Millionen Kinder im Jemen drohen in den kommenden Monaten an den Rand einer Hungersnot zu geraten, weil dringend benötigte Gelder für humanitäre Hilfe fehlen. Ein aktueller Bericht von UNICEF warnt vor den drastischen Folgen für die Zivilbevölkerung, die durch die Corona-Pandemie weiter verschärft werden.

Jetzt UNICEF-Pate werden

Fünf Jahre nach dem Beginn des Konflikts im Jemen warnt UNICEF in dem am Freitag, 26. Juni, veröffentlichten Bericht "Jemen fünf Jahre danach: Kinder, Konflikt und COVID-19" davor, dass sich die katastrophale Situation der jemenitischen Kinder noch erheblich verschlechtern könnte.

Gesundheitswesen der Pandemie nicht gewachsen

Das zerstörte Gesundheitssystem und die Infrastruktur des Landes sind mit der COVID-19-Pandemie vollkommen überfordert. Die Folgen für Kinder sind dramatisch:

  • In den kommenden sechs Monaten könnten im Jemen weitere 30.000 Kinder von lebensbedrohlicher Mangelernährung betroffen sein. Die Zahl der mangelernährten Kinder unter fünf Jahren könnte auf insgesamt 2,4 Millionen ansteigen.
  • Bis Ende des Jahres könnten weitere 6.600 Kinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Ursachen sterben. Nach Jahren des Konflikts ist nur die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen funktionsfähig, zudem fehlen Medikamente, Ausstattung und Personal.
  • Der mangelnde Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen fördert die Ausbreitung des Coronavirus. Rund 9,58 Millionen Kinder haben keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen oder Hygiene.
  • Weil Schulen geschlossen sind, haben 7,8 Millionen Kinder keinen Zugang zu Bildung.
  • Weil Kinder nicht mehr zum Unterricht gehen können und sich gleichzeitig die wirtschaftliche Lage verschlechtert, wächst das Risiko für Kinderarbeit, Kinderehen oder dafür, dass Mädchen und Jungen von bewaffneten Gruppierungen oder dem Militär rekrutiert werden.

"Man kann das ganze Ausmaß dieser weltweit schlimmsten humanitären Krise kaum übertreiben. Kinder kämpfen um ihr Überleben, während COVID-19 im Land Einzug hält", sagte Sara Beysolow Nyanti, Leiterin von UNICEF Jemen.

"Wenn wir dringend benötigte Finanzmittel nicht erhalten, werden die Kinder an den Rand einer Hungersnot gedrängt und viele werden sterben. Die internationale Gemeinschaft wird damit die Botschaft aussenden, dass es auf das Leben von Kindern in einem Land, das durch Konflikt, Krankheiten und dem wirtschaftlichen Kollaps zerstört wurde, einfach nicht ankommt."

Nur zehn Prozent der Corona-Nothilfe finanziert

Der UNICEF-Bericht warnt: Wenn nicht bis Ende August 54,5 Millionen US-Dollar für Gesundheits- und Ernährungshilfe bereitstehen, droht eine Katastrophe.

Bereits ab Ende Juli müssen wichtige Wasser- und Sanitärprogramme für drei Millionen Kinder und ihre Gemeinden nach und nach eingestellt werden, sofern nicht 45 Millionen US-Dollar bereitgestellt werden.

Insgesamt benötigt UNICEF für die humanitäre Hilfe in diesem Jahr 461 Millionen US-Dollar sowie weitere 53 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die COVID-19-Pandemie. Bislang ist die humanitäre Hilfe zu 39 Prozent und COVID-19-Nothilfe nur zu zehn Prozent finanziert.

"UNICEF arbeitet unter unglaublich schwierigen Bedingungen rund um die Uhr, um Kindern in Not zu helfen, aber wir haben nur einen Bruchteil der dafür erforderlichen Mittel", sagte Nyanti. "Kinder im Jemen brauchen dauerhaften Frieden und Stabilität in ihrem Land. Bis dies erreicht ist, müssen wir alles tun, um Leben zu retten und Kinder zu schützen." (sus/unicef)

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