Nikolaus-Brauchtum
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Er zählt zu den meist verehrten Heiligenfiguren im Christentum: der Nikolaus. Traditionell besucht er vor allem Kinder und bringt kleine Geschenke sowie Naschereien wie Schokolade, Mandarinen, Plätzchen und kleine Äpfel. Dafür werden am Vorabend sogar dreckige Stiefel fleißig geputzt, um bloß nicht leer auszugehen. Doch woher kommt dieser Brauch und was zählt noch zum Nikolaus-Brauchtum?
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Der Nikolaustag ist ein fester Bestandteil in der orthodoxen sowie katholischen Glaubensgemeinschaft. Jedes Jahr am 6. Dezember wird das Fest zu Ehren des Heiligen Nikolaus gefeiert. Der Brauch lässt sich auf eine historische Figur zurückführen: Nikolaus von Myra, der wohl im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei lebte. Der Gedenktag kennzeichnet seinen vermeintlichen Todestag.
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Um die historische Figur des Nikolaus ranken sich eine Vielzahl an Legenden und Geschichten, die nur zum Teil mit alten Textquellen belegt werden können. So heißt es, dass der junge Nikolaus in einer vermögenden Familie aufwuchs, viel Geld erbte und später als großzügiger Priester vielen Menschen half. Bekannt für seine barmherzigen Taten wurde er zum Schutzpatron für Kinder und Arme.
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Als besonders bedeutende Legende für die heutige Nikolaus-Tradition hat sich die Geschichte der drei verarmten Jungfrauen erhalten: Einem armen Mann fehlte es an nötigem Geld, um die Mitgift seiner drei Kinder zu bezahlen. Als einzige Lösung blieb ihm die Prostitution seiner Töchter. Daraufhin warf Nikolaus eines Abends Geld durch den Kamin der Familie und rettete sie vor ihrem Schicksal.
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Daher kommt nicht nur der Brauch des Gebens am Nikolaustag, sondern auch der Stiefel als Symbol hat sich gefestigt. Denn das Geld des Barmherzigen ist über den Kamin in Socken und Schuhen gelandet, die zum Trocknen aufgehängt worden waren. Angelehnt an die Jungfrauen-Legende soll der Nikolaus an seinem Gedenktag durch den Kamin kommen und Geschenke in die Stiefel oder Socken von Kindern legen.
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Viele weitere Geschichten erzählen von Nikolaus als barmherzigen Wohltäter, der vor allem Armen und Kindern half. Im Jahr 1222 wurde Nikolaus von Myra im Konzil von Oxford sogar als Schutzpatron der Armen und Kinder heiliggesprochen. Bis ins Mittelalter galt der Gedenktag des Heiligen Nikolaus am 6. Dezember als traditioneller Geschenke-Tag - und nicht wie heute üblich Weihnachten.
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Mit der Reformation änderte sich die Nikolaus-Tradition vor allem für die Protestanten. Denn Martin Luther lehnte das Anbeten von Heiligen ab. Nur Jesus Christus darf in der protestantischen Kirche verehrt werden. Seither bringt traditionell das Christkind an Weihnachten Geschenke. Am Nikolaustag werden kleinere Gaben verschenkt. Denn auch Luther konnte den beliebten Brauch nicht brechen.
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In den Niederlanden wurde jedoch am alten Schenk-Termin zu Gedenken des Heiligen Nikolaus festgehalten. Bis heute ist dort das Nikolausfest, das sogenannte "Sinterklaasfest", sogar wichtiger als Weihnachten. Traditionell kommt der Nikolaus mit seinem Begleiter, der Zwarte Piet, in den Niederlanden nicht im Schlitten, sondern mit dem Schiff an. Nikolaus ist auch Schutzpatron der Seeleute.
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Aus der Figur des Sankt Nikolaus, der traditionell Bischofsmütze, Krummstab und Bischofsmantel trägt, hat sich auch der amerikanische Santa Claus entwickelt. Dieser trägt oft einen roten Mantel mit rot-weißer Mütze. Der Weihnachtsmann hat zwar keine christlichen Wurzeln, aber auch hierzulande verkleiden sich Nikoläuse oft im roten Gewand mit weißem Rauschebart und verteilen Geschenke.
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In Russland bleiben die Stiefel leer, denn das Nikolausfest wird dort nicht in Familien, sondern nur als kirchlicher Feiertag am 19. Dezember zelebriert. In Russland gibt es auch keinen Weihnachtsmann, sondern "Ded Moroz" als Väterchen Frost. In Begleitung mit seiner Enkelin Snegurotschka (Schneemädchen) legt er nach dem alten julianischen Kalender am 7. Januar Geschenke unter den Weihnachtsbaum.
