Der Eichenprozessionsspinner kommt mittlerweile in ganz Deutschland vor. Die Raupen verlieren sogenannte Brennhaare, die allergische Reaktionen auslösen können. Darauf sollten Spaziergänger, Radler und Ausflügler achten.

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Im Frühjahr und Sommer sind viele Bäume und Sträucher mit weißen Gespinsten überzogen. Hierbei handelt es sich oft um die Nester des sogenannten Eichenprozessionsspinners, der in Deutschland mittlerweile überall unterwegs ist. Wenn Sie den giftigen Raupen begegnen, ist höchste Vorsicht geboten.

Woran erkenne ich den Eichenprozessionsspinner?

Eichenprozessionsspinner sind am Anfang ihres Lebens gelblich-braun gefärbt. Mit der Zeit werden sie graublau bis schwarz. Wenn sie ausgewachsen sind, können sie eine Körperlänge von bis zu drei Zentimetern erreichen.

Die Tiere sind von Anfang an stark behaart und sowohl an den weißen Schleiern als auch an kahl gefressenem Gehölz zu erkennen.

Eichen-Prozessionsspinner
Eichenprozessionsspinner haben eine Vielzahl von Haaren. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Allerdings bedeuten weiße Gespinste nicht sofort, dass Eichenprozessionsspinner am Werk sind. Es könnte auch sein, dass die Schleier von den harmlosen Gespinstmotten stammen.

Diese sind unbehaart und gelblich gefärbt mit schwarzen Punkten und sollten nicht getötet werden, da sie Nahrung für rund 80 Insektenarten und Singvögel sind.

Ein weiterer sichtbarer Unterschied: Während die Larven der Gespinstmotten das ganze Gehölz mit weißen Gespinsten überziehen, bilden die Raupen der Eichenprozessionsspinner einzelne Nester. Diese sind rund und können die Größe eines Fußballs erreichen.

Wo kommen diese Raupen vor?

In den vergangenen Jahren hat sich der Eichenprozessionsspinner rasant verbreitet. Waren früher nur einige Bundesländer betroffen, kommt er mittlerweile in ganz Deutschland vor.

Konkret sind die Tiere auf allen Eichen-Arten zu finden. Wenn sie sich rasant vermehren, weichen sie auch auf Hainbuchen aus. Sie bevorzugen warme, trockene Regionen. Lichte Eichenwälder, Waldränder, Alleen und Einzelbäume sind ihr optimaler Lebensraum.

In trockenen Jahren kann es zu Massenvermehrungen kommen, dann befallen sie auch jüngere Bäume. Die Weibchen legen ihre Eier gerne an der Südseite der Bäume im obersten Kronenbereich. Dort sind die Raupen vermehrt anzutreffen.

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Zu welcher Jahreszeit kommen Eichenprozessionsspinner vor?

Die Raupen entwickeln sich bereits im Herbst und schlüpfen schließlich in der ersten Aprilhälfte. Gefährlich werden die Tiere im Mai und Juni, wenn die ersten Eichenblätter sprießen und die Insekten sich weiterentwickelt haben.

Dann verlieren sie besonders viele Härchen, die vom Wind aus ihren Nestern getragen werden. Ab Ende Juni verpuppen sie sich und verwandeln sich in harmlose Nachtfalter.

Auch wenn die Raupen abgezogen sind, bleibt die Gesundheitsgefahr für den Menschen allerdings bestehen. Die zurückbleibenden Nester sind noch gefährlich, da sich darin abgefallene Haare und abgestreifte Larvenhäute befinden.

In betroffenen Gegenden ist also zu jeder Zeit Vorsicht angebracht. Gesundheitliche Beschwerden können ganzjährig entstehen, wie die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) auf ihrer Website schreibt. Die Raupenhaare besitzen eine lange Haltbarkeit und können mehrere Jahre lang in der Umgebung erhalten bleiben.

Warum sind die Raupen so gefährlich?

Die Raupen besitzen Brennhaare, die besonders leicht abbrechen. Sie fallen auf Spaziergänger, Radler und Hobbygärtner und lösen allergische Reaktionen aus. Die mit Widerhaken versehenen Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. "Die Brennhaare können noch jahrelang das Nesselgift enthalten", erklärt Kinderärztin und Verbandsexpertin Monika Niehaus der Deutschen Presse-Agentur.

Die Haare bleiben nicht nur an den Kleidern und Schuhen hängen, wodurch bei jeder Berührung neue toxische Reaktionen ausgelöst werden können. Sie dringen auch leicht in die Haut sowie die Schleimhäute ein. Das kann Knötchen, Quaddeln und Hautentzündungen hervorrufen sowie einen heftigen Juckreiz. Die Hautreaktionen halten häufig bis zu zwei Wochen an und meistens sind die Hautbereiche betroffen, die nicht bedeckt waren.

Wenn Haare eingeatmet werden, kann das zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen. Daneben sind auch Symptome wie Husten, Halsschmerzen, Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung möglich. In schlimmen Fällen kann es auch zu einem anaphylaktischen Schock, also der schwersten allergischen Reaktion, kommen. Wenn Sie eines dieser Symptome an sich feststellen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

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Es gilt: Vermeiden Sie Areale, in denen der Eichenprozessionsspinner aktiv ist. Nicht nur in den Gespinsten können noch Haare hängen, auch der Wind kann sie bei trockenem, warmem Wetter über weite Strecken verteilen.

Wer deshalb bereits Beschwerden hatte, sollte eine wiederholte Berührung unbedingt vermeiden. Die Symptome könnten in verstärkter Form auftreten. Die hochallergenen Larven und deren Nester sollten nur von Schädlingsbekämpfern beseitigt werden.

Was tun, wenn ich Kontakt mit einem Eichenprozessionsspinner hatte?

Wer mit den Haaren in Kontakt gekommen ist, sollte sofort die Kleidung wechseln, sich abduschen und die Haare waschen, raten die Experten. Weil Brennhaare an Hose und Oberteil haften können, sollten Sie sich außerhalb der Wohnung ausziehen und die Kleidung drinnen nicht ausschütteln.

Die Sachen sollten danach separat von anderer Kleidung gewaschen werden, idealerweise bei mindestens 60 Grad. Es ist ratsam, sichtbare Härchen vorher mit einer Fusselrolle oder einem Klebestreifen zu entfernen.

Denken Sie dabei auch an Ihre Schuhe. Dort können die Haare lange haften und unter Umständen immer wieder Reaktionen auslösen.

Verwendete Quellen:

  • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Eichenprozessionsspinner
  • LWF: Eichenprozessionsspinner - Gefahr für Wald und Mensch
  • Naturschutzbund Deutschland: Wie gefährlich sind Eichenprozessionsspinner? - Wissenswerte Fakten
  • dpa
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