Donald Trump bleibt seiner Linie treu und leistet sich den nächsten verbalen Aussetzer im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Mit seiner neuesten Attacke zielte der Republikaner auf Hillary Clinton. Es wurde ein peinlicher Schlag unter die Gürtellinie.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Grand Rapids im Bundestaat Michigan hatte sich Donald Trump vor rund 7.500 Zuhörern und Anhängern einmal mehr in eine seiner berüchtigten Tiraden hineingesteigert.

Im Verlauf seiner Rede verbiss er sich in Hillary Clinton, die Top-Kandidatin der Demokraten und Trumps ärgste Rivalin im Wahlkampf um die Kandidatur für die Präsidentschaftsnachfolge von Barack Obama.

Donald Trump zieht ins Weiße Haus ein: Die möglichen Konsequenzen.

Zunächst nahm sich Trump die Situation bei einer Debatte im TV-Sender ABC am Wochenende vor. Nach einer Werbepause war Clinton nicht mehr auf dem Podium erschienen und Moderator David Muir hatte die Diskussion einfach ohne sie fortgesetzt.

Clinton musste mal für kleine Demokraten

Nach wenigen Minuten war Clinton dann wieder unter dem Applaus der Studiozuschauer aufgetaucht und hatte mit einem lapidaren "Sorry" für Gelächter gesorgt.

Clinton hatte die Werbepause für ein unspektakuläres, aber um so natürlicheres Bedürfnis genutzt. Der Weg zur Damentoilette hinter der Studiokulisse war aber recht weit, weshalb sich ihre Rückkehr etwas verspätet hatte.

Eine Lappalie und kein Grund zur Aufregung, geschweige denn ein Grund, das Thema unnötig breit zu treten - Donald Trump sah das bei seiner Rede in Grand Rapids aber offensichtlich anders.

"Ich habe die Debatte gesehen und plötzlich war Hillary verschwunden", rief Trump seinen Anhängern zu. "Wo war sie? Ja, wo war sie denn? Ich dachte schon, sie hätte das Handtuch geschmissen und aufgegeben", witzelte Trump, um dann zum Angriff auszuholen.

"Wo ist die hingegangen? Ich weiß, wo sie war - und das ist ekelhaft!", lästerte Trump und verzog in gespieltem Entsetzen das Gesicht.

"Ich will darüber nicht sprechen", erklärte der 69-Jährige, um dann eben doch genau das zu tun. "Es ist so ekelhaft. Sprecht nicht darüber, es ist widerlich!", rief er seinen Anhängern zu, die daraufhin höhnisch jubelten.

Trump lästert über Clintons Niederlage 2008

Doch damit nicht genug. Trump attackierte Hillary Clinton bei seiner Rede in Michigan noch ein zweites Mal. Und diese Attacke zielte sogar noch deutlicher unter die Gürtellinie.

Trump weckte Erinnerungen an den demokratischen Wahlkampf im Jahr 2008, in dem Clinton Barack Obama unterlegen war.

"Sie war die Favoritin und auf dem besten Weg, Obama zu schlagen. Aber dann hat sie verloren", meinte Trump und ergänzte in Gossensprache: "She got schlonged!"

Das Wort "Schlong" ist jiddisch und die vulgäre Bezeichnung für Penis. Trumps peinliche Angriffe auf Clinton blieben noch vor Ort nicht unbeantwortet.

Beobachter erklärten, dass wohl noch nie zuvor eine Rede des Milliardärs so massiv durch Zwischenrufe gestört worden war, wie seine jüngste Ansprache in Michigan.

Demonstranten und Gegner werfen Donald Trump Scheinheiligkeit und offenen Rassismus vor.

Das Wahlkampfteam von Hillary Clinton hatte Trump Tage zuvor als Rekrutierungswerkzeug der Terrormiliz "Islamischer Staat" bezeichnet, woraufhin der Republikaner eine Entschuldigung gefordert hatte. Die klare Antwort aus dem Clinton-Lager: "Hell no!"

Trump wollte nun wohl in Michigan die Retourkutsche liefern. Das misslang.