No Carb statt Low Carb: Die Ketogene Diät verzichtet fast komplett auf Kohlenhydrate. Stattdessen sollen die Mahlzeiten ausgesprochen fettreich sein. Ziel ist es, den Körper in eine Art Fastenstoffwechsel zu versetzen. Man spricht hier auch von dem Zustand der Ketose, dem die Diätform ihren Namen verdankt.

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Normalerweise nutzt unser Körper die ihm zugeführten Kohlenhydrate als Energielieferant. Bei der Ketogenen Diät werden diese jedoch extrem reduziert.

Dadurch soll unser Organismus gezwungen werden, die benötigte Energie aus den Fettdepots zu gewinnen. Oder anders gesagt: Unser Körper wird auf Fettstoffwechsel umgestellt.

Ketogene Diät: Was ist das und wie funktioniert sie?

Bei der Ketogenen Diät besteht maximal fünf Prozent der täglichen Nahrungsmenge aus Kohlenhydraten. Der restliche Energiebedarf wird überwiegend aus Fett gewonnen. Zwischen 60 und 90 Prozent der täglichen Kalorien soll unser Körper aus Fetten beziehen.

Weil der Körper so gut wie keine Kohlenhydrate erhält, stehen ihm nun keine "schnellen" Energiequellen mehr zur Verfügung. Als alternative Energiequelle greift er daher auf Fette zurück und setzt dadurch die sogenannte Ketose in Gang.

Das funktioniert folgendermaßen: Durch den Kohlenhydratmangel werden die Fette in der Leber in Ketonkörper umgewandelt. So wird das Fett anstelle der Kohlenhydrate als Energiequelle aktiviert. Sprich: Die Ketonkröper dienen quasi als Ersatzstoffe für Glucose, die vor allem in kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse und Getreide vorkommt.

Es dauert allerdings eine Weile, bis sich der Körper an die Umstellung gewöhnt. Die Umstellung kann in der Anfangsphase mit Verdauungsstörungen, Müdigkeit und sogar Erbrechen einhergehen. Außerdem müssen zunächst alle Kohlenhydratreserven in den Muskelzellen und der Leber aufgebraucht werden, damit die Ketose überhaupt einsetzen kann.

Worauf sollte man bei der Diät besonders achten?

Einen Ernährungsplan mit vorgeschriebenen Speisen gibt es bei der Ketogenen Diät nicht, allerdings sollte die erlaubte Kohlenhydratzufuhr auf keinen Fall überschritten werden. Kleine Sünden werden bei dieser Ernährungsform nämlich sofort bestraft.

Erlaubt sind Lebensmittel mit einem hohen Fett- und Eiweißanteil. Dazu gehören beispielsweise Fleisch, fettiger Fisch, Milchprodukte, Eier, Nüsse und Samen sowie kohlenhydratarmes Gemüse. Auch gute Pflanzenöle dürfen gerne üppig auf dem Teller landen.

Auf der Liste der verbotenen Speisen stehen hingegen Produkte aus Getreide (Brot, Pasta, Müsli), ​Hülsenfrüchte, Knollen- und Wurzelgemüse sowie zuckerhaltige Lebensmittel. Auch nicht erlaubt sind zahlreiche Obst- und rote Gemüsesorten, da diese viel Fructose enthalten. Ungesunde Fette, Fertigprodukte, Gewürzmischungen und zuckerfreie Diätprodukte sind ebenfalls tabu. Gleiches gilt für Alkohol.

Für wen ist diese Ernährungsform geeignet?

In der Schulmedizin wird die Ketogene Diät zur Behandlung von Epilepsie, Alzheimer und Typ-2-Diabetes eingesetzt. Darüber hinaus vermuten Wissenschaftler und Ärzte, dass der Verzicht auf Kohlenhydrate und Zucker auch bei Krebspatienten zur Heilung beitragen könnte.

Grundlage für die Annahme: Kohlenhydrate wirken entzündungsfördernd und dienen Krebszellen als Energiequelle, während Ketonkörper antientzündlich wirken. Bei Leistungssportlern kann die Diät außerdem in einer Phase harter Wettkampfvorbereitung sinnvoll sein.

Was sagen Experten zur Ketogenen Diät?

"Neben den bereits zuvor genannten Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwäche in der Übergangszeit kann die Ketogene Diät bei einem langfristigen Einsatz auch schwere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen", so Prof. Dr. med. Till Hasenberg, Ernährungsmediziner am Helios Adipositas Zentrum West in Oberhausen.

"Insbesondere die Beschränkung auf eine kleine Auswahl an Obst- und Gemüsesorten führt nahezu zwangsläufig zu einem Vitamin- und Mineralstoffmangel." Der Verzicht auf Ballaststoffe könne außerdem zu Verdauungsproblemen führen.

Weitaus riskanter kann eine Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper sein, die man in Einzelfällen bei Diabetikern beobachtet hat, die einer ketogene Ernährungsweise verfolgen. "Man spricht hier von einer so genannten Ketoazidose, die im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich sein kann", so Prof. Dr. Hasenberg."

Darüber hinaus erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten, da durch die fettreiche Ernährung der Cholesterinspiegel ansteigt und sich die Fette an den Gefäßen ablagern können. "Auch die Belastung von Leber und Nieren wird gesteigert, ebenso wie das Risiko einer Gicht-Erkrankung."

Der Experte rät: "Für diese sehr extreme Diätform gibt es nur einige seltene Indikationen wie Epilepsien oder angeborene Stoffwechselstörungen, daher sollte die ketogene Ernährung nur unter ärztlicher Kontrolle stattfinden." Für eine dauerhafte Ernährungsumstellung zur Gewichtsreduktion sei sie nicht geeignet.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Prof. Dr. med. Till Hasenberg, Ernährungsmediziner am Helios Adipositas Zentrum West in Oberhausen
  • Netdoktor.de: Ketogene Diät
  • Eatsmarter.de: Ketogene Diät: Das steckt dahinter
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