Donald Trumps Gipfeltreffen mit Wladimir Putin brachte dem US-Präsidenten nicht den erhofften Applaus in der Heimat ein, ganz im Gegenteil: Republikaner zeigen sich entsetzt und auch die Medien - selbst Trump gewogene - fällen ein vernichtendes Urteil zum Auftritt in Helsinki. Es steht eine unheilvolle Frage im Raum, ob Russland etwas gegen Trump in der Hand hat.Die russische Presse dagegen findet durchaus Lob.

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Die Vorwürfe reichen von "schändlich" (John McCain) bis hin zu "Hochverrat" (Ex-CIA-Chef John Brennan).

Führende Politiker und Experten in den USA stufen den Auftritt Donald Trumps mit Waldimir Putin in Helsinki als ein Desaster ein.

Der Vorwurf lautet: Trump habe einen autoritären Staatschef hofiert und - noch schlimmer - Putins Wort ein höheres Gewicht eingeräumt als dem eigenen Geheimdienst.

Der hatte nämlich kurz vor dem Treffen Beweise dafür geliefert, dass Russland massiven Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen in den USA 2016 genommen hatte.

Doch nicht nur Politiker sowohl der oppositionellen Demokraten als auch der Republikaner gehen mit Trump hart ins Gericht - auch die US-Medien lassen kein gutes Haar am Auftritt des Präsidenten. Die russische Presse wiederum ordnet den Gipfel ganz anders ein.

Ausgewählte Pressestimmen aus den USA und Russland zum Helsinki-Gipfel:

USA

New York Times: "Hat Russland etwas gegen ihn in der Hand?"

"(...Donald Trump) hat in Helsinki alle Konventionen, wie sich ein Präsident im Ausland verhalten soll, kurz und klein geschlagen. Statt die Vereinigten Staaten von Amerika gegen eine Bedrohung von außen zu verteidigen, greift Trump seine eigene Bevölkerung und deren Institutionen an. Statt Putin, einen Gegner mit einer langen Liste an Fehlverhalten gegenüber den USA, herauszufordern, pries er ihn uneingeschränkt. Seine Aussagen waren so entgegen allen amerikanischen Zielen, so quer gegenüber dem Rest seiner Regierung, so unerklärlich auf so vielen Ebenen, dass sie eine Frage aufwerfen, die schon lange über Trump schwebt: Hat Russland etwas gegen ihn in der Hand?"

Washington Post: "Gemeinsame Sache mit kriminellem Führer"

"Trump bestand in Helsinki weiter darauf, dass es keine geheimen Absprachen mit Russland gegeben hatte. Indem er sich aber dort weigerte, die Fakten über Russlands Verhalten anzuerkennen und gleichzeitig das Rechtssystem seines eigenen Landes im Müll entsorgte, machte sich Trump mit der Sache eines kriminellen Führers einer feindlichen Macht gemein."

Fox News: "War eindeutig nicht seine beste Leistung"

"Kurz vor dem Gipfel twitterte Präsident Trump, dass viele Medien Feinde des Volkes seien - aber der Mann, den Trump später traf, ist ein Ex-KGB-Agent, dessen Aufgabe es war, Journalisten und politische Gegner verschwinden zu lassen. [...] Das war eindeutig nicht seine beste Leistung. [...] Er hätte uns verteidigen sollen. Er hätte seine eigenen Geheimdienste verteidigen sollen."

CNN: "Bislang erbärmlichster Auftritt eines Präsidenten"

"(...) Es ist nicht nur der bislang erbärmlichste Auftritt eines Präsidenten außerhalb Amerikas. Es könnte der Moment gewesen sein, der letztendlich den Beweis für die Behauptungen liefert, dass Trump seine eigenen Interessen über die der Vereinigten Staaten stellt. (...) Trumps Aussagen häuften sich zu einer bislang noch nie dagewesenen Weigerungshaltung eines US-Präsidenten, dem eigenen Geheimdienst mehr zu trauen als den Worten eines Gegners."

