(sbe) - Wer den Partner fürs Leben sucht, denkt gerne, er würde bei seiner Entscheidung völlig eigenständig und unabhängig von den Meinungen anderer handeln. Eine kürzlich von der Indiana University vorgestellte Studie belegt nun jedoch, dass wir sehr wohl von den Urteilen von Freunden und Familie abhängig sind; und nicht nur das, auch völlig Fremde können unser Verhalten stark beeinflussen.

Frau küsst Mann
Den Richtigen zu finden ist gar nicht so einfach. Einflüsse von außen erschweren die Sache.

Dies liegt daran, dass der Mensch – wie auch viele Tiere – auf die Vorlieben seiner Umgebung achtet und sich ein Beispiel an den Entscheidungen seiner Umwelt nimmt. Dieses in der Tierwelt entdeckte Phänomen nennt sich "mate choice copying", also "Kopieren der Partnerwahl". Denn wer für andere geeignet ist, könnte auch für uns selbst eine gute Wahl sein.

Der Psychologe Skyler Place, sein Team von der Indiana University sowie Jens B. Asendorp von der Berliner Humboldt Universität untersuchten das Verhalten von je 40 Männern und Frauen, indem sie den Probanden Aufnahmen von acht Begegnungen bei einer Speed-Dating-Veranstaltung zeigten.

Beim Speed-Dating bekommen die Teilnehmer jeweils ca. drei Minuten Zeit, um ihr Gegenüber kennenzulernen und sich ein Urteil über sie bzw. ihn zu bilden. Anschließend tragen sie ihr Interesse an ihrem Dating-Partner auf einer Karte ein und werden zum nächsten Date weitergeschickt, das erneut nur ein paar Minuten dauert.

Vor dem Betrachten der Videos wurden den Probanden Fotos von den am Speed-Dating teilnehmenden Männern und Frauen gezeigt, und es erfolgte eine erste persönliche Einschätzung, wie interessiert die Beteiligten an den vorgestellten Personen seien. Anschließend wurden die Versuchspersonen darum gebeten, den Erfolg der Kennenlern-Phasen in den gesehen Aufnahmen zu bewerten. Außerdem sollten sie angeben, wie stark ihr Interesse an den Speed-Datern nach dem Betrachten der Videos sei.

Dabei stellte sich heraus, dass das Interesse der Probanden an den potentiellen Dating-Partnern darauf basierte, für wie erfolgreich sie die beobachteten Begegnungen hielten.

Bei den untersuchten Männern zeigte sich, dass der Wunsch nach einem Treffen mit den Frauen nach dem Betrachten der Videos grundsätzlich anstieg. Er erhöhte sich noch einmal bedeutsam, wenn die Frauen im Video attraktiv waren und ihre Speed-Dating-Partner im Video Interesse an ihnen zeigten. Besonders starke Aufmerksamkeit entstand bei den männlichen Probanden jedoch dann, wenn die Männer in den Videos ebenfalls gut aussehend waren.

Skyler Place von der UI erklärt dazu: "Für Männer spielt die relative Attraktivität der Menschen, die sie beobachten, eine Rolle. Nicht jeder kann ihr Verhalten beeinflussen, sondern nur andere Männer, von denen sie denken, sie seien ebenso attraktiv wie sie selbst." Frauen scheinen ein ähnliches Verhalten an den Tag zu legen, doch die Ergebnisse dieser größeren Untersuchung sind noch nicht vollständig ausgewertet.

Bei den weiblichen Teilnehmern der Studie zeigte sich grundsätzlich ein paralleles Verhalten zu dem der Männer. Ihr Interesse an den männlichen Speed-Datern stieg in dem Maße, wie sich die Frauen im Video für ihr Gegenüber interessierten. Im Gegensatz zu den männlichen Probanden nahm ihre Sympathie für die Männer jedoch ab, wenn sich die Frauen in den Videos nicht für ihre Speed-Dating-Partner interessierten.

Die Forscher schlussfolgerten aus der Studie, dass nicht nur Freunde, Familie oder Bekannte die eigene Partnerwahl mitbestimmen, sondern dass auch fremde Menschen einen beträchtlichen Einfluss ausüben – und zwar nicht nur bei der Partnerwahl, sondern auch in anderen Lebensbereichen.

Wer alleine auf eine Party geht, auf der ihn niemand kennt, redet sich zwar gerne ein, dass er keine Rücksicht auf die Meinung der anderen nehmen müsse. Place erklärt jedoch: "In Wirklichkeit achtet jeder Mensch sehr stark darauf, was die anderen in seiner sozialen Umgebung tun oder denken."