• Eine der schlimmsten Dürren seit 40 Jahren bedroht Millionen Menschen am Horn von Afrika.
  • 16 Millionen Menschen sind in Äthiopien, Kenia und Somalia von Ernährungsunsicherheit betroffen.
  • Bereits jetzt müssen mehr als 1,7 Millionen Kinder dringend wegen schwerer akuter Mangelernährung behandelt werden.

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Gianfranco Rotigliano, Leiter des UNICEF-Büros in Äthiopien, ist alarmiert. "Die Lage hier ist wirklich kritisch. Den Menschen fehlt einfach alles. In manchen Gegenden sind fast alle Wasserstellen ausgetrocknet. Die Frauen und Kinder müssen immer längere Wege zurücklegen um Wasser zu holen, teilweise bis zu 15 Kilometer pro Strecke."

Gianfranco Rotigliano
Gianfranco Rotigliano leitet das UNICEF-Büro in Äthiopien.

Die Region Ostafrika ist derzeit von einer der schlimmsten Dürren seit 40 Jahren betroffen. Drei aufeinander folgende Regenzeiten sind in den letzten zwei Jahren ausgefallen. Ernten sind verdorrt, Tiere verdurstet oder verhungert. Die Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. In Äthiopien, Somalia und Kenia haben rund 16 Millionen Menschen, die Hälfte davon Kinder, nicht ausreichend zu essen.

"Wir sehen hier ganz klar eine Folge des Klimawandels", erklärt Gianfranco Rotigliano. Die Einwohner am Horn von Afrika, wie man die Region auch nennt, sind Dürren durchaus gewohnt – nur nicht in so kurzen Abständen. Gab es in früheren Zeiten alle 20 bis 25 Jahre eine schlimme Dürre, so sind es nun alle drei bis fünf Jahre. Diese Abstände sind zu kurz für die Familien, um sich von solch einer Katastrophe zu erholen und ihre Lebensgrundlagen wieder aufzubauen.

Ukraine-Krieg verschärft die Ernährungslage

Der Krieg in der Ukraine verschärft die Lage noch zusätzlich. Ein großer Teil der Weizenexporte für den afrikanischen Kontinent kam bislang aus der Ukraine. Da der Handel aktuell unterbrochen ist, werden Lebensmittel immer teurer und für viele Familien unerschwinglich.

In Äthiopien rechnet Gianfranco Rotigliano damit, dass rund 850.000 Kinder in diesem Jahr unter schwerer Mangelernährung leiden werden. Die Dürreregion ist geprägt von der Viehzucht. Kamele, Ziegen, Schafe und Rinder sind oft der einzige Wertbesitz der Familien und somit eine Rücklage für schlechte Zeiten. Die Tiere sorgen für Milch, Fleisch und Einkommen. Wenn sie sterben, dann stirbt für die Menschen auch die Hoffnung.

"Die Tiere sind für die Familien das wichtigste Hab und Gut. Jetzt, wo ihre Herden verendet sind, verlassen viele verzweifelte Eltern mit ihren Kindern ihre Heimat und suchen nach einer Überlebenschance in anderen Teilen Äthiopiens. Ich habe vor einigen Wochen die Dürreregion besucht. An einem Ort kamen über Nacht Hunderte Familien an, die in ihren Dörfern nicht mehr leben konnten", berichtet Gianfranco Rotigliano.

Auf der Flucht vor der Trockenheit

Wenn Kinder ihre Heimat verlassen müssen, dann können sie nicht mehr zur Schule gehen und sind während der Flucht und in den Camps, in denen die Familien stranden, oft großen Gefahren ausgesetzt. In den ausgetrockneten Gebieten mussten über 155.000 Mädchen und Jungen die Schule abbrechen, um beim Wasserholen zu helfen oder auf die Geschwister aufzupassen, während die Eltern nach Wasser für die Familie und die Tiere suchen.

Gianfranco Rotigliano weiß, was zu tun ist: "Wir müssen das Leben dieser Familien unbedingt verbessern und dafür sorgen, dass sie wieder Wasser haben. Zusammen mit Partnerorganisationen und der Regierung bringt UNICEF daher Wasser per Lastwagen in die Dörfer und errichtet Wasserstellen in der Nähe ausgetrockneter Flussbetten. Wenn wir dort etwa fünf Meter in die Tiefe bohren, finden wir oft Wasser."

Sein Team arbeitet rund um die Uhr daran, mangelernährte Kinder mit nahrhafter Erdnusspaste zu behandeln. Ganz wichtig ist Gianfranco Rotigliani auch die humanitäre Bargeldhilfe: "Die Mütter wissen genau, was sie und ihre Kinder zum Überleben brauchen. Wenn wir ihnen Bargeld geben, dann können sie selbst entscheiden. Wenn die Kaufkraft bei den Familien wieder vorhanden ist, dann gibt es auch auf den Märkten wieder mehr Lebensmittel."

Somalia: Wo Menschen sich kein Wasser leisten können

Auch das Nachbarland Somalia ist von der lang anhaltenden Trockenperiode betroffen. Fast das gesamte Land leidet unter der Dürre. "Ein Viertel der Bevölkerung braucht dringend Hilfe. 1,4 Millionen Kinder sind mangelernährt. Rund 330.000 werden sterben, wenn sie keine schnelle Hilfe bekommen", erzählt Victor Chinyama, Kommunikationsleiter von UNICEF Somalia.

Wasser ist so teuer geworden, dass Familien es sich nicht mehr leisten können. In manchen Gebieten des Landes sind die Wasserpreise um 72 Prozent gestiegen. Durch den Wassermangel steigt die Krankheitsgefahr vor allem für Kinder. Durchfallerkrankungen wie Cholera sind für Kinder, vor allem für mangelernährte Mädchen und Jungen, oft lebensgefährlich.

Auch in Somalia greifen die Familien zu verzweifelten Maßnahmen, um zu überleben. Seit November letzten Jahres haben eine halbe Million Menschen ihre Heimatregion verlassen und suchen in den Städten nach Essen, Wasser und Futter für die geschwächten Tiere.

Geflohene Familie Somalia
Asha Hussein musste mit ihren Kindern vor der Dürre fliehen und lebt in einem Camp für vertriebene Familien. Auch dort gibt es nur wenig Wasser und Essen; das Sammeln von Wasser und Feuerholz ist für Frauen nicht ungefährlich.

Der Region droht eine immense Hungersnot

In Somalia liefert UNICEF sauberes Trinkwasser per Lastwagen und errichtet Wasserstellen für Menschen und Tiere. Die Wasserpumpen werden dabei von Solarstrom bedient. Mobile Gesundheitsteams bringen medizinische Hilfe in die Dörfer und Camps und behandeln mangelernährte Kinder.

Wenn Regenfälle in den kommenden Wochen ausbleiben oder zu schwach sind, dann droht in der Region eine Hungersnot. Der erfahrene Nothelfer Gianfranco Rotigliano hat in den letzten 30 Jahren mehrere Hungerkrisen in Ostafrika erlebt. "Ich habe schon oft gesehen, wie die Dürre Menschen an den Rand des Überlebens drängt. Ich hoffe sehr, dass wir dieses Szenario in diesem Jahr abwenden können."

Dieser Text von Sandra Bulling erschien im Original zuerst auf unicef.de. UNICEF ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. United Internet, wozu auch die Marken WEB.DE, GMX und 1&1 gehören, sammelt über die Stiftung United Internet for UNICEF Spenden für die Organisation.
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