Anders als zunächst vermutet kommt Deutschland zu Wochenbeginn wohl nicht in den Genuss von Polarlichtern.

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Zwar hatte es nach stärkeren Sonneneruptionen einen zur Erde gerichteten Teilchenstrom gegeben. Der kam aber bereits am Sonntagnachmittag bei uns an, wie Carolin Liefke von der Vereinigung der Sternfreunde im hessischen Heppenheim am Montag der Deutschen Presse-Agentur erklärte. Zu diesem Zeitpunkt sei es in Deutschland noch hell und außerdem bewölkt gewesen, deshalb seien hierzulande keine Polarlichter beobachtet worden. In Neuseeland und Australien hätten Menschen das Himmelspektakel aber sehen können.

Dass es am Montagabend in Deutschland doch noch Polarlichter zu sehen gibt, sei zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich, sagte Liefke.

Der private Weltraumwetterdienst Spaceweather.com teilte am Montag mit, ein koronaler Massenauswurf habe am Sonntagnachmittag deutscher Zeit das Magnetfeld der Erde getroffen. Das habe "einen schweren geomagnetischen Sturm der Klasse G4 ausgelöst - den stärksten geomagnetischen Sturm seit September 2017". Allerdings sei der Zeitpunkt nicht günstig gewesen, um in Europa das Himmelsspektakel zu sehen. Auch auf dem Polarlichtradar des US-Vorhersagezentrums für Weltraumwetter war zu sehen, dass die höchste Wahrscheinlichkeit für Polarlichter am Sonntagnachmittag südlich von Australien und Neuseeland herrschte.

Folgen eines geomagnetischen Sturms der Klasse G4 können laut US-Vorhersagezentrum unter anderem Probleme in den Stromnetzen sein.

Auslöser von Sonnenstürmen sind schlagartige Änderungen im Magnetfeld des Sterns. Sie gehen auf eine Art magnetischer Schläuche zurück, die an die Oberfläche durchbrechen können und dort kühle Zonen – die dunklen Sonnenflecken – erzeugen: Treffen außerhalb der Sonne solche Magnetfeld-Schläuche aufeinander, kann es zu einer Art Kurzschluss kommen, wobei große Mengen an Energie freigesetzt werden. Folge ist ein sogenannter koronaler Massenauswurf. Dabei wird elektrisch geladene Materie aus der heißen Sonnenatmosphäre – der Korona – mit hoher Geschwindigkeit ins All hinausgeschleudert.

Trifft ein solcher Massenauswurf auf das Magnetfeld der Erde, führt das zu wunderschönen Polarlichtern. Bei einem starken Strom kann aber auch die empfindliche Elektronik von Satelliten gestört oder beschädigt werden. Stark schwankende Magnetfelder beeinflussen zudem elektrische Leitungsnetze, können zu Überlastungen von Transformatoren führen und großflächige Stromausfälle auslösen.

Die Sonne durchlebt einen etwa elf Jahre währenden sogenannten Sonnenfleckenzyklus mit Phasen schwacher und starker Aktivität. Im Minimum können monatelang keine Flecken zu sehen sein, im Maximum Hunderte. Seit Dezember 2019 hatte die Aktivität der Sonne stetig zugenommen, aktuell befindet sie sich im Umfeld eines Maximums. Immer wieder waren daher in den vergangenen Monaten Polarlichter auch über Deutschland zu sehen, teils auch bis hinunter ans Mittelmeer.  © dpa

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