Veronica Ferres als "Mutti der Nation": In der Romantikkomödie "Die Staatsaffäre", dem TV-Event am Dienstagabend auf Sat.1, verliebt sich die Bundeskanzlerin (Ferres) in den französischen Präsidenten. Wie zu erwarten war, strotzt der Film nur so von Kitsch und Klischees - hat aber auch gelegentlich seine komischen Momente.

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Vorneweg: "Die Staatsaffäre" ist kein guter Film. Bei Weitem nicht. Das konnte man von einer Romantikkomödie, in der sich die Bundeskanzlerin und der französische Präsident ineinander verlieben, aber auch nicht erwarten. Das Thema des Sat.1-Films klingt schon so schmusig-kitschig, das konnte einfach kein bahnbrechendes Werk der Filmgeschichte werden. Es ist, als ob man sich beim Discounter einen Tetrapak-Rotwein kauft und danach enttäuscht feststellt: "Oh, das ist aber mal kein guter Tropfen". Wer aber nicht mit dieser Sichtweise an "Die Staatsaffäre" herangeht und trotzdem einschaltet, der könnte sogar einige wenige amüsante Momente erleben.

Veronica Ferres spielt in "Die Staatsaffäre" die deutsche Bundeskanzlerin Anna Bremer. Sie ist nur auf ihre politische Karriere fixiert, ihr Privatleben findet praktisch nicht statt. Ihr Prestigeprojekt soll die EU-weite Energiewende werden. Und diese scheint kurz vor der Ratifizierung aller EU-Staatsoberhäupter – bis überraschend der charmante Guy Dupont (Philippe Caroit) zum französischen Präsidenten gewählt wird. Der hält nicht viel von Bremers Plänen mit der Energiewende. Außerdem stiehlt er der deutschen Bundeskanzlerin beim EU-Gipfeltreffen die mediale Aufmerksamkeit. Bremer ist anfangs überhaupt nicht angetan von Dupont.

Doch plötzlich erinnert sie sich an den Franzosen. Er ist der Kerl, in den sie sich vor rund 25 Jahren zurzeit des Mauerfalls verliebt hat – und der sich in derselben Nacht, ohne Verabschiedung, aus dem Staub gemacht hat. Trotzdem kehren bei ihr die Gefühle wieder zurück. Auch Dupont verliebt sich sofort in die Bundeskanzlerin. Und schon führen sie eine geheime "Staatsaffäre" miteinander. Bremers parteiinterner Gegner Minister Neumann (Stephan Kampwirth) kommt ihnen auf die Schliche. Er versucht, seine erbitterte Feindin mit Bildern der Affäre zu erpressen.

"Die Staatsaffäre": Politik im 08/15-Stil

"Die Staatsaffäre" spielt häufig in politischen Umfeldern: Kabinettssitzung, EU-Gipfel oder Pressekonferenz. Politisches Interesse oder gar Vorwissen des Zuschauers ist aber nicht nötig. Der Film schneidet zwar politische Themen an - Energiewende hier, NSA-Skandal da – jedoch ohne Tiefgang oder Logik.

Im Gegenteil: Es tut richtig weh zu sehen, wie Bundeskanzlerin Bremer bei einer Debatte um die Energiewende einfach nur die Signalwörter Fukushima oder Kernschmelze als Argumente einwirft. Mehr nicht. Und damit überzeugt sie ihre Widersacher sogar zum Teil. Soll uns das vermitteln, dass ein Politiker seine Gegner mit 08/15-Begriffen überzeugt? Bei "Die Staatsaffäre" ist das offenbar möglich.

Mit der Realität und der Logik steht der Film ohnehin auf Kriegsfuß. In einer Szene diskutieren Bremer und Dupont darüber, warum sie sich nach der gemeinsamen Liebesnacht nie wieder gesehen haben. Währenddessen steht eine Horde Journalisten vor ihnen. Kameras und Mikrofone sind auf die beiden gerichtet. Doch die Presse kriegt von dem Zwiegespräch nichts mit. Alles klar!

Auch der erwartbare Knackpunkt der Liebesgeschichte, ob sie die Affäre öffentlich bekannt machen sollen oder nicht, reißt ein noch größeres Loch in die ohnehin schon riesige Logiklücke. Bremers Erzfeind Minister Neumann erpresst die beiden mit Bildern des Liebespaares. Bremer entscheidet sich dafür, auf die Drohung einzugehen, um die Affäre zu vertuschen. Die abverwitzige Begründung: Die Affäre zwischen dem französischen Präsidenten und der Bundeskanzlerin würde die Politik billig erscheinen lassen. Ironie-Modus an. Das ist mal ein Totschlagargument. Ironie-Modus aus.

Klischee und Klamauk: Veronica Ferres mit Merkel-Raute

Eines muss man dem Film aber lassen: "Die Staatsaffäre" hat auch ihre witzigen Momente. Auch wenn diese nur auf Basis ausgelutschter Klischees zustande kommen. Die Charaktere sind allesamt überzeichnet und sollen an reale Politiker erinnern. Anna Bremer erscheint mit ihrem anfangs kühlen Wesen und der Merkel-Raute wie die aktuelle deutsche Bundeskanzlerin. Guy Dupont ist den Affären-affinen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy oder Francois Hollande nachempfunden.

Auch ein Verschnitt des früheren italienischen Premierministers und Frauenhelden Silvio Berlusconi ist dabei. Carlo (Salvatore Pascale) mimt den italienischen Klischee-Macho. Erst stolpert er mit dem Gesicht voraus in Bremers Dekolleté, bringt gleichzeitig zwei Affären mit zum EU-Gipfel und verwechselt auch noch deren Namen. Das Klischee ist zwar billig, aber gerade weil es so plump ist, laden die überzeichneten Szenen mit dem italienischen Premier zum Schmunzeln ein.

Alles in allem plätschert der Film mit den üblichen Romantikkomödien-Klischees vor sich hin. Erst meidet sich das Liebespaar Bremer und Dupont, dann lieben, streiten und versöhnen sie sich – in dieser Reihenfolge. Dieser Film kann getrost vernachlässigt werden. Besonders wenn man nicht wissen will, was nach Ansicht der Macher von "Die Staatsaffäre" eine Bundeskanzlerin unter ihrem Blazer trägt. Das geht einem nie wieder aus dem Kopf.

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