Marco Reus war der Transfer-Kracher der Winterpause - der Nationalspieler wechselt aber erst zur kommenden Saison von Borussia Mönchengladbach zur anderen Borussia nach Dortmund. Darüber hinaus hat sich aber für die anstehende Rückrunde so einiges in den Kadern der Bundesligisten getan.

Insgesamt 24 neue Spieler verteilen sich auf zehn Klubs - darunter auch der Power-Shopper VfL Wolfsburg mit Trainer-Manager Felix Magath. Der hat tatsächlich das Kunststück vollbracht und ein Drittel aller Transfers getätigt. Wolfsburg darf sich zum Start in die Rückrunde über acht neue Spieler freuen.

Insgesamt rund 28 Millionen Euro hat sich der VW-Konzern Magaths Wunschspieler kosten lassen. Zum Vergleich: Alle anderen Klubs zusammen kommen mit Ablösen oder Leihgebühren auf gerade einmal ca. 5,5 Mio. Euro.

Der teuerste Wolfsburger Transfer war dabei der erst 19-jährige Ricardo Rodriguez vom FC Zürich. Rund 7,5 Millionen Euro musste Wolfsburg für das Schweizer Supertalent ausgeben. Stürmer Giovanni Sio vom FC Sion liegt mit ca. 5,8 Mio. Euro Ablöse aber auch nur knapp dahinter.

Wie fast immer hat sich Magath auf Spieler mit relativ unbekannten Namen aus den unscheinbareren Ligen Europas konzentriert. So kamen Felipe Lopes (Nacional Funchal) und Ibrahim Sissoko (Academica Coimbra) aus Portugal, Petr Jiracek (Viktoria Pilsen) aus Tschechien oder Slobodan Medojevic (Vojvodina Novi Sad) aus Serbien.

"Ich bin jetzt entspannt, weil die Neuverpflichtungen nun über die Bühne sind", zeigte sich Magath zufrieden. "Was wir geplant hatten, ist erledigt."

Pech hatte lediglich Vaclav Pilar von Viktoria Pilsen. Der tschechische Nationalspieler sollte eigentlich auch in der Winterpause nach Wolfsburg wechseln. Da der 23-Jährige aber vom FC Hradek Kralove an Pilsen ausgeliehen war, hätte Magath mit zwei Vereinen Übereinkunft erlangen müssen.

Das gelang ihm zu spät, weshalb er Abstand von einer Verpflichtung im Winter nahm und Pilar nun erst im Sommer nach Wolfsburg kommt. Der Spieler sitzt damit komplett zwischen allen Stühlen und hofft nun auf eine anderweitige Anstellung bis zur Sommerpause. Angeblich soll der FC Augsburg interessiert sein.

Die unglücklichste Geschichte lieferte Omar Rodriguez. Der US-Nationalspieler wechselte zum 1. FC Nürnberg - und riss sich bei seiner ersten Trainingseinheit gleich das Kreuzband.

Der spektakulärste Abgang aus der Bundesliga war sicherlich der Wechsel von Papiss Demba Cisse. Der Senegalese ist nun doch noch dem Ruf des großen Geldes erlegen und wechselte Mitte Januar für kolportierte zehn Mio. Euro vom SC Freiburg zu Newcastle United in die Premier League.

Rotiert hat der FC Schalke im Offensivbereich: Aus Hoffenheim kam Chinedu Obasi, im Gegenzug wurde Jan Moravek erneut verliehen - dieses Mal an Abstiegskandidat FC Augsburg. Dort hat sich Aliaksandr Hleb ein paar Tage fit gehalten, von einer Verpflichtung des ehemaligen Weltklassespielers hatte der Aufsteiger aber von Beginn an Abstand genommen.

Ebenfalls innerhalb der Bundesliga sind Hanno Balitsch (von Leverkusen nach Nürnberg), Nicolai Jörgensen (von Leverkusen nach Kaiserlautern), Sandro Wagner (von Bremen nach Kaiserslautern), Sebastian Freis (von Köln nach Freiburg) und Tolga Cigerci (von Wolfsburg nach Mönchengladbach) gewechselt.

In Mönchengladbach spielt ab sofort auch einer der interessantesten Neuzugänge: Alexander Ring kam für rund 400.000 Euro Leihgebühr von HJK Helsinki und erzielte in seinem ersten Testspiel gleich zwei Treffer für die Borussia. Ring kann im Mittelfeld auf fast allen Positionen eingesetzt werden, fühlt sich aber auf der Doppel-Sechs am wohlsten.

1899 Hoffenheim hat sich ebenso wie der VfB vorerst nur mit Perspektivspielern verstärkt. Die Kraichgauer verpflichteten Stefan Thesker (Twente Enschede) und Sandro Wieser (FC Basel). Die 20- bzw. 18-jährigen Talente sollen aber erst langsam an den Profikader herangeführt werden.

Ähnlich liegt der Fall bei Gotoku Sakai. Der Japaner mit einer deutschen Mutter soll beim VfB Stuttgart auf mittelfristige Sicht Khalid Boulahrouz auf der Rechtsverteidigerposition ersetzen.

Loris Karius steht bei der deutschen U-19-Nationalmannschaft im Tor und wechselte von Manchester City zu Mainz 05.

Gar nicht tätig waren unter anderem die beiden Topfavoriten auf den Titel. Bayern München und Borussia Dortmund verzichteten auf jegliche Transferaktivitäten. Auch das ist als eine Aussage zu verstehen, denn: Wer im Sommer gut einkauft, muss im Winter nicht nachbessern.

(mom)