Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – doch welchen Platz sollten sie in Schulen haben? Während einige Länder bereits strenge Verbote erlassen haben, wird in Deutschland noch diskutiert. Eine exklusive Umfrage im Auftrag unserer Redaktion zeigt, wie die Deutschen darüber denken.
Lernhilfe oder Störfaktor? Handys können den Unterricht bereichern – oder ihn massiv beeinträchtigen. In einigen deutschen Bundesländern werden derzeit strengere Regelungen für die Nutzung von Smartphones im Schulalltag diskutiert: In Hessen etwa soll die private Handynutzung an Schulen ab dem kommenden Schuljahr flächendeckend verboten werden.
Auch Baden-Württemberg plant strengere Regeln zur Handynutzung und damit eine Änderung des Schulgesetzes. Bereits jetzt gilt an einigen Schulen des südwestdeutschen Bundeslandes ein Handyverbot, etwa am Goethe-Gymnasium Gaggenau (Kreis Rastatt).
Doch was halten die Deutschen von einem Handyverbot? Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion zeigt ein klares Stimmungsbild. Rund 5.000 Deutsche wurden dabei online gefragt: Sollte es Ihrer Meinung nach ein Verbot von Handys an Schulen geben?
Vier von fünf Deutsche sind für ein Handyverbot
Die Antwort ist mehr als eindeutig: 80 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Handyverbot an Schulen aus. 62 Prozent sind dabei klare Befürworter und antworteten mit "Ja, auf jeden Fall". Nur zwölf Prozent der Befragten lehnen ein solches Verbot ab, während acht Prozent unentschlossen sind.
Von jung bis alt: Wer ist für ein Handyverbot?
Ein Blick auf die Altersgruppen zeigt, dass ältere Menschen stärker für ein Handyverbot plädieren als jüngere: In der Altersgruppe der über 65-Jährigen stimmen 86 Prozent für ein Handyverbot an Schulen. Dennoch gibt es auch unter den 18- bis 29-Jährigen eine Mehrheit für das Verbot: 66 Prozent befürworten es, jeder vierte lehnt es ab.
Ablenkung vs. Medienkompetenz: Gehören Handys in die Schule?
Die Gründe für die Unterstützung eines Handyverbots sind vielfältig. Befürworterinnen und Befürworter wie Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) argumentieren etwa, dass Smartphones im Unterricht die Konzentration und das Lernvermögen von Kindern und Jugendlichen negativ beeinträchtigen würden. Zudem warnt die Politikerin vor Cybermobbing.
Kritikerinnen und Kritiker weisen hingegen darauf hin, dass digitale Medienkompetenz ein integraler Bestandteil der heutigen Bildung sein sollte. So müssten Kinder und Jugendliche in der Schule fit gemacht werden, damit sie mit Themen wie Cybermobbing und Fake News umgehen könnten, meint etwa Anja Bensinger-Stolze, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), gegenüber dem "Deutschlandfunk". Bei einem Handyverbot würden die Probleme nur in die Freizeit verschoben werden.
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Mit unterschiedlichen Regelungen sind Smartphones in anderen europäischen Ländern bereits weitgehend aus dem Schulalltag verbannt oder entsprechende Regelungen stehen unmittelbar vor der Umsetzung. Das gilt etwa für Italien, Dänemark, Österreich, die Niederlande, Griechenland oder Frankreich.
Informationen zur Methode
- Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat vom 21. bis 24.3.2025 online rund 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren befragt.
- Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,5 Prozentpunkten (Gesamtergebnis). Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.
Verwendete Quellen
- Exklusive Civey-Umfrage im Auftrag unserer Redaktion
- Material der dpa
- deutschlandfunk.de: Interview mit Anja Bensinger-Stolze (Bildungsgewerkschaft GEW)