Der heutige Sportdirektor des FC Bayern beendete nach einem Schicksalsschlag seine aktive Profikarriere und musste das Unternehmen seines Vaters retten. Heute profitiert er von der damaligen Erfahrung.

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Christoph Freund steht seit Anfang September beim FC Bayern München als Sportdirektor in der Verantwortung. "Der FC Bayern ist ein sehr, sehr spannender und beeindruckender Verein. Die Art und Weise, wie der Club strukturiert ist, trotz dieser Größe so nahbar zu sein, das ist weltweit einzigartig", sagt er gegenüber den Vereins-Medien in einem ersten Fazit. "Es waren intensive drei Monate."

Der Tod seines Vaters veränderte Christoph Freunds Leben

Der 46-Jährige hat in seinem Leben früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Als er 24 Jahre alt war, verstarb sein Vater. Freund musste daraufhin völlig unvorbereitet dessen Tischlerei mit 20 Angestellten übernehmen. "Ich hatte bis dahin als junger Profi in der Zweiten Liga ein lässiges Leben, keine Sorgen, keine Verantwortung. Und dann wird dir der Boden unter den Füßen weggerissen", erzählt er in dem Interview.

"Ich weiß noch, wie ich nach dem Begräbnis am Montagmorgen zum ersten Mal in der Firma war. Die Angestellten standen in der Werkstatt, keiner wusste, wie es weitergeht. Die Leute hatten Existenzängste. Da habe ich das Wort ergriffen und gesagt, dass ich ab sofort dableibe und wir das gemeinsam schaffen werden."

In diesem Moment sei ihm etwas bewusst geworden: "Egal, was jetzt noch in meinem Leben passiert, mich haut so schnell nichts mehr aus der Bahn." Freund musste Opfer bringen, um als Quereinsteiger ein Unternehmen zu führen. Er beendete seine Karriere als Fußballprofi und spielte lediglich noch in der 3. Liga von Österreich.

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"Damals habe ich gelernt, was möglich ist, wenn man in einer schwierigen Situation zusammensteht und sich gegenseitig unterstützt. Für mich persönlich war es der größte Erfolg meines Lebens, dass ich zusammen mit den Mitarbeitern geschafft habe, dass es weitergegangen ist", sagt er.

Über die Tischlerei kehrte Freund in den Fußball zurück

Die Tischlerei existiert heute noch immer und ist laut Freund eine der größten Tischlereien im Salzburger Land. Für Freund ergab sich später die Gelegenheit, den Fokus wieder auf den Fußball zu legen. "Über die Tischlerei hat sich der Kontakt zu Salzburg ergeben", sagt er.

2006, im Jahre von 29 Jahren, stieg er als Teammanager bei dem österreichischen Top-Club ein und wurde später zum Sportkoordinator sowie zum Sportdirektor befördert, ehe nun der Wechsel zum FC Bayern erfolgte. In seinen 17 Jahren in Salzburg ist es Freund gelungen, ein gut durchdachtes Konzept mit Fokus auf die Jugendarbeit einzubringen.

"Als Red Bull damals in Salzburg eingestiegen ist, hieß es, die haben jetzt einfach das meiste Geld und kaufen sich mit vielen älteren Spielern den Erfolg. Aber wir haben den Verein umgebaut. Heute steht der Club für eine klare Ausrichtung", erklärt er.

Auf den FC Bayern lasse sich dieses Konzept allerdings nur teilweise übertragen. "Natürlich soll der Campus auch in Zukunft Talente für unsere Profis entwickeln, aber das wird nie so extrem sein wie in Salzburg, weil man hier andere Ziele hat", sagt Freund. "Wir wollen den Spagat schaffen, international erfolgreich zu sein und gleichzeitig eine gute Jugendarbeit zu machen."

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Ob Fußball oder Handwerk: "Es geht immer um den Menschen"

Dabei profitiert er noch immer von seinen Erfahrungen, die er früher in der Tischlerei gesammelt hat. "Egal, ob im Handwerk oder beim Fußball, es geht immer um den Menschen. Wenn man sich mit seinem Gegenüber auseinandersetzt und sich für ihn interessiert, dann baut man eine ganz andere Basis auf und bekommt viel mehr zurück", erklärt er.

Freund habe dadurch gelernt, "dass es immer weitergeht, egal wie schlimm es gerade zu sein scheint. Auch wenn nichts mehr so ist, wie es einmal war. Es gehört dazu, dass man trauert, dass man auch mal verzweifelt ist. Aber dann muss der Kopf wieder nach oben, und man muss nach vorne schauen."

Verwendete Quellen

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