Es sind die Olympischen Spiele des Eric Frenzel: Erst wird ihm die Ehre zuteil als Fahnenträger das deutsche Team anzuführen, nun holt er auch noch Gold in der Nordischen Kombination. Und dennoch kann man sich sicher sein: Dieser Mann bleibt auf dem Boden.

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Die Saison lief für Eric Frenzel bisher nicht ideal. Körperliche Beschwerden machten ihm das Leben schwer. Doch sein Formtief gehört bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang der Vergangenheit an.

Wie bei "netzathleten.de" angekündigt, ist Frenzel "auf den Punkt fit". Mal wieder. Wie schon in Sotschi vor vier Jahren holt Frenzel auch in Südkorea Gold in der Nordischen Kombination.

In seiner Sportart werden Skispringen und Skilanglauf kombiniert. "Für mich ist das die Königsdisziplin des Wintersports", sagt der 29-Jährige.


Und in dieser "Königsdisziplin" arbeitet Frenzel mit seiner erneuten Goldmedaille fleißig weiter an seiner eigenen Legendenbildung. Er hat so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Er ist Doppel-Olympiasieger, gewann fünf Mal in Folge den Gesamtweltcup und holte fünf Gold-Medaillen bei Weltmeisterschaften.

Dass er bei der Eröffnungsfeier von Pyeongchang die deutsche Fahne tragen durfte, ist eine fast schon überfällige Anerkennung seiner grandiosen Leistungen.

Frenzel: "Halte mich für nichts Besonderes"

Normalerweise steht die Nordische Kombination nicht ganz so im Fokus der Öffentlichkeit. Die Erfolge von Frenzel haben das geändert. Das öffentliche Interesse an ihm ist groß, nach seiner erneuten Goldmedaille wird es noch größer sein.

Frenzel lässt sich das nicht zu Kopf steigen und zeigt sich bodenständig. "Ich kann gut laufen und springen, ein anderer malt schön, ein guter Chirurg führt eine schwierige Operation durch. Jeder Mensch hat Talente für irgendetwas", sagt er im Interview auf "netzathleten.de". "Ich halte mich für nichts Besonderes, nur weil man mich bei der Ausübung meines Talents auch im Fernsehen sehen kann."

Freimütige Aussagen wie diese führen dazu, dass man ihm seine Erfolge wirklich von Herzen gönnt.

Mit 18 Jahren bereits bei der WM

Der aus Sachsen stammende Athlet richtet sein Leben früh auf den Sport aus. Er verbringt seine Jugend im Sportinternat Oberwiesenthal. Kurz nach seinem 18. Geburtstag reist er bereits mit zur Weltmeisterschaft.

Ursprünglich soll er nur als Ersatzmann mitkommen, um von den Erfahrenen zu lernen. Doch seine Leistungen sind überzeugend. Er bezwingt im Training sogar einen Olympiasieger wie Georg Hettich und kommt so zu seiner ersten WM-Teilnahme.

"Da hat man gesehen, dass der Bursche ganz schön was drauf hat", berichtet Bundestrainer Hermann Weinbuch später im Gespräch mit der "FAZ".

Dabei bringt Frenzel nicht zwingend die besten Voraussetzungen mit. Mit seinem kurzen Oberkörper und seinen langen Beinen ist er für das Skispringen, speziell für eine gute Anfahrtshocke und vorteilhaften Luftwiderstand, nicht gerade prädestiniert. Viel Fleiß war notwendig, um dieses Defizit auszumerzen.

Mit Erfolg: Heute ist Frenzel trotz vereinzelter Formschwankungen ein guter Springer, hält mit 148,5 Metern sogar den Schanzenrekord in Kuusamo. Wenn es drauf ankommt, wächst er über sich hinaus. "Er hat die letzten Jahre bewiesen, dass er gut mit Druck umgehen kann. Er ist immer in der Lage, sich im Wettkampf zu steigern und dabei auch noch Spaß zu haben", erklärt Weinbuch.

Dreifacher Vater mit 29

Nicht nur im Sport, sondern auch im Privatleben gibt Frenzel richtig Gas. Als 15-Jähriger lernte er auf dem Sportinternat seine Frau Laura kennen. Bereits mit 18 Jahren wurde er zum ersten Mal Vater. Heute haben sie drei Kinder.

Die Familie bietet ihm den perfekten Ausgleich zum Sport. "Sobald man nach Hause kommt, kann man an etwas Anderes denken. Ich habe aber auch eine sehr sportbegeisterte Familie. Das gibt mir dann wieder Kraft, mich zu motivieren", verriet er einst in einem ZDF-Interview.

Die Familie ist meist dabei, wenn Frenzel seine Erfolge feiert. Auch in Pyeongchang sind seine Frau und sein ältester Sohn vor Ort und feuern ihn an.

Die Liebe zur Natur

So wichtig der Erfolg auch für ihn sein mag: Frenzel ist ein Mensch, der über den Tellerrand hinausblickt. Laut eigener Aussage ist ihm das Wohl der Natur wichtiger als der Sport. Der Athlet nimmt seine ökologische Verantwortung ernst.

"Unser Haus ist nach baubiologischen Gesichtspunkten gebaut", verriet er bei den Netzathleten. "Im eigenen Gemüsegarten wird natürlich gedüngt, Fleisch gibt es vom Biobauern um die Ecke und Nachhaltigkeit ist bei uns immer ein Thema. Das geht bis zur Diskussion, von wem wir uns mit Strom beliefern lassen."

Auch nach Olympia wird Frenzel das Gesicht seiner Sportart bleiben. Noch ist das Karriere-Ende nicht in Sicht. Er plant zumindest bis zum Jahre 2021, wenn die Heim-WM in Oberstdorf stattfindet.

Die "Königsdisziplin" des Wintersports lässt einen eben nicht so schnell los.

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