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Als Krampus verkleidete Menschen ziehen am Krampustag durch die Straßen und verbreiten Angst und Schrecken. Die Gestalt geht wohl auf einen heidnischen Brauch zurück und steht im Gegensatz zur gutmütigen Nikolausfigur. Traditionell belohnte Nikolaus die "braven" Kinder und "ungehorsame" Kinder wurden vom Krampus bestraft. Als Gut und Böse treten die beiden seit dem 15. Jahrhundert gemeinsam auf.
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Auch in der Schweiz hat der Nikolaus einen Begleiter dabei. Je nach Region wird der schweizer Knecht Ruprecht, Schmutzli oder Düsseli genannt, trägt eine schwarze Kutte und einen Sack. Er hilft dem Nikolaus, Geschenke an brave Kinder zu verteilen. Doch unartige Kinder steckt er in seinen Sack. Die Kinder werden das ganze Jahr über beobachtet und ihre Taten ins Buch des Nikolaus geschrieben.
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Diese grobe pädagogische Note bekam das Nikolausfest vor allem nach der Reformation durch Martin Luther. Der Kinderbeschenktag erhielt durch den Einkehrbrauch eine zusätzliche, lehrreiche Aufgabe. Dabei kehrte Nikolaus samt Gefolge in jedes Haus mit Kindern ein und prüfte sie streng. Dabei wurde abgefragt, ob die Kinder ihre Gebete erledigt und sich Gehorsam gegenüber ihren Eltern gezeigt hatten.
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Der heilige Nikolaus wird beim Einkehrbrauch in Anlehnung an das Weltgericht Gottes als gütiger Richter inszeniert, der sein Wissen über Kinder und ihre Taten aus dem Goldenen Buch vorliest. Je nach Beobachtung lobt oder bestraft er die Kinder. Im Laufe der Zeit hat die alte Tradition des "Weltgerichts für Kleine" etwas gelitten, da Kindern damit oftmals nur Angst eingejagt wurde.
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Ein weiterer Brauch, der seit dem 15. Jahrhundert bekannt ist, heißt "Schiffchensetzen". Damit werden Nikolaus-Schiffchen aus Papier bezeichnet, in die der Heilige seine Gaben legen konnte. Hintergrund dieser Tradition ist wohl die Verbindung mit der Seefahrt, da Nikolaus der Patron der Seeleute ist. Dennoch wurde das Nikolaus-Schiff später durch Stiefel, Strümpfe oder den Gabenteller abgelöst.
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Das Kinderbischofspiel entwickelte sich als Rollentausch im 10. Jahrhundert in Kloster-, Stift- und Domschulen. Dabei wurde ein Kinderbischof auserwählt, der Anweisungen und Strafen für die restlichen Kinder und Lehrer verteilen durfte. Im Mittelalter gab es einen ähnlichen Brauch, wo Knechte und Mägde die Rollen der Herrschaft übernahmen. Dabei wurden auch Lebkuchen an Arme verteilt.
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Im 15. Jahrhundert wurden kleine Gaben wie Äpfel, Nüsse, Gebäck und Süßigkeiten am Nikolausabend nicht in den Stiefel gepackt, sondern in den Wohnraum der Familien geworfen oder ausgelegt. Dieser Wurf- oder Streuabend gilt als Vorläufer für den Einkehrbrauch. Denn erst später landeten Geschenke vom Nikolaus in den Schuhen. In den Niederlanden stecken sogar Karotten in den Stiefeln ...
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In der niederländischen Nikolaus-Tradition steckt oft eine saftige Karotte im Schuh oder Stiefel der Kinder. Diese gilt als Futter für den Esel oder das Pferd von Sinterklaas. Daneben sind oft selbstgemalte Zeichnungen oder Briefe für Sinterklaas im Schuhwerk zu finden. In den Niederlanden kommt Sinterklaas schon am 5. Dezember und bringt Geschenke.
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In Amerika wird das Nikolausfest nicht gefeiert, denn Santa Claus bringt die Geschenke auf seinem Schlitten nicht am 6. Dezember, sondern nur an Weihnachten. Die Santa-Claus-Tradition hat dennoch ihren Ursprung in der Nikolaus- und Sinterklaas-Figur. Deshalb stellen Kinder in den USA gewöhnlich Milch und Cookies für Santa Claus bereit. Am nächsten Tag sind die Geschenke unter dem Baum.
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Auch Wunschzettel werden vom Nikolaus entgegengenommen. Die Tradition, dass Kinder einen Brief mit ihren Wünschen und Träumen an den barmherzigen Nikolaus schreiben, hat sich erst in letzter Zeit als Brauch etabliert. Dafür wurde im saarländischen St. Nikolaus ein eigenes Nikolaus-Postamt eingerichtet, das im Dezember von ehrenamtlichen Helfern geführt wird. Mehr Informationen find Sie unter www.nikolauspostamt.de