Beim Kanzlerduell am Sonntagabend sollten eigentlich Angela Merkel und Peer Steinbrück im Mittelpunkt stehen. Doch die beiden zeigten sich – typisch Politiker – wenig bissig und überraschend. Doch abseits von Merkel und Steinbrück gab es ein paar "heimliche Stars", die den Politik-Elefanten die Show stahlen.

Beim TV-Duell, das den Höhepunkt des Bundestagswahlkampfes markiert, blieben grobe Patzer aus. Doch rein rhetorisch betrachtet, hätten sowohl Steinbrück als auch Merkel einiges besser machen können. Kommunikationsexperte Werner Dieball erklärt im Interview, woran es haperte.

Die Schlandkette

Angela Merkel trat, als hätte sie endlich Karl Lagerfelds Rat beherzigt, in klassischem Dunkelblau zum Kanzler-Duell an. Kein Wunder, dass der einzige Farbtupfer im Kanzler'schen Outfit – eine rot-gold-schwarze Halskette - alle Blicke auf sich zog. Noch während des zahmen Zweikampfs wurde die "Schlandkette" mit einem eigenen Twitteraccount bedacht, nach rund 30 Minuten hatte @schlandkette bereits mehr als 2.000 Follower. Eines hatte die wortkarge Halskette den Kontrahenten Merkel und Steinbrück in jedem Fall voraus: Sie hat eindeutig Farbe bekannt – ohne wenn und aber.

Horst Seehofer

Jede PR ist gute PR, lautet eine Marketing-Weisheit. So betrachtet könnte man Horst Seehofer als großen Gewinner des Kanzler-Duells verstehen, und das, obwohl er nicht einmal dabei war. Sein Name fiel im Laufe des Abends immer wieder, von Merkel musste er sich eine Abfuhr zur PKW-Maut und von Steinbrück ein paar höhnische Grußworte - "Schöne Grüße nach München zu Herrn Seehofer" - gefallen lassen. Der Oberbayer hat damit im Laufe des TV-Duells vor allem eines gezeigt: er ist unbeliebt in Berlin, denn er lässt sich von den "Großkopferten" nun mal nichts sagen – und so was kommt in Bayern an.

Das Kotelett

Koteletts dürften heute in aller Munde sein, nachdem Ex-Fleischergeselle und Kanzlerduell-Mitmoderator Stefan Raab Deutschland mit einem Schweinerippchen verglichen und den Bundeskanzler als den "King of Kotelett" bezeichnet hatte. Wer also in seinem Leben schon einmal über das Schicksal eines Schweinekoteletts entschieden hat, sollte eine grobe Ahnung davon haben wie es sich anfühlt ein Kanzler zu sein. Nun wird auch klar, woher Raab sein enormes Ego und unerschütterliches Selbstvertrauen hat - als früherer Fleischergesellen hatte Raab sicher des Öfteren das Schicksal eines Schweinerippchens in der Hand.

Peter Kloeppel

Während Stefan Raab den Terrier gab und unter wildem Stammtischgebell Merkel und Steinbrück in die Waden zwickte, hat Moderator Peter Kloeppel eigentlich gar nichts gesagt. Natürlich könnte man von einem RTL-Chefredakteur ein bisschen mehr Einsatz erwarten, doch die anderen Moderatoren ließen den Duell-Statisten Kloeppel auch einfach nicht zu Wort kommen. Unsympathisch machte er sich damit allerdings nicht: Seine regungslose Mimik ließ dank hochauflösendem HD sehr tief blicken. Die Falten gaben dem sonst so glatten News-Androiden etwas Menschlicheres.