Angelique Kerber steht im Finale von Wimbledon. Der deutsche Tennisstar setzte sich am Donnerstag im Halbfinale gegen die Lettin Jelena Ostapenko klar mit 6:3, 6:3 durch. Im zweiten Halbfinale verpasste Julia Görges die Überraschung gegen Serena Williams.

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Als erste Deutsche seit Steffi Graf kann Angelique Kerber das Tennisturnier in Wimbledon gewinnen. 22 Jahre nach dem letzten Titel ihres Idols beim berühmten Rasenturnier zog die Kielerin am Donnerstag in London zum zweiten Mal nach 2016 ins Endspiel ein.

Mit ihrer überzeugenden Konstanz, Geduld und Erfahrung setzte sich die 30-Jährige im Halbfinale gegen die zu fehlerhaft agierende Lettin Jelena Ostapenko durch und gewann mit 6:3, 6:3 in gerade einmal 68 Minuten.

Julia Görges hingegen verpasste eine Überraschung gegen die siebenmalige Wimbledonsiegerin Serena Williams aus den USA und verlor ihr Halbfinal-Match mit 2:6, 4:6.

Julia Görges hätte den traumhaften Donnerstag für den Deutschen Tennis Bund perfekt machen können. Nach Angelique Kerber wollte auch die zweite Deutsche ins Finale von Wimbledon. Am Ende aber war Serena Williams einfach zu stark. Beide Matches der DTB-Damen in der Ticker-Nachlese.  

"Ich kümmere mich nur um mich, ich schaue nicht links und rechts", hatte Kerber in diesen ganz speziellen Wimbledon-Tagen immer wieder betont. Sie wiederholte das Meisterstück von 2016, als sie ebenfalls bis ins Endspiel auf dem Heiligen Rasen gerauscht war und gegen die US-Amerikanerin Serena Williams eine glänzende Leistung abrief, auch wenn sie verlor. Nur vier weitere deutsche Damen standen je im Wimbledon-Finale: neben Graf und Sabine Lisicki 2013 schafften das Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel, die 1931 gegeneinander spielten.

Denkwürdiger Halbfinal-Tag für Tennis-Deutschland

Um 13:07 Uhr Ortszeit legte Kerber im ärmellosen weißen T-Shirt auf dem Centre Court los, an diesem denkwürdigen Halbfinal-Tag für das deutsche Tennis. Erstmals hatten zwei deutsche Damen in einem halben Jahrhundert Profigeschichte die Top Vier in Wimbledon erreicht.

Wenn Ostapenko auf den Ball hämmerte und richtig traf, konnte die Linkshänderin wenig ausrichten. Mit ihrem Tempo in den Schlägen sorgte die Lettin für Raunen im Publikum, zahlreiche Fehler blieben allerdings nicht aus. Mit ihrem risikoreichen Haudrauf-Stil hatte die Lettin bei den French Open 2017 erstaunt und ihren ersten Titel gleich ein Grand Slam gewonnen. Auf dem nicht komplett gefüllten Centre Court war es für Kerber zunächst schwer, ihren Rhythmus zu finden. Sie konnte am Anfang vor allem reagieren. Machtlos musste die Weltranglisten-Zehnte etlichen Bällen hinterherschauen.

Kerber zunächst mit wenig Selbstbewusstsein

Die frühere Weltranglisten-Erste präsentierte sich zunächst nicht mit dem Selbstbewusstsein, das sie als Australian-Open- und US-Open-Siegerin von 2016 haben könnte. Bei 2:3 sah sich die Linkshänderin erstmals einem Breakball konfrontiert, wehrte ihn aber mit einem Ass ab.

Kerber blickte danach hadernd zu ihrem Trainer Wim Fissette in die Box. Prompt gelang ihr darauf das erste Break der Partie, mit 4:3 lag sie erstmals vorn. Mit ihrem zweiten Ass holte sich die Schleswig-Holsteinerin das 5:3. Nach 34 Minuten war die Hälfte geschafft. Ostapenko hatte zuvor noch keinen Satz abgegeben.

In einem lange Zeit einseitigen zweiten Satz lag Kerber schon 5:1, 30:0 in Führung. Doch die neun Jahre jüngere Ostapenko gab nicht auf und kämpfte unverdrossen weiter. Kerber musste zittern, doch dann verwandelte sie ihren zweiten Matchball

Görges zu nervös gegen Williams

In ihrem ersten Grand-Slam-Halbfinale konnte Görges derweil ihre Nervosität scheinbar nicht ganz ablegen. Im ersten Satz gelang Williams das Break zum 4:2, den Durchgang holte sich die Amerikanerin in 32 Minuten.

Auch danach zeigte die Gewinnerin von 23 Grand-Slam-Titeln ihre wohl beste Leistung im bisherigen Turnierverlauf. Görges gab alles, doch gegen die kraftvollen Schläge ihrer Gegenspielerin fand sie kein Rezept.

"Momentan eine einfache Analyse...Serena in dieser Form einfach zu gut", schrieb die Damen-Verantwortliche im deutschen Tennis, Barbara Rittner, während der Begegnung auf Twitter.

Als die 36-Jährige ihrer deutschen Gegenspielerin den Aufschlag erneut abnahm und mit 4:2 in Führung ging, schien die Vorentscheidung gefallen, doch Görges stemmte sich gegen das Aus, nahm der siebenmaligen Wimbledon-Gewinnern erstmals den Aufschlag ab und verkürzte noch einmal auf 4:5. Doch dann schaffte Williams das nächste Break und Görges war ausgeschieden.

Serena Williams kann damit in ihrem erst zweiten Grand-Slam-Turnier als Mutter den Allzeit-Rekord der Australierin Margaret Court mit 24 Titeln bei den vier wichtigsten Turnieren einstellen.

(szu/fte/dpa)

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