Was Mitte Mai noch wirkte, wie eine extra lange Sommerpause, ist in Wahrheit ein Sommer voller Endspiele und Turniere. Dabei geht der Blick vor allem nach England.

Mara Pfeiffer - FRÜF/Frauen reden über Fußball
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Sagt man zwei+ Jahre in einer Pandemie noch "normalerweise" oder ist das Wort abgeschafft? Das ist der erste Ort, an den meine Gedanken wandern, wenn ich an diesen Fußballsommer denke. Irgendwie schon komisch. Da endet Mitte Mai die Saison mit dem Gefühl, es liege eine lange Zeit ohne Ball und Rasen vor uns. Und dabei geht es eigentlich fast nahtlos weiter.

Erst das Endspiel in der Champions League (f), in dem mit Barcelona und Lyon irgendwie auch zwei verschiedene Modelle im Fußball gegeneinander antraten – und Lyon gewinnen konnte. Als Nächstes das Finale des DFB-Pokals (m) mit seinem so unerfreulichen Ausgang. Dann jenes des DFB-Pokals (f), in dem Almuth Schult im letzten Spiel als Wolfsburgerin noch mal mit ihren Mitspielerinnen jubeln durfte. Gefolgt schließlich von einem Finale in der Champions League (m), das neuerlich zutage förderte, was bei der UEFA alles im Argen liegt: Die Organisation und das Management rund um dieses Endspiel in Paris waren ein absolutes Desaster.

Ist nun also Sommerpause?

Mitnichten. Damit kommen wir zurück zum Ausgangspunkt des Textes: Normalerweise würde in diesen Tagen die WM (m) beginnen, und dass sie es nicht tut, liegt am Austragungsort Katar. Dort herrschen nämlich in den Sommermonaten Juni, Juli und August über 40 Grad, an extrem heißen Tagen auch mal 45 Grad. Nicht gerade ideal also, um sich sportlich zu betätigen. Oder auch nur, um als Fan von A nach B zu kommen, ohne vor Hitze zu kollabieren. Das konnte bei der Vergabe natürlich niemand ahnen … Wie dem auch sei, dieses Jahr also WM im Winter.

Gespielt wird am Wochenende aber trotzdem schon wieder, nämlich in der Nations League, wo Deutschland am Samstag gegen Italien und am Dienstag gegen England antritt. Für all jene Spieler, die von ihren Nationaltrainern in die Kader für dