Carles Puigdemont ist wieder frei. Der katalanische Politiker wurde unter Auflagen aus der Haft in Deutschland entlassen. Bei seiner Freilassung bedankte er sich auf Deutsch für die Solidarität, die ihm entgegengebracht wurde.

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Der ehemalige katalanische Regierungschef Carles Puigdemont wurde aus der Haft in Deutschland unter Auflagen entlassen. Die Anordnung zur Freilassung sei um 11:14 Uhr ergangen, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schleswig-Holstein am Freitag mit.

"Ich möchte mich bei allen bedanken für Ihre Hilfe und Solidarität. Vielen Dank", sagte er auf Deutsch bei einer kurzen Ansprache vor dem Gefängnis.

Er forderte erneut die Freilassung aller in Spanien inhaftierten Separatistenpolitiker, die er als politische Häftlinge bezeichnete. "Die Stunde des Dialogs ist gekommen", sagte er im Hinblick auf die Zentralregierung in Madrid.

Puigdemonts spanischer Anwalt Jaume Alonso-Cuevillas wertete die deutsche Gerichtsentscheidung als "großen Erfolg".

Kaution über 75.000 Euro gestellt

Der ehemalige katalanische Regionalpräsident habe dem Generalstaatsanwalt "im Laufe des heutigen Vormittags die Leistung einer Sicherheit in Höhe von 75.000 Euro nachgewiesen und mitgeteilt, wo er zukünftig in der Bundesrepublik Deutschland seinen Aufenthalt haben wird. Über seinen derzeitigen Aufenthaltsort werden keine Angaben gemacht."

Puigdemont darf Deutschland nicht verlassen, muss jeden Wechsel des Aufenthaltsorts mitteilen, sich einmal wöchentlich bei der Polizei in Neumünster melden und hat Ladungen der Justiz Folge zu leisten.

Die separatistische Organisation ANC (Katalanische Nationalversammlung) hat auf Twitter mitgeteilt, dass die Kaution aus der sogenannten "Solidaritätskasse" der ANC und des Kulturvereins Omnium Cultural bezahlt wurde.

Puigdemont-Auslieferung wegen Untreue noch möglich

Puigdemont saß seit dem 25. März im Gefängnis von Neumünster in Gewahrsam. Er war am selben Tag auf der Rückfahrt von einer Skandinavienreise an der Autobahn 7 in Schleswig-Holstein festgenommen worden. Grundlage war ein von Spanien erlassener Europäischer Haftbefehl.

Am Donnerstag erließ das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein einen Auslieferungshaftbefehl gegen Puigdemont, allerdings nur wegen des Vorwurfs der Untreue, nicht aber der Rebellion. Zudem hält es zum Untreue-Vorwurf weitere Klärungen und mehr Informationen für nötig.

Puigdemont fordert weiter Abspaltung Kataloniens von Spanien

Kurz vor seiner Freilassung aus der Justizvollzugsanstalt in Neumünster (Schleswig-Holstein) hat Puigdemont eine Fortsetzung der Bemühungen zur Abspaltung seiner Region von Spanien angekündigt.

"Wir müssen unsere Position beibehalten und niemals zurückweichen", wurde am Freitag auf dem Twitter-Account Puigdemonts gepostet.

"Man muss mit Hoffnung und Optimismus in die Zukunft blicken. Wir haben das Recht zu verhindern, dass man uns unsere Zukunft stiehlt", hieß es weiter.

Per Hashtag forderte der 55 Jahre alte frühere Regionalpräsident Kataloniens "LlibertatPresosPolitics" (Freiheit für politische Gefangene).

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(mgb/cai/am/dpa)