Mit der Mannschaft holte Springreiter Harry Charles in Paris olympisches Gold. Doch nach einem schweren Sturz in einer Doppel-Oxer-Kombination warnt er jetzt vor diesen Sprüngen…

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Mit Stürzen kennt er sich aus: Im Juli 2024 stürzte Harry Charles in Aachen in der Hauptprüfung am Nachmittag und brach sich den Arm und das Handgelenk. An einer Trippelbarre geriet sein Pferd Bandit damals zwischen die Stangen und konnte sich gerade noch auf den Beinen halten. Doch für seinen Reiter war es danach vorbei.

Jetzt stürzte der 25-Jährige beim Winter Equestrian Festival (WEF) in Wellington, Florida, (USA) wieder. Und schrieb danach in einer Instagram-Story vom "wahrscheinlich schlimmsten Sturz meiner Karriere" hatte. Passiert ist es in einer Kombination, bei der das zweite Hindernis, ein Oxer, mit einer Distanz von zwei Galoppsprüngen stand. Zuerst sah es gut aus: Charles kam gut rein, sei den Sprung "perfekt geritten". Doch dann sprang sein 14-jähriger Wallach bereits nach einem Galoppsprung los…

Nach Sturz: 400 Menschen schrieben Charles

Harry postete danach in den sozialen Medien über solche Doppel-Kombinationen. Tenor: Er ist besorgt, dass der zweite Oxer bedeutet, dass die Pferde sich eher darauf konzentrieren – und das macht die Kombinationen gefährlich. Mit der Meinung ist er nicht allein: "Mir war nicht klar, wie groß das Problem der Oxer-Kombination mit zwei Sprüngen ist, bis ich darüber gepostet habe", sagte er zu "Horse&Hound". Nach seinem Post hätten ihm 400 Leute geschrieben und Geschichten von gebrochenen Rücken, Genicken und sterbenden Pferden erzählt. Viele Reiter, auch Top-Reiter, seinen sich einig, dass diese Kombination gefährlich sei.

Harry Charles holte in Paris olympisches Gold.
Harry Charles holte in Paris olympisches Gold. © Foto: pixabay.com/NeelShakilov (Symbolfoto)

"Es wird immer Menschen geben, die anderer Meinung sind – bis dir oder jemandem, der dir nahe steht, so etwas passiert", so Charles. "Ich hätte nur in einem etwas anderen Winkel zu Boden gehen müssen, und es hätte ein viel schlimmeres Ergebnis sein können."

"Natürlich können wir nicht Schatten verbieten…"

Charles sagte, dass Pferde einige Fehler machen müssen, um zu lernen. Aber: Dieses Risiko müsse minimiert werden. "Die Abschaffung dieser Kombination wird den Sport nicht drastisch verändern", ist er überzeugt. "Sie werden nicht denken: ‚Ich wünschte, sie hätten in diesem Kurs eine Kombination aus Oxern mit zwei Sprüngen‘. Sie werden immer noch das gleiche Ergebnis erzielen. Sie werden großartigen Sport machen, indem Sie das Risiko um nur 5 Prozent minimieren. Warum sollten Sie das nicht wollen?"

Auch Olympiareiterin Holly Smith hat bereits schlechte Erfahrungen mit solchen Kombinationen. In Spanien hatte auch sie dort vor Jahren einen Sturz. "Diese Oxer-Kombinationen scheinen viele böse Stürze verursacht zu haben. Bei jeder Art von Hindernis kann es zu Unfällen kommen, aber wenn es ein Muster gibt, ist die Antwort, sie zu einer Ein-Sprung-Kombination zu machen." Ihr Vorschlag: "Bei allen Stürzen müssen Daten gesammelt werden. Das wäre ein guter Anfang. Es könnte andere Dinge geben, die gefährlicher sein könnten. Natürlich können wir Schatten nicht verbieten, aber was wir tun können, ist, das zu eliminieren, was wir können, basierend auf Wissenschaft und Daten."

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Auch der Weltreiterverband hat die Kritik gelesen. "Die FEI ist sich der von Harry Charles geäußerten Bedenken bewusst", so ein Sprecher zu "Horse&Hound". "Die Angelegenheit wird derzeit mit den FEI-Verantwortlichen diskutiert und wird von der FEI-Springkommission bei ihrer Sitzung am 17. Februar behandelt werden. Die FEI evaluiert kontinuierlich die Sicherheitsstandards im Pferdesport und ermutigt zu Feedback, um das Wohlbefinden der Athleten zu verbessern."  © Pferde.de