Die Spieler werden vegan ernährt und tragen Trikots aus Bambus: Der englische Fußballverein Forest Green Rovers dürfte der "grünste Fußball-Klub der Welt" sein. Die Rovers stehen für Nachhaltigkeit, sogar ein Holz-Stadion ist geplant und soll ein Zeichen gegen den Klimawandel setzen.

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Übernimmt ein Investor einen englischen Fußballverein, möchte er meist schnellen Erfolg. Typische Beispiele sind Roman Abramowitsch beim FC Chelsea, die Glazer-Familie bei Manchester United oder Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan bei Manchester City.

Teilweise jährlich werden dreistellige Millionenbeträge in den Verein gepumpt, um die Top-Spieler aus aller Welt zu verpflichten.

Dale Vince tickt anders. Der englische Unternehmer, der mit seiner Firma für Ökostrom Multi-Millionär wurde, rettete vor zehn Jahren die Forest Green Rovers vor dem Konkurs. Auch er investiert hohe Summen in seinen Fußballverein. Allerdings wandert das Geld nicht in teure Spieler, sondern in die Nachhaltigkeit. Die Forest Green Rovers sind der wohl "grünste Fußball-Klub der Welt".

Ein Stadionrasen, mit Seetang gepflegt

Im Jahre 2018 zeichneten die Vereinten Nationen und der Fußball-Weltverband FIFA die Forest Green Rovers, die in dem 7.700-Einwohner-Nest Nailsworth beheimatet sind, als ersten klimaneutralen Fußballverein der Welt aus.

Die Trikots sind aus Bambusfasern statt aus Plastik gefertigt. Der Stadionrasen wird ohne Pestizide und mit Seetang gepflegt, zudem von einem Solar-Rasenmäher geschnitten. Das Regenwasser wird in einem Tank gesammelt und zurück auf den Rasen gepumpt.

Nicht nur die Spieler und Trainer erhalten veganes Essen, sondern auch die Fans im Stadion. Statt der typischen Fast-Food-Leckereien gibt es am Spieltag zum Beispiel Bratwurst aus Tofu.

"Im Jahre 2010 steckte der Verein in finanziellen Schwierigkeiten", erzählte Dale Vince im Gespräch mit "One Football". "Wir haben uns entschieden, den Verein zu retten, aber wenn, dann auf unsere Art und Weise. Wir machen daraus etwas und versuchen, die Leute mit unserer Idee zu erreichen."

Das Engagement der Fans könnte die Welt verändern

Seine Hoffnung: "Sportfans sind leidenschaftlich. Diese Leidenschaft wollen wir nutzen und in Richtung Umweltbewusstsein lenken. Das Engagement dieser Fans könnte die Welt verändern."

Die sportliche Entwicklung beweist, dass sich Nachhaltigkeit und Erfolg keineswegs ausschließen. Im Gegenteil: 2017 stieg der Verein in die EFL League Two, der vierthöchsten Spielklasse von England, auf. Mark Cooper, der Manager des Vereis, führt die sportliche Entwicklung nicht zuletzt auf die Ernährung zurück.

Während Fußballspieler anderer Vereine nach dem Training ihre Proteine zum Beispiel in Form von Hühnchen zu sich nehmen, werden für die Akteure von Forest Green Rovers vegane Proteinshakes zubereitet. "Durch die vegane Ernährung erholen sie sich besser von Verletzungen und sind schneller fit", erklärt Cooper.

FC Chelsea und Norwich City beziehen veganes Essen

Sogar finanziell hat sich der vegane Lebensstil gelohnt. Die Imbissstände erleben an Spieltagen einen regen Zulauf. "Wir verkaufen nun viermal so viel Essen wie vorher", sagte Vince dem "Spiegel". Mit dem Catering-Service erreicht man sogar die Top-Vereine des englischen Fußballs.

"Seit diesem Jahr beliefern wir auch den FC Chelsea und Norwich City", sagt der Vereinsbesitzer stolz. "Und auch die Greenkeeper der englischen Nationalmannschaft haben uns bereits besucht, um zu wissen, wie wir den Rasen ohne Chemikalien so grün halten." Der 59-Jährige glaubt an einen Wandel im Profisport: "In zehn Jahren wird Nachhaltigkeit auch im Fußball normal sein."

Während andere Viertligisten lediglich in der eigenen Region wahrgenommen werden, erreichen die Forest Green Rovers mit ihrem Konzept sogar Fans über die Landesgrenze hinaus. Die Bambus-Trikots wurden bereits in 17 verschiedene Länder verkauft. Insgesamt zählt der Verein 50 Fanklubs.

Chris Latham, ein treuer Fan des Vereins, sagte "One Football": "Es fühlt sich gut an, Teil eines Vereins mit so einer Botschaft zu sein und damit auf dem Spielfeld Erfolg zu haben. Was sollte man daran nicht mögen?"

Zumal die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit noch längst nicht abgeschlossen ist. Der Vereinseigentümer möchte seine Mannschaft baldmöglichst nur noch mit einem Elektrobus zu den Auswärtsspielen fahren lassen.

110 Millionen Euro für ein Holz-Stadion

Auch ein neues Stadion ist geplant. Der Neubau soll zwar lediglich 5.000 Zuschauern einen Platz bieten, verschlingt aber dennoch rund 110 Millionen Euro. Der Grund für die hohen Kosten: Das Stadion wird größtenteils aus Holz errichtet. Zudem erzeugt die geplante Spielstätte erneuerbare Energien.

Kurzum: Der grünste Fußball-Klub der Welt besitzt bald auch das grünste Stadion der Welt.

"Das Stadion wird viel Gutes tun und eine gute Botschaft an die Welt senden", glaubt Vince und fügt hinzu. "Fußball tritt bereits gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie ein - warum nicht auch endlich gegen die Klimakrise?"

Verwendete Quellen:

  • Spiegel.de: Tofu statt Bratwurst
  • youtube: Forest Green Rovers: Der erste vegane Fußballclub der Welt! Onefootball Docs
  • sport1.de: Ein Fußballstadion ganz aus Holz

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