Seit Amtsantritt wird Trump nicht müde, mit Zöllen zu drohen – oder sie gar zu verhängen. Er hat auch die Europäische Union im Visier. Nun spricht er eine neue Drohung aus, die die deutsche Wirtschaft hart treffen könnte.

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Die größte bilaterale Handelsbeziehung der Welt ist der Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen den USA und der EU, mit über 1,5 Billionen Dollar jährlichem Volumen. US-Präsident Donald Trump will Produkte aus der EU jetzt mit Zöllen über 25 Prozent belegen.

"Wir haben eine Entscheidung getroffen. Wir werden sie sehr bald bekannt geben", sagte Trump während einer Kabinettssitzung auf die Frage eines Journalisten. Dann schob er nach: "Es werden 25 Prozent sein, allgemein gesprochen, und zwar für Autos und alle anderen Dinge."

Trump warf den Europäern erneut vor, die USA auszunutzen. Die EU sei gegründet worden, "um die USA über den Tisch zu ziehen". Dies sei "der Zweck" der EU.

Mit den Zöllen sollen Importe aus Europa weiter erschwert werden, um wiederum die US-Wirtschaft zu stärken.

Trumps Zölle: Handelskrieg zwischen USA und EU immer wahrscheinlicher

Trump hatte zuletzt eine Anordnung unterschrieben, wonach überall dort Zölle angehoben werden sollen, wo die USA derzeit weniger verlangen als ihre Handelspartner. Es spiele dabei keine Rolle, ob es sich um strategische Konkurrenten wie China oder um Verbündete wie die Europäische Union handele, so das Weiße Haus. Die Zölle sind noch nicht in Kraft. Der Republikaner hat sein Team angewiesen, entsprechende Strafmaßnahmen auszuarbeiten.

Darauf ließ der für Industrie und den EU-Binnenmarkt zuständige EU-Kommissionsvize Stéphane Séjourné noch am Abend wissen: "Europa wird reagieren, sofort und entschlossen." Zudem schrieb er, dass Schranken für fairen Handel insbesondere zwischen Partnern ungerechtfertigt seien und Verbrauchern in den USA und der EU schadeten.

Durch diese wechselseitigen Ankündigungen wird ein Handelskrieg zwischen den USA und der EU immer wahrscheinlicher.

150.000 Jobs in Deutschland bedroht

Dazu zitiert die "Bild" eine Sprecherin der Rating-Agentur Moody's: Allein US-Zölle auf EU-Produkte in Höhe von zehn Prozent könnten den Gewinn von Unternehmen wie Volkswagen "um fünf bis zehn Prozent verringern". Dementsprechend würde der Schaden bei Zöllen von 25 Prozent oder mehr noch höher ausfallen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat laut dem Bericht errechnet, wie sich eine Erhöhung der US-Zölle auf 20 Prozent auswirken würde, wenn die EU wiederum ihrerseits ihre Drohung wahr machen würde, mit einem Vergeltungszoll auf Einfuhren aus den USA dagegenzuhalten.

Demnach könnte die deutsche Wirtschaft um bis zu 0,4 Prozent schrumpfen. Der IW-Ökonom Jürgen Matthes sagt dazu zur "Bild": "Am Ende der Amtszeit von Trump könnten 150.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sein." Einen drohenden Handelskrieg bezeichnet der Ökonom als "hart für Deutschland". "Angesichts der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosenzahlen würde uns dieser Schlag zur völlig falschen Zeit treffen."

Allerdings würde demnach die Wirtschaft der USA durch mögliche EU-Zölle noch härter getroffen. Laut IW müssten die USA schon im Jahr 2025 mit einem Verlust von rund 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts rechnen.

Zolldrohungen als Verhandlungstaktik

Der US-Präsident überraschte auch mit einem neuen Termin für Zölle auf Waren aus Mexiko und Kanada. Diese sollen am 2. April in Kraft treten, erklärte Trump. Anfang Februar hatte er kurz vor dem geplanten Inkrafttreten von Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent Zugeständnisse der Nachbarländer akzeptiert und die Handelsbeschränkungen um 30 Tage aufgeschoben. Diese Frist hätte bedeutet, dass die Zölle Anfang März greifen. Das neue Datum deutet auf einen weiteren Aufschub hin. Auf Nachfrage einer Journalistin bestätigte Trump dies aber nicht eindeutig.

Trump benutzt Zolldrohungen immer wieder als Verhandlungstaktik und wirft ständig Zahlen in den Raum. Vor einigen Tagen hatte er gesagt, dass er auf den Import von Autos in die USA Zölle in Höhe von 25 Prozent erheben wolle. Eine konkrete Ankündigung hat er für den 2. April in Aussicht gestellt. (lc)

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