RB Leipzig war bisher für seine friedlichen Anhänger bekannt. Nun hat sich eine Fangruppierung formiert, die Gewalt zur Lösung von Konflikten nicht mehr ausschließen will. Der Grund sind die gewalttätigen Übergriffe auf RB-Fans in Dortmund.

Sie tragen schwarze Fischerhüte und dunkle Sonnenbrillen, ihr Auftreten wirkt auf manche Fans bedrohlich, sie nennen sich "L.E. United".

Die neue Fangruppierung sorgt im Umfeld von RB Leipzig aktuell für hitzige Diskussionen.

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Linke Kurvengänger bezeichnen die Fans als rechts und gewaltbereit, die Gruppe selbst wehrt sich gegen solche Vorwürfe, der Klub hat sie auf seinen Verhaltenskodex eingeschworen.

Was will die neue Fangruppierung? Und ist die Zeit der friedlichen Kurve bei RB Leipzig tatsächlich vorüber?

"Wenn uns jemand an die Wäsche will, schützen wir uns"

Die Szenen sind allen, die dabei waren, tief ins Gedächtnis eingebrannt. Beim Auswärtsspiel in Dortmund waren Leipziger Fans - darunter Frauen und Kinder - von BVB-Anhängern mit Steinen, Flaschen und Dosen angegriffen worden.

Acht Menschen wurden bei den Krawallen im Februar verletzt, darunter vier Polizeibeamte.

Laut Angaben von L.E. United sollen Übergriffe auf RB-Fans künftig verhindert werden. "Wenn uns jemand an die Wäsche will, schützen wir uns", sagte ein Sprecher der Gruppe unlängst im Interview mit der "Mitteldeutschen Zeitung".

Das Ziel sei es, sich auswärts organisierter zu präsentieren und auf Attacken in Zukunft besser reagieren zu können. "Wir wollen in allererster Linie uns selbst schützen und damit auch andere um unsere Gruppe herum", erklärte der Sprecher. "Es wird weitere Vorfälle dieser Art geben, bei denen es böser ausgehen kann als in Dortmund."

Die Fans erwarten bei den Spielen in der Champions League in der kommenden Saison ein erhöhtes Bedrohungspotential.

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Zur Gruppierung sollen ca. 15 bis 20 Personen zählen, von denen einige in großen RB-Fanklubs organisiert sind und in der Vergangenheit als Anhänger anderer Leipziger Klubs teilweise Erfahrungen mit Gewalt gemacht haben.

Laut eigenen Angaben ist aber keines der Mitglieder in der "Gewalttäterdatei Sport" der Polizei verzeichnet.

Linke Fans sehen Gefahr von rechts

Manche in der aktiven Leipziger Fanszene sehen das Aufkommen von L.E. United kritisch.

Die Rasenballisten - ein fanklubüberschreitender Zusammenschluss eher linker Stadiongänger - wirft der Gruppe einen aggressiven Ton, rassistische und schwulenfeindliche Sprüche sowie "rechte bis rechtsoffene" Gesinnungen vor.

Beim letzten Auswärtsspiel der Saison in Frankfurt war es zu einer Rangelei gekommen, bei der Anhänger von L.E. United beteiligt waren. "Wir wollen und werden keine Gruppe akzeptieren, die sich über andere hinwegsetzt, Nährboden für rechte Fans bietet und antirassistische AnhängerInnen bedroht", heißt es in einer Stellungnahme der Ultras.

So etwas dürfe unter keinen Umständen einen Platz innerhalb der Kurve bekommen.
L.E. United weißt solche Vorwürfe unterdessen von sich. Es gebe Mitglieder mit eher linken, liberalen und streng konservativen Ansichten, sagte der Sprecher der "Mitteldeutschen Zeitung".

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Er sieht sich von den linken Ultras in die rechte Ecke gedrängt. Der Klub schwor die neue Gruppierung inzwischen auf den Ehrenkodex ein, zu dem sich auch reguläre Fanklubs von RB Leipzig bekennen müssen.

Darin werden Rassismus, Homophobie und Gewalt angelehnt. Zudem sind regelmäßige Treffen mit den Fanbeauftragten geplant.

Erste Hooligan-Gruppierung bei RB?

Ob RB Leipzig nun tatsächlich ein Problem mit gewaltbereiten Fans bekommen wird, dürfte sich in der kommenden Saison zeigen.

Die aktive Fanszene und der Klub werden das Vorgehen der neuen Fangruppierung genau beobachten.

Bisher war man beim Zweiten der vergangenen Bundesligasaison immer sehr stolz auf die friedliche und familienfreundliche Kurve.

Nur vereinzelt hatten Anhänger der Leipziger in der Vergangenheit für Negativschlagzeilen gesorgt.

In der Saison 2015/16 wurden dem Klub keine Fans der Kategorie C (gewaltsuchend) zugeordnet und nur ca. 60 der Kategorie B (gewaltbereit/gewaltgeneigt).

Manche befürchten, dass sich die Mitglieder von L.E. United nicht nur gegen Gewalt zur Wehr setzen, sondern körperliche Auseinandersetzungen aktiv heraufbeschwören wollen.

Es wäre für RB Leipzig ein Horrorszenario, wenn es bald die erste Hooligan-Gruppierung im Umfeld des Klubs geben könnte.

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