, waren die USA ein noch religiöseres Land als heute, viele Menschen verdienten ihr Geld als Bauern. Sonntage waren deshalb für den Kirchengang reserviert, Mittwochs gingen die Menschen auf den Märkten einkaufen.

Weil viele Menschen zudem weite Strecken bis zur Wahlurne zurücklegen mussten, waren der Montag und der Donnerstag als Reisetag reserviert. Als Wochentag zum Wählen war der Dienstag deshalb optimal. Bis heute ist es bei der Tradition geblieben.

Verwendete Quellen:

  • Washington Post – What is Super Tuesday and why it is important?
  • fivethirtyeight - Election Update: What Our Forecast Says About Every Super Tuesday State
  • The Hill - Where the 2020 Democrats stand in Super Tuesday polls
  • Laws of the US-Congress – Acts of the 28. Congress, Statute 2
  • 270 to Win - Democratic Superdelegate Rule Changes for 2020