Er gilt weltweit als einer der renommiertesten Wissenschaftler und berät seit Jahren US-Präsidenten in Sachen Virusinfektionen: Anthony Fauci. Der ehemalige Arzt und Leiter der US-Forschungsbehörde "NIAID" kämpft bei der Eindämmung der Coronakrise an vorderster Front. Wer ist der 79-Jährige?

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Als er im Briefing Room des Weißen Hauses fehlte, brach in der amerikanischen Internetgemeinde Panik aus. "#WhereIsDrFauci?" – "Wo ist Dr. Fauci?" twitterten Tausende Nutzer unverzüglich. Die Abwesenheit des 79 Jahre alten US-Forschers und Regierungsberaters, der in diesen Tagen eigentlich nicht von der Seite des Präsidenten Donald Trump weicht, verunsicherte die Amerikaner. Seine Abwesenheit konnte schnell aufgeklärt werden: Fauci nahm an einem parallel stattfindenden Arbeitsgruppentreffen in Sachen Coronavirusbekämpfung teil.

Wer aber ist der US-Forscher, den der "Guardian" eine "Stimme der Vernunft" und eine "beruhigende Präsenz in unsicheren Zeiten" nennt?

Pionier in der Aidsforschung

Dem Enkel von Einwanderern aus Italien und der Schweiz liegt die Medizin im Blut: Faucis Vater war Apotheker in Brooklyn, als Kind trug der Junge Medikamente mit dem Fahrrad aus. Nach seinem Medizin-Studium und seiner Arbeit als Arzt in New York folgte Fauci bereits 1968 dem Ruf ans "NIAID" (National Institute of Allergies and Infectious Diseases), einer Behörde des National Institutes of Health (NIH) in Maryland. Dort arbeitete er sich beharrlich nach oben, wurde erst Abteilungs- und Laborleiter, seit 1984 ist er Direktor der Forschungsbehörde.

Als Pionier in der Aidsforschung machte er sich schon Anfang der 1980er Jahre einen Namen, auch beim Ausbruch des Zika-Virus, von Ebola und der Schweinegrippe forschte Fauci an der Front. Der Top-Epidemiologe verschaffte sich außerdem durch Forschungen zur Immunregulation und die Behandlung von Autoimmunerkrankungen weltweites Ansehen. Auf seinen Ergebnissen basieren Behandlungsmethoden für Krankheiten, die zuvor regelmäßig tödlich verliefen.

Langjähriger Präsidentenberater

Die Folge: Zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Robert-Koch-Medaille und die National Medal of Science, 45 Ehrendoktorate und die Mitgliedschaft in der National Academy of Science. Er gilt laut "Google Scholar" als einer der 41 renommiertesten Wissenschaftler weltweit, das "Web of Science" zählt ihn in der Immunologie zu den acht wichtigsten Forschern.

Vor Trump hat der 79-Jährige bereits fünf weitere Präsidenten in globalen Gesundheitsfragen beraten und sich dabei als unaufgeregter Wissenschaftler verdient gemacht. Schon Ronald Reagan zählte auf seinen Rat. Bei der Bekämpfung des Coronavirus ist der renommierte Wissenschaftler deshalb ganz vorne mit dabei.

Verliert Trump die Geduld mit Dr. Fauci?

Vor der Kamera – ob im Gespräch mit Journalisten oder bei Pressekonferenzen - spricht der grauhaarige Brillenträger Tacheles, vermittelt ruhig die Fakten und ist dabei stets bescheiden. "It’s a team effort" - "Es ist ein Erfolg des Teams", entgegnete der Wissenschaftler im Gespräch mit "Fox News", nachdem die Moderatorin ihm für seine aktuellen Anstrengungen im Kampf gegen das Coronavirus gedankt hatte.

Der Vater von drei Kindern gilt als messerscharfer Beobachter und Arbeitstier, außerdem als talentierter Kommunikator und loyaler Kollege. Auch Trump sagte gerade erst vor Pressevertretern: "He's a good man. I like Dr. Fauci a lot" - "Er ist ein guter Mann. Ich mag Dr. Fauci sehr."

Offenbar ist aber doch nicht alles so rosig zwischen den beiden. Die "New York Times" meint zu wissen, dass Trump Fauci zwar ungewöhnlich viel Spielraum gegeben habe. "Berater sagen aber, er verliere die Geduld."

Fauci widerspricht Trump konsequent

Das könnte vor allem daran liegen, dass Fauci Trump immer wieder korrigiert und ihm widerspricht. Zunächst höflich und besonnen, zuletzt aber in einem immer schrofferen Ton. Die Wirtschaft könne in zweieinhalb Wochen wieder den gewohnten Geschäften nachgehen, ließ Trump beispielsweise verlauten. "Man kann ein Datum ins Auge fassen, aber man muss sehr flexibel sein", widersprach Fauci auf diplomatische Weise.

Den Begriff "China Virus", den Trump immer wieder verwendet, lehnt Fauci außerdem strikt ab. Auch der Behauptung, die Chinesen hätten den Ausbruch des Virus bereits drei bis vier Monate zuvor mitteilen können, widersprach der Wissenschaftler.

Gerade erst feierte ihn das Netz für einen ganz besonderen Auftritt an der Seite Trumps: Während der US-Präsident bei einer Pressekonferenz über Verschwörungstheorien sinnierte, konnte sich Dr. Fauci das Lachen kaum verkneifen und schlug die Hand vor den Kopf – im Englischen kurz: "to facepalm".

Pelosi nennt ihn "truth teller"

Von der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, wird Fauci mittlerweile als "truth teller" bezeichnet. Fauci gilt als eine der glaubhaftesten Stimmen in einer Krise, in der andere Politiker die Wahrheit verzerren und ist in den Augen von Trumps Kritikern zum Helden avanciert. Die Twitter-Gemeinde erfand dafür die Hashtags #DrFauciIsANationalHero und #DrFaucirocks ("Dr. Fauci ist ein Nationalheld" und "Dr. Fauci rockt"). Die User forderten: "Nur Ärzte im Presseraum!"

Gegenüber dem Wissenschaftsmagazin "Science" gab Fauci zu: "Manchmal muss man dem Weißen Haus Dinge zwei-, drei-, viermal sagen, bis sie passieren." Beispiel: Als Trump im Rosengarten Dutzenden Menschen die Hände schüttelte, konnte Fauci nur danebenstehen – obwohl er davon immer wieder abgeraten hatte. "In wesentlichen Dingen hört er aber auf das, was ich sage", sagte Fauci gegenüber dem "Science Magazine".

Lachend fügte er hinzu: "Bislang bin ich noch nicht gefeuert worden." Viele Amerikaner hoffen, dass das so bleibt.

Verwendete Quellen:

  • Biographie beim NIAID und NIH
  • The Guardian: 'Where's Fauci?' America panics as doctor absent again from White House briefing
  • Science Magazine: Anthony Fauci tries to make the White House listen to facts of the pandemic
  • Fox News: Dr. Fauci has a hopeful message for the American people
  • MSNBC: Trump's Patience With Dr. Fauci Begins To Wear Thin

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