Laut einer Mobilitätsstudie des Automobilzulieferers Continental von 2020 können sich 59 Prozent der Deutschen keinen Kauf von Elektroautos in der Zukunft vorstellen. Immer mehr Hersteller können sich hingegen nicht mehr vorstellen, im nächsten Jahrzehnt noch Autos mit Verbrennungsmotoren anzubieten und planen mit einem Ausstieg. In dieser Übersicht stellen wir jene Autobauer vor, die bereits ein mehr oder weniger konkretes Ausstiegsdatum benannt haben – selbstverständlich fortlaufend aktualisiert und ergänzt.

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VW in Norwegen bald vollelektrisch

Volkswagen wird in Norwegen bereits vom 1. Januar 2024 an nur noch vollelektrisch angetriebene Modelle anbieten. Die Entscheidung zum frühzeitigen Verbrennerausstieg im europäischen E-Auto-Leitmarkt kommt aber nicht aus Wolfsburg, sondern vom norwegischen Importeur für die VW-Konzernmarken Volkswagen, Audi, Skoda und Cupra, Harald A. Møller AS. Deren Chef Ulf Tore Hekneby bekräftigte die Entscheidung im Oktober 2023 angesichts der Feierlichkeiten zur 75-jährigen Präsenz des Konzerns auf dem skandinavischen Markt. "Als endgültiger Abschied von fossilen Autos wird der letzte Volkswagen Golf gegen Ende des Jahres bestellt", sagt Hekneby. "Dies markiert in vielerlei Hinsicht das Ende einer Ära, aber auch den Beginn einer neuen und wichtigeren Ära." Schon 2035 ("möglichst früher", so Hekneby) soll die Hälfte aller Volkswagen auf Norwegens Straßen vollelektrisch fahren.

VW: "Zwischen 2033 und 2035"

Das zuletzt genannte Jahr könnte den Zeitpunkt markieren, ab dem VW in ganz Europa nur noch Neuwagen ohne Verbrennerantrieb anbietet. Entsprechende Signale aus Wolfsburg sendete im Sommer 2021 der damalige Vorstand für Marketing der Marke Volkswagen und heutige Skoda-Chaf, Klaus Zellmer, beim sozialen Netzwerk Linkedin aus: " ... zwischen 2033 und 2035 steigen wir dann in Europa aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aus. In den USA und China etwas später. In Südamerika und Afrika wird es aufgrund der noch fehlenden politischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen noch ein gutes Stück länger dauern".

DS stellt ab 2024 auf rein elektrische Modellpalette um

Bereits ab 2024 bringt DS neue Modelle ausschließlich mit reinem Elektroantrieb auf den Markt. Aktuell bietet die designorientierte Stellantis-Tochter mit dem DS 4 E-Tense, dem DS 7 E-Tense und dem DS 9 E-Tense drei Plug-in-Hybride an. Der DS 3 E-Tense ist bereits rein elektrisch unterwegs. 2024 kommt eine rein elektrische Variante des DS 4. Dann folgt nach Konzernangaben das erste Elektromodell auf Basis der neuen STLA-Medium-Plattform, das mit einer 98-kWh-Batterie ausgerüstet ist. Mit einer Batterieladung soll das Fahrzeug 700 Kilometer weit kommen. Teilweise in Frankreich entwickelt, läuft dieses Modell dann im Stellantis-Werk Melfi in der italienischen Provinz Potenza vom Band. 2025 geht dort dann ein weiteres DS-Elektromodell in Produktion; hinzu kommt noch die bisher nicht offiziell angekündigte Elektrovariante des Jeep Compass. Bei den DS-Modellen könnte es sich um die SUV DS 9 Crossback und DS 7 Crossback handeln. Weitere STLA-M-Modelle, die dann in Melfi vom Band laufen werden, sollen der neue Lancia Aurelia und der elektrische Nachfolger der Opel Insignia sein.

Video: Der DS E-Tense Performance im Detail

Opel und Vauxhall werden schon 2028 vollelektrisch

Die Rüsselsheimer und ihre britische Schwestermarke haben es mit dem Verbrennerausstieg besonders eilig. Heute hat Opel zwölf elektrifizierte Modelle – darunter das gesamte Nutzfahrzeug-Portfolio – im Angebot, 2024 soll die gesamte Modellpalette mindestens teilelektrisch unterwegs sein. Doch das sind nur Zwischenschritte in eine vollelektrische Zukunft, die bereits 2028 anbrechen wird. Bedeutet: Auch die bis dahin neu eingeführten Nachfolger des Insignia und Crossland werden dann ausschließlich mit batterieelektrischen Antrieben zu haben sein. Hinzu kommt "Mitte des Jahrzehnts" der neue Manta-e, der dann wohl als dynamischer Crossover ins Line-up zurückkehrt. Zusammen mit Konzernmutter Stellantis sollen im ehemaligen Autowerk Kaiserslautern ab 2025 zudem Batterien gefertigt werden.

