Der BVB hat den britischen Nachwuchsspieler Jude Bellingham verpflichtet. Ein kleiner Ausblick, wie der Youngster in das BVB-System eingebaut werden könnte.

Eine Kolumne
von Christopher Giogios

Jude Bellingham, Jahrgang 2003, hat seine bisherige fußballerische Karriere ausschließlich beim englischen Zweitligisten Birmingham City verbracht. Nachdem er dort alle Jugendstationen durchlaufen hat, wurde er mit 16 Jahren nicht nur der jüngste Spieler, der jemals das Trikot der "Blues" getragen hat, sondern auch deren jüngster Torschütze aller Zeiten. Insgesamt kommt er für Birmingham auf 39 Einsätze.

Interessant wird sein, wie der BVB ihn in den bestehenden Kader und das aktuelle System einbauen kann - sofern der Transfer vollzogen wird. Dazu ein Blick auf die Qualitäten des englischen Jugendnationalspielers: Physisch gilt er mit 1,80 Meter für sein Alter als körperlich schon sehr weit. Damit hatte er auch in der englischen Liga, die dynamischer und körperbetonter als die Bundesliga ist, keine Probleme, sich durchzusetzen. Eine Qualität, die der BVB erst in der jüngsten Vergangenheit durch die Verpflichtungen von Erling Haaland und Emre Can hinzugewonnen hat.

Bellinghams große Stärke ist aber seine vielseitige Einsetzbarkeit im Mittelfeld. Für Birmingham spielte er zwar vornehmlich im zentralen Mittelfeld, konnte aber auch Positionen auf dem linken und rechten Flügel einnehmen und hier offensivere Rollen bekleiden.

Fußballerisch geht das einher mit einer starken Ballbehandlung. Auch unter Druck trifft Bellingham richtige Entscheidungen und besitzt die notwendige Technik, um den Ball zu behaupten.

Die Qual der Wahl im zentralen Mittelfeld

Wo ist also der Platz des 17-Jährigen im System von Lucien Favre? Vermutlich wird man ihn im zentralen Mittelfeld vor der Abwehr aufstellen wollen.

Hier hat man in der vergangenen Saison verschiedene Konstellationen ausprobiert: Startete man zu Beginn der Saison meistens mit Axel Witsel und Thomas Delaney oder dem inzwischen nach Benfica Lissabon transferierten Julian Weigl, spielte zuletzt häufig Julian Brandt neben Witsel auf dieser Position. Aber auch Winterneuzugang Emre Can kam hier zum Einsatz.

Was einerseits nach schier unendlichen Optionen klingt, bedeutet andererseits natürlich einen großen Konkurrenzkampf: Mit Witsel, Delaney, Can, Brandt und Bellingham hat man gleich fünf Spieler, die auf den zwei Plätzen vor der Abwehr eingesetzt werden könnten. Zuletzt spielte auch der lange verschmähte Mo Dahoud auf dieser Position und machte auf sich aufmerksam – wenngleich begünstigt durch zahlreiche Ausfälle beim BVB.

In Anbetracht der starken Konkurrenz könnte es Bellingham zugutekommen, dass er auch auf dem Flügel spielen kann. Spieler vielseitig einzusetzen, hat unter Lucien Favre ja Tradition und gilt eher als Qualität denn als Notlösung.

Apropos Favre: Bellingham wird nachgesagt, für sein Alter über enormes taktisches Verständnis und Spielintelligenz zu verfügen. Das dürfte den Schweizer Taktikfuchs freuen.

Auch eine gewisse Reife und Bodenständigkeit soll der Brite mitbringen – man darf hoffen, dass den Dortmundern damit Negativschlagzeilen wie zuletzt bei Jadon Sancho oder Ousmane Dembelé erspart bleiben.

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