Der Sieg im Gesamtweltcup von Biathlon-Star Franziska Preuß war an Drama nicht zu überbieten, ihre direkte Konkurrentin um den Titel stürzte kurz vor dem Ziel. Das sagen die beiden Beteiligten zu dem Vorfall.
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Dabei sah es bis kurz vor Schluss so aus, als würde es bis zur Ziellinie ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer ärgsten Konkurrentin, Lou Jeanmonnot, geben. Die Französin sicherte sich erst tags zuvor das Gelbe Trikot der Gesamtführenden, Jeanmonnot ging also mit einem kleinen Vorteil ins Rennen.
Jeanmonnot stürzt kurz vor dem Ziel
Doch kurz vor dem Ende kam die Französin in einer Kurve ins Straucheln und stürzte. Preuß war der erste Platz, gleichbedeutend mit dem Gesamtsieg, nicht mehr zu nehmen. Jeanmonnot wurde mit einem Rückstand von 11,7 Sekunden am Ende Dritte.
"Es ist nicht das Ende, das wir wollten", sagte Preuß im Anschluss. "Es war wirklich ein aufregendes Rennen. Dass wir beide in der letzten Runde zusammen waren, war verrückt."
Preuß musste nach dem Zieleinlauf zunächst noch bangen, denn das französische Team hatte sich zunächst dazu entschieden, Protest einzulegen. Wenig später wurde dieser dann aber ohne eine Entscheidung der Jury zurückgezogen – Preuß stand offiziell als Gesamtsiegerin fest.
"Lou ist von alleine gefallen und alles bleibt so, wie es ist."
Frankreichs Biathlon-Sportchef Stéphane Bouthiaux erklärte die Situation rund um den Protest im Anschluss. "Wir haben keinen Protest eingelegt", erklärte er gegenüber der "L'Équipe": "Wir wollten nur das Videomaterial sehen, um sicherzustellen, dass kein Vorsatz oder zumindest keine Behinderung vorlag."
Ein Vorsatz von Preuß konnte nicht ausgemacht werden, das sahen auch die Franzosen schnell ein: "Lou ist von alleine gefallen und alles bleibt so, wie es ist."
Preuß selbst tat der Sturz ihrer Konkurrentin leid, sie hätte das Rennen gerne auf der Zielgeraden entschieden, erklärte sie nach dem Sieg im ARD-Interview. Die 31-Jährige stellte jedoch auch klar: "Ich habe keinen Fehler bei mir gesehen, es ging einfach eng um die Kurve. Natürlich habe ich mich entschuldigt."
Jeanmonnot macht Konkurrentin Preuß keine Vorwürfe
Nach dem Rennen kam es zu rührenden Szenen: Anstatt den Sieg frenetisch zu feiern, ging Preuß zuerst zu Jeanmonnot, um sie zu trösten – beide Star-Biathletinnen umarmten sich kurz hinter der Ziellinie.

"Es war eine dumme Situation. Aber Lou hat von Anfang an gesagt, dass sie sich den Stock zwischen die Beine gesteckt hat und nichts unfair war", erklärte Preuß wenig später. Und auch Jeanmonnot selbst macht der Deutschen keinerlei Vorwürfe: "Sie hat die Tür für mich auf normale Art und Weise zugemacht. Wenn ich sie gewesen wäre, hätte ich genau das Gleiche getan", sagte die Französin später im Interview.
Stattdessen sah sie den Fehler bei sich selbst: In der Kurve sei es plötzlich dermaßen eng geworden, dass sie einen ihrer Stöcke auf den Ski setzte und dadurch das Gleichgewicht verlor, erklärte sie.