Zum Greifen nahe war für das deutsche Doppel Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska bei der Tischtennis-WM in Durban der Einzug ins Finale. Wenige Bälle entscheiden aber gegen die Not-Paarung, die trotz allen Ärgers stolz ist auf eine Medaille.

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Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska haben bei der Tischtennis-WM in Südafrika das Endspiel im Doppel verpasst.

Die beiden deutschen Nationalspieler verloren im Halbfinale nach einer 2:1-Führung noch mit 2:3 Sätzen (7:11, 11:5, 11:8, 9:11, 5:11) gegen Jang Woojin und Lim Jonghoon. Die beiden Südkoreaner standen bereits bei der Weltmeisterschaft 2021 im Finale.

"Wir sind sehr enttäuscht, denn die Chance auf das Finale war riesig. Ich glaube, sie haben einfach nur zwei, drei Bälle mehr auf den Tisch gebracht", sagte Franziska und sprach dennoch von einem "Mega-Doppelwettbewerb". Ovtcharov stufte Bronze trotz aller Niedergeschlagenheit ebenfalls als "toll" ein.

Timo Boll ärgert sich aus Deutschland mit

In der Heimat bezeichnete Deutschlands verletzt ausgefallener Topstar Timo Boll das Ende aller Hoffnungen seiner Freunde auf einen Sensationserfolg als "sehr ärgerlich". Nach verlorenem ersten Durchgang gewann das deutsche Doppel den zweiten und dritten Satz mit 11:5 und 11:8. Der vierte Satz war der engste von allen, ging aber mit 11:9 an die Südkoreaner. Die gewannen danach auch den Entscheidungssatz mit 11:5.

Für den 40-Jährigen war "die Anti-Serie im fünften Satz", als die Asiaten ein 3:4 in ein 9:4 drehten, entscheidend: "Ohne wäre wirklich sogar noch mehr drin gewesen, weil Franz und Dima ein sehr gefährliches Spiel und viel Durchschlagskraft haben. Es ist superschade."

Nach dem Aus des Doppels war die Weltranglistenzehnte Ying Han im Einzel-Viertelfinale der letzte Trumpf des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) in Südafrika. Die Weltranglisten-Neunte verlor jedoch in 0:4 Sätzen gegen die aktuelle Nummer eins der Welt, die Chinesin Sun Yingsha. An derselben Gegnerin war die 40 Jahre alte Han bereits bei den Olympischen Spielen in Tokio und bei der WM 2021 in Houston gescheitert.

Kein Doppeltitel bei einer WM seit Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner 1989

Durch das Aus für die Mannschafts-Olympiazweiten Franziska und Ovtcharov, die aufgrund von Bolls Verletzungsausfalls als Verlegenheitsdoppel gebildet wurden und vor Durban nur einmal bei den German Open 2020 in Magdeburg zusammen gespielt hatten, geht das Warten auf den ersten WM-Titel seit 1989 weiter. Damals hatte der legendäre Triumph des heutigen Bundestrainers Jörg Roßkopf in Dortmund mit Steffen Fetzner ebenfalls im Doppel das bislang einzige WM-Gold in der Nachkriegsgeschichte bedeutet.

Schon der Einzug von Franziska und Ovtcharov in die Vorschlussrunde jedoch setzte eine beachtliche Erfolgsserie des DTTB fort: Zum vierten Mal nacheinander bei WM-Turnieren in den fünf Individual-Wettbewerben seit 2017 stehen auch Aktive des DTTB auf dem Podium. Zuletzt hatte Boll bei der vergangenen WM 2021 in Houston/Texas Bronze im Einzel gewonnen.

Premiere für Dimitrij Ovtcharov

Ovtcharov kehrt im Alter von 34 Jahren nach vier WM-Finals im Teamwettbewerb erstmals auch von einer Einzel-WM mit einer Medaille heim. Für seinen vier Jahre jüngeren Partner Franziska bedeutet Doppel-Bronze das zweite Edelmetall bei einer Individual-WM nach Mixed-Bronze 2019 mit Petrissa Solja. Ihre Medaille hatten Ovtcharov und Franziska bereits vor ihrer Niederlage sicher, weil ein dritter Platz bei einer Tischtennis-WM nicht extra ausgespielt wird. (dpa/sid/hau)

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