• Nach den zahlreichen Angriffen auf Rettungskräfte in Deutschland wird über mögliche Konsequenzen debattiert.
  • Dabei steht auch ein grundsätzliches Böllerverbot im Raum – eine Idee, mit der sich 58 Prozent der Deutschen anfreunden können.
  • Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag unserer Redaktion.

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Immer wieder berichten Einsatzkräfte in Deutschland von Anfeindungen und Angriffen. Doch die brutalen Angriffe auf Feuerwehrleute und Polizisten in der Silvesternacht haben bundesweit für Fassungslosigkeit und Entsetzen gesorgt.

In mehreren deutschen Städten, darunter Essen, Bochum, Duisburg, Leipzig und Frankfurt (Oder), waren Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz angegriffen worden, unter anderem mit Böllern und Raketen. Besonders heftig waren die Attacken in einigen Vierteln Berlins.

In der Bundeshauptstadt waren Polizei und Feuerwehr bei fast 4.000 Einsätzen – dabei wurden sie mehrfach angegriffen, etwa mit Böllern, Schreckschusspistolen und Raketen. Die Feuerwehr sprach am Montag von Angriffen bei mindestens 38 Einsätzen und beklagte 15 Verletzte. Bei der Polizei waren es demnach 18 Verletzte. Nach Angaben der Berliner Polizei vom Mittwoch wurden nach den Krawallen in der Silvesternacht 355 Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. 145 Menschen seien vorläufig festgenommen worden, hieß es.

Die Angriffe auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht haben eine bundesweite Debatte über mögliche Konsequenzen entfacht. Darunter auch die von Berlins Regierender Bürgermeisterin, Franziska Giffey (SPD), angestoßenen Überlegungen zu einem bundesweiten Böllerverbot. Eine Idee, die bei der Mehrheit der Deutschen einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion zufolge durchaus Anklang findet.

58 Prozent der insgesamt 5.024 vom 02. Januar bis zum 04. Januar befragten Personen beantworteten die Frage: "Sollte Pyrotechnik (Böller, Feuerwerkskörper) Ihrer Meinung nach nur noch auf zentral organisierten Veranstaltungen zugelassen werden?" mit "Ja, auf jeden Fall" (50 Prozent) und "Eher Ja" (8 Prozent).

Insgesamt 36 Prozent der Befragten sahen eine solche Regelung, die einem privaten Böllerverbot gleichkommen würde, hingegen kritisch. 29 Prozent beantworteten die Frage mit "nein, auf keinen Fall", sieben Prozent hingegen mit "Eher nein". Sechs Prozent der befragten Personen zeigten sich in Bezug auf die Frage unentschieden.

Zustimmung für nur noch zentral organisiertes Feuerwerk unter Frauen höher

Bei der Analyse der Daten fällt auf, dass Menschen in Gegenden mit hoher Bevölkerungsdichte sich besonders stark für die Idee, Pyrotechnik nur noch zentral organisiert zuzulassen, aussprechen.

So lag die Zustimmungsrate bei Personen aus Gegenden mit einer sehr hohen Anzahl an Einwohnern bei 68 Prozent. In diesen Regionen sprachen sich nur 27 Prozent dagegen aus. Fünf Prozent der Befragten aus dicht bevölkerten Teilen des Landes sind derweil unentschieden.

In sehr niedrig besiedelten Regionen fällt das Gefälle hingegen deutlich niedriger aus. Dort konnten sich insgesamt 55 Prozent der Befragten mit der Idee anfreunden, während ihr 41 Prozent ablehnend und vier Prozent unentschieden gegenüberstanden.

Unter Männern und Frauen geht die Meinung bezüglich von nur noch bei zentralen Veranstaltungen erlaubten Feuerwerken und ähnlicher Pyrotechnik deutlich auseinander.

Bei den männlichen Befragten sprachen sich etwa insgesamt 53 Prozent für die Idee aus. Unter den weiblichen Umfrageteilnehmern fällt die Zustimmungsquote mit 64 Prozent hingegen deutlich höher aus.

Nur 31 Prozent der AfD-Anhänger für privates Böllerverbot

Ebenfalls unterschiedlich starke Zustimmungswerte zeigen sich, wenn die Antworten der Befragten anhand ihrer politischen Präferenzen auf Bundesebene ausgewertet werden. Besonders angetan von der Idee zeigten sich demnach Anhänger der Grünen (84 Prozent), der SPD (71 Prozent) und der Linken (66 Prozent).

Anhänger der Unionsparteien aus CDU und CSU stimmten zu 53 Prozent für den ausschließlichen Einsatz von Pyrotechnik bei zentralen Veranstaltungen. Auf denselben Wert kommen auch Wählerinnen und Wähler, die zu sonstigen, aktuell nicht im Bundestag vertretenen Parteien tendieren. Am niedrigsten fällt die Zustimmung hingegen bei Wählern der AfD (31 Prozent) und der FDP (34 Prozent) aus.

Ob sich nach den Vorfällen in der Silvesternacht tatsächlich eine politische Mehrheit für ein privates Böllerverbot finden lässt, ist derzeit allerdings zweifelhaft. So hält Sachsens Innenminister Armin Schuster eine Lösung der Probleme mit gewalttätigen Randalierern vor Ort für weitaus dringlicher. Es spreche aber "grundsätzlich nichts dagegen, das Thema 'Silvesterfeuerwerk' erneut im Rahmen der Innenministerkonferenz zu diskutieren", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hingegen forderte, die Öffentlichkeit solle sich nicht von den Rufen nach Böllerverboten ablenken lassen. "Das Problem sind nicht die Böller, sondern die Krawallmacher, teils aus dem linksextremen Spektrum, teils mit Migrationshintergrund", sagte Hermann gegenüber der "Mediengruppe Bayern".

Gleichzeitig übte er scharfe Kritik an der politischen Führung in Berlin. "Berlin hat sich über die letzten 20 Jahre leider zur deutschen Hauptstadt der Kriminalität, der Gewalt, der Chaoten und krimineller Clans entwickelt. Es ist offensichtlich, dass der Kampf für die innere Sicherheit in Berlin nicht mit der notwendigen Konsequenz geführt wird".

Selbst Franziska Giffey glaubt nicht, dass ein Verbot für sämtliche Böller auf Bundesebene durchsetzbar sein werde. Das sagte sie dem rbb-Inforadio am Mittwoch. "Es gibt aber keine einfache Antwort. Ein Böllerverbot alleine wird es nicht lösen." (thp/mit Material der dpa)

Informationen zur Methode: Für die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey die Antworten von 5.024 Teilnehmerinnen und Teilnehmern berücksichtigt. Das Gesamtergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben unter anderem Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort angegeben und wurden registriert und verifiziert. Civey korrigiert Verzerrungen durch ein mehrstufiges Gewichtungsverfahren. Der Befragungszeitraum war der 02. bis 04. Januar 2023.
Der statistische Fehler der Ergebnisse beträgt 2,5 Prozentpunkte. Zusätzliche Informationen zur Methode finden Sie auf Civey.com und im Civey-Whitepaper.
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