Keine Benziner und Diesel mehr von Audi

Ex-Audi-Chef Markus Duesmann drehte die Marke mit den vier Ringen in seiner kurzen Amtszeit ebenfalls immer schneller auf einen Abschied von Benzinern und Dieseln. Für A3, A4 und A6 sind früheren Duesmann-Aussagen zufolge keine Verbrenner-Nachfolger mehr geplant, 2026 soll die letzte neue Verbrenner-Baureihe debütieren, 2033 wäre dann Schluss. Ab 2035 soll dann kein Audi-Werk mehr Verbrenner produzieren. Die Ingolstädter dünnen zudem das Portfolio aus, verzichten künftig auf Baureihen unterhalb der Kompaktklasse und legen den Fokus auf größere und luxuriöse Modelle.

Hyundai ab 2035 in Europa verbrennerfrei

Hyundai hat nun ebenfalls erstmals Jahreszahlen für seinen Verbrenner-Ausstieg genannt. In Europa wollen die Koreaner ab 2035 nur noch sogenannte "zero-emission vehicles" (ZEV) anbieten. Bis 2040 will Hyundai alle Fahrzeuge, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, in den wichtigsten Weltmärkten abschaffen. Batterieelektrische Modelle (BEVs) und Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge (FCEVs) sollen zu diesem Zeitpunkt 80 Prozent seiner gesamten Flottenverkäufe ausmachen. Bis 2045 will Hyundai die Klimaneutralität seiner Produkte und seiner weltweiten Geschäftstätigkeit erreichen.

Mercedes mit Elektro-Offensive

Und Mercedes will mit der hauseigenen Elektro-Offensive Tempo machen. Einem Handelsblatt-Interview mit CEO Ola Källenius zufolge könnte die Stuttgarter Traditionsmarke deutlich früher verbrennerfrei werden als ursprünglich geplant.

Ursprünglich hatte man das Jahr 2039 ins Auge gefasst, doch mittlerweile prüft man im Ländle offenbar Szenarien, wonach bereits fünf bis acht Jahre früher nur noch Neuwagen mit E-Motoren vom Band rollen sollen. Dem Handelsblatt schilderte Källenius seine Erkenntnis, dass eine klare Fokussierung von den Investoren belohnt werde. Grundlage für diese Aussage bilde der Blick an die Börse, wo Hersteller wie Tesla und selbst Nio die Marke Mercedes hinsichtlich der Marktkapitalisierung übertreffen. Mit dieser angepeilten Ausrichtung sind die Stuttgarter keinesfalls alleine. Schon andere Konzerne hatten in der jüngsten Vergangenheit ähnliche Schritte angekündigt.

Nur noch E-Autos bei Fiat ab 2030

Der italienische Autobauer Fiat plant bis zum Jahr 2030 den kompletten Abschied vom Verbrenner. Eine entsprechende Ankündigung machte jetzt Fiat-Chef Olivier François. "Zwischen 2025 und 2030 wird unsere Produktpalette schrittweise auf rein elektrische Fahrzeuge umgestellt", sagte er im Rahmen einer Veranstaltung beim World Environment Day. Man wolle im Einklang mit den sinkenden Batteriekosten so schnell wie möglich Elektroautos auf den Markt zu bringen, die nicht mehr kosten als Verbrennungsmodelle. Die Umstellung auf elektrische Antriebe bedeute einen radikalen Wandel für Fiat. Bislang hat Fiat allerdings mit dem 500e nur ein einziges vollelektrisches Modell im Programm. Die Italiener dürften aber bei der kommenden Elektrifizierung vom neuen Stellantis-Konzernverbund profitieren.

Verbrenner-Stopp bei Honda ab 2040

Der japanische Autobauer Honda hat angekündigt, ab 2040 keine neuen Benzinautos mehr verkaufen. Das schließt auch sämtliche Hybrid-Modelle ein. Im Gegenzug plant Honda den Anteil von Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeugen in den USA, Europa und China schrittweise zu erhöhen und strebt 40 Prozent bis 2030 und 80 Prozent bis 2035 an. Derzeit haben die Japaner mit dem Honda E nur einen Elektrokleinwagen im Angebot. 2024 sollen weitere, rein elektrisch angetriebene Modelle folgen.

DS nur noch elektrisch ab 2024

Seit 2019 wird jedes neue DS-Modell elektrifiziert angeboten. 2021verkündete die junge Premium-Tochter des Stellantis-Konzerns, dass ab 2024 ausschließlich zu 100 Prozent elektrische Modelle eingeführt werden. Außerdem wird der neue DS 4 ab 2024 rein elektrisch und auf Basis der STLA-Medium-Plattform wird DS die erste Marke im Konzern sein, die ein weiteres rein elektrisches Modell mit Reichweiten von 700 Kilometern auf den Markt bringt.

