Der Hamburger SV ist da, wo er hingehört und Bayer Leverkusen ist nicht da, wo es ohnehin nicht hin will. Mirko Slomka lässt uns an das Gute im Menschen glauben und drei Teams setzen ihre Neujahrsvorsätze um. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen Lehren aus dem jeweiligen Spieltag der Bundesliga.

1. Erkenntnis: Die Realität in Hamburg heißt Abstiegskampf

Ach ja, der HSV. Er entwickelt sich mehr und mehr zum Dauerbrenner bei unseren Lehren des Spieltags. Und womit? Mit Recht! Die Hamburger sind ein Paradebeispiel für einen Bundesligisten, der sich selbst in Sphären sieht, in denen er schlicht nicht schwebt. Und das bestätigt sich einmal mehr in diesen Tagen. Da stellte sich bei der Jahreshauptversammlung ein gewisser Ernst-Otto Rieckhoff auf die Bühne und stellte seine "HSVPlus"-Initiative vor: Er quatschte was von Ausgliederung der Fußballabteilung und Einnahmen von bis zu 100 Millionen Euro. Riesenjubel im Saal! Der HSV ist schon bald wieder da, wo er hingehört! So wie vor, ääääähm, ja, 30 Jahren! Als Felix Magath (60 Jahre alt) und Horst Hrubesch (62 Jahre alt) noch von Ernst Happel (seit 21 Jahren tot) trainiert wurden.

Tja, und gestern kam dann mal Schalke vorbei und zeigte, wo der HSV aktuell wirklich hingehört ...

2. Erkenntnis: Ji zwingt uns zum Phrasen dreschen

Achtung, Phrasenalarm: "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball." Uuuh, das tat schon beim Tippen in die Tasten weh. Aber es passt einfach so gut zum Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Augsburg.

Wir erklären kurz: Da saß Dong-Won Ji auf der Ersatzbank des FCA. Der Spieler, der bereits in der Vorsaison an die Schwaben ausgeliehen wurde, dann zum FC Sunderland zurückkehrte, um sich jetzt wieder nach Augsburg ausleihen zu lassen. Kurz nach dem Wechsel kam heraus, dass dieser Dong-Won Ji nach dieser Spielzeit zu Borussia Dortmund gehen wird. Sie können uns noch folgen? Sehr gut.

Jener Dong-Won Ji rückte gegen den BVB nur in den Kader, weil sich Stürmer Sascha Mölders verletzt hatte - obwohl Ji kaum mit der Mannschaft trainierte. Als Dortmund mit 2:1 in Führung ging, reagierte FCA-Trainer Markus Weinzierl und brachte den Südkoreaner. Zwei Minuten später flankte Andre Hahn, Ji stieg hoch und köpfte den Ball ins Tor. Und wir können eine weitere wunderschöne Phrase herauskramen: "Ausgerechnet" Dong-Won Ji.

3. Erkenntnis: Ein positiver Umgang mit Kündigungen ist möglich

Unser Glaube an die Menschheit ist wieder hergestellt. Danke, Mirko Slomka! Wie der ehemalige Trainer von Hannover 96 sich da über den 3:1-Sieg seiner Ex-Mannen über den VfL Wolfsburg gefreut hat, das hat uns fast die Tränen in die Augen getrieben. Liebe Gefeuerte und von euren Vereinen Verstoßene, so geht man richtig mit einer Kündigung um. Einfach mal hinfahren und der ehemaligen Mannschaft die Daumen drücken. Gibt ein wahnsinnig sympathisches Bild für die Medien ab und falls das Team auch mit dem Nachfolger nicht gewinnt, dann hat man doch irgendwie auch gewonnen.

4. Erkenntnis: Drei Bundesligisten setzen ihre Neujahrsvorsätze um

Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt, doch anders als der große Rest von uns, halten sich so manche Teams noch an ihre Neujahrsvorsätze.

Beispielsweise der 1. FC Nürnberg. Der machte es sich einfach und sagte: "Hey, ich nehme mir vor, 2014 mal ein Bundesliga-Spiel zu gewinnen!" Etwas anspruchsvoller war der Wunsch der Frankfurter Eintracht. "Hey, ich nehme mir vor, 2014 mal ein Bundesliga-Heimspiel zu gewinnen!". Und richtig ehrgeizig war das Bestreben von Hannover 96: "Hey, ich nehme mir vor, 2014 mal ein Bundesliga-Auswärtsspiel zu gewinnen!". Respekt! Allen ist es gelungen. So willensstark sind beileibe nicht alle. Oder haben Sie die Süßigkeiten in diesem Jahr wirklich komplett links liegen lassen?

5. Erkenntnis: Leverkusen tut alles, um kein Bayern-Jäger zu sein

Danke, Bayer! Nach deinem 1:0-Auswärtssieg bei Borussia Dortmund am 15. Spieltag kam uns so ganz leicht der Gedanke, ob wir dich nicht doch noch als Bayern-Verfolger und Meisterschaftskandidaten ernstnehmen sollen. Zwölf Siege, ein Unentschieden und nur zwei Niederlagen - das war schon eine beeindruckende Bilanz. Aber so richtig wollten wir die große Spannung um die Schale nicht ausrufen. Wegen des FC Bayern. Aber auch wegen deiner meisterschaftslosen Vereinsgeschichte.

Jetzt hast du dankenswerter Weise selbst dafür gesorgt, dass wir uns im Nachhinein nicht korrigieren müssen. Denn wer nacheinander gegen Frankfurt, Bremen und Freiburg verliert, der will den Titel doch gar nicht holen. Und, liebe Leverkusener, eigentlich ist es doch besser so: Wenn ihr wirklich Meister werdet, wäre es doch auch unnötig gewesen, sich damals den Begriff "Vizekusen" patentieren zu lassen.