The Atlantic: "Moment der Wahrheit für die Republikaner"

"Es gibt genau zwei Erklärungen für solch einen beschämenden Auftritt eines amerikanischen Präsidenten: Entweder ist Donald Trump in der Tat ein Stellvertreter russischer Interessen - ob bewusst, unbewusst, aus Angst vor Erpressung, in der Hoffnung auf künftige Deals, aus männlicher Bewunderung für Wladimir Putin heraus, aus Dankbarkeit für die Hilfe während der Präsidentschaftswahl (...). Oder er ist so ignorant, unsicher und narzisstisch, dass er nicht bemerkt hat, jene Linie immer weiter zu ziehen, von der Putin gehofft hat, dass er sie weiter zieht, und vor der sich der amerikanische Geheimdienst, das Verteidigungsministerium und die Strafverfolgung am meisten gefürchtet haben. (...) Mit jeder Stunde, die die Republikaner nach diesem schockierenden Auftritt nichts unternehmen, werden sie mehr von diesem dunklen Moment beschmutzt."

Boston Globe: "Kongress muss auf Herausgabe des Transkripts der Unterhaltung pochen"

"Jetzt ist offenkundig, dass Trump ohne Zwang des Kongresses Russland niemals unter Druck setzen wird. Dieses Gremium muss Trumps Aussagen offiziell ignorieren und auf die Herausgabe des vollständigen Transkripts der privaten Unterhaltung zwischen Putin und Trump pochen. Und es ist höchste Zeit, dass die republikanischen Führer im Kongress ihre Behinderung der Mueller-Untersuchungen einstellen. Wie am Montag erneut klar wurde, ist es Mueller - nicht Trump -, der die Wahrheit ans Licht bringen will. Und Trump derjenige, der das verhindern möchte."

RUSSLAND

Iswestija: "US-Präsident wirkt nicht wie 'Anführer der freien Welt'"

"Seit dem Ende des Kalten Krieges wurde kein Treffen der Präsidenten Russlands und der USA mit solchen Gefühlen erwartet wie dieser Gipfel von Wladimir Putin und Donald Trump in Helsinki. [...] Ein erstaunliches Merkmal des Gipfels ist, dass der amerikanische Anführer nicht das gesamte US-Establishment vertritt und im Prinzip nicht frei ist in seinen Entscheidungen. [...] Erstmals wirkt der US-Präsident auch nicht wie der 'Anführer der freien Welt', sondern ist eher dessen Paria."

Rossijskaja Gaseta: "Kreml sieht Trump als Verhandlungspartner"

"Das Treffen ist wichtig, um die richtige Chemie zwischen den beiden Staatschefs zu finden. Während Trump gesagt hat, dass er in Putin einen Konkurrenten sieht, betrachtet der Kreml den US-Präsidenten als Verhandlungspartner."

RBK: "US-Präsident sind die Händer gebunden"

"Dem US-Präsidenten sind die Hände gebunden, was die russische Regierung betrifft. Deshalb braucht man zumindest einen sichtbaren Erfolg beim Gipfel in Helsinki. Doch auch hier wird man es nicht schaffen, sich bei den für beide Länder wirklich wichtigen Fragen von diesen Voraussetzungen zu lösen."

Moskowski Komsomolez: "Putin Meister der politischen Intrige"

"Trump und Putin: Erzfreunde oder beste Feinde? Das Treffen in Helsinki wird wohl kaum historisch. [...] Bei seinem geschäftsmännischen Biss ist Trump ein politischer Idealist und Romantiker. Aber Putin ist nicht nur der Meister der politischen Intrige und der überraschenden taktischen Züge, sondern auch ein Kreml-Träumer."

Nesawissimaja Gaseta: "Trump braucht Putin für innenpolitische Zwecke"

"Der russische Präsident hat wahrscheinlich nichts vom Gipfel zu erwarten: Trump braucht ihn für innenpolitische Zwecke. Er will zeigen: Er verhandelt sowohl mit Kim Jong Un als auch mit Putin."

Nowaja Gaseta: "Nato ist nur Verhandlungsmasse"

"Das wichtigste Ziel auf Trumps Europareise ist der Gipfel in Helsinki. Die Nato ist nur Verhandlungsmasse."

Wedomosti: "Propaganda-Welle der Medien in beiden Staaten"

"Das Treffen der beiden Präsidenten findet vor dem Hintergrund von Beziehungen statt, die gerade einen überaus schlechten Verlauf nehmen. [...] Das liegt auch an der Propaganda-Welle der Medien in beiden Staaten, die gegenseitige Anschuldigungen verbreiten." (szu)

Mit Material der dpa

Wladimir Putins neue Limousine hat 600 PS und ist vor allem eines: Made in Russia. Der Kremlchef zeigte seine neue Staatskarosse mit dem Namen "Cortege" (Ehrengeleit) bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Montag in Helsinki zum ersten Mal im Ausland.