Mini ohne Verbrenner

Die BMW-Tochter Mini verabschiedet sich ebenfalls vom Verbrenner. Von 2031 an will der Autobauer nur noch Elektromodelle des Kleinwagens verkaufen. 2025 kommt bereits das letzte Mini-Modell mit Verbrennungsmotor auf den Markt. 2027 soll bereits die Hälfte des Mini-Absatzes mit E-Modellen erzielt werden.

Bentleys elektrische Zukunft

Auch Bentley, der Luxusmarke innerhalb des VW-Konzerns, steht eine rein elektrische Zukunft bevor. 2025 ist die Markteinführung des ersten rein elektrisch betriebenen Bentley vorgesehen. Fünf Jahre später wollen die Briten ausschließlich Strom-Modelle anbieten. Dabei profitieren sie von der Premium Plattform Electric (PPE), welche die Konzernschwestern Audi und Porsche gemeinsam entwickelt haben.

Volvo wird vollelektrisch

Die Schweden planen ab 2030 den radikalen Schnitt. Da ist nicht mehr von einer Elektrifizierung der Modellpalette die Rede, sondern vom kompletten Umstieg auf ein gänzlich vollelektrisches Produkt-Angebot. Selbst Hybride wirft Volvo dann raus, um in der Folge den Markt für Premium-Elektroautos zu bestücken. Das übrigens dann auch ausschließlich online, denn der Hersteller baut auch seine Vertriebsstruktur um. "Anstatt in ein schrumpfendes Geschäft zu investieren, investieren wir lieber in die Zukunft – elektrisch und online", stellt Volvo-Chef Håkan Samuelsson in einer entsprechenden Pressemitteilung klar.

Neben Norwegen hat nun die Marke auch in Dänemark der Verkauf von Fahrzeugen mit Mild-Hybrid-Antriebssträngen eingestellt. Nur noch BEV und PHEV-Modelle mit dem Recharge-Label werden dort vertrieben.

Reiner Himmel über GM

Schon im Januar hatte US-Autobauer General Motors (GM) ein neues Markenlogo vorgestellt, das mit seiner blauen Farbe sinnbildlich für den reinen Himmel und damit auch den Umweltgedanken stehen soll. Wenig später hieß es aus der Führungsebene, man wolle bis 2040 CO2-neutral wirtschaften. Schon bis 2035 wolle man die Emissionen der leichten Nutzfahrzeuge eliminiert haben. Eine Aussage, die das Ende V8-betriebener Pickups bedeuten dürfte. Vor dem Hintergrund, dass sich gerade dieses Segment auf dem Heimatmarkt großer Beliebtheit erfreut, kein kleiner Schnitt in die bestehende Struktur.

Cadillac verkauft ab 2030 keine Verbrenner mehr

GMs Premium-Tochter Cadillac bekennt sich zu einem vergleichsweise frühen Verbrenner-Ausstiegsdatum. Im Rahmen der Präsentation des rein elektrisch angetriebenen SUV Lyriq hat Cadillacs Vice President Rory Harvey betont, dass die Marke nach aktuellem Stand ab 2030 keine Fahrzeuge mehr mit Verbrennungsmotor anbietet.

Ford investiert kräftig

Schon in vergleichsweise naher Zukunft soll der erste Elektro-Ford auf MEB-Basis an den Start gehen. Bereits übernächstes Jahr könnte es ein Elektro-Crossover sein, den die Kölner auf die Räder stellen – dafür investieren sie eine Milliarde Euro ins Stammwerk. Doch damit nicht genug: Ab 2030 werden laut Plan alle in Europa verkauften Ford-Pkw elektrisch sein. Insgesamt soll dann die Häfte des weltweiten Produktionsvolumens mit reinem Elektroantrieb aus den Werken rollen. Das Investment für diesen Schritt fällt mit 22 Milliarden Euro nochmal deutlich höher aus.

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Jaguar wird reine E-Marke

Mitte Februar 2021 legt Jaguar Land Rover nach. Schon ab 2025 baut Jaguar nur noch Elektroautos, bei Land Rover soll es zumindest eines pro Baureihe sein. Konkret: In den kommenden fünf Jahren bringen die Briten sechs rein elektrische SUV-Modelle und eine komplett eigenständige Elektroplattform für Jaguar. Etablierte Baureihe wie XF und XE rollen ohne direktes Nachfolgemodell bis 2025 ihrem Ende entgegen. Einen neuen XJ hatte Jaguar bereits abgesagt, schließt ein Elektromodell auf der neuen Plattform unter dieser Bezeichnung jedoch nicht aus. Zudem könnte die Umstellung für ein kompaktes Modell der britischen Sportmarke sorgen.

Wenn Sie sich persönlich und emotional nun doch bereits mit dem Umstieg befassen möchten, finden Sie die aktuell meistverkauften Elektroautos in unserer Fotoshow.  © auto motor und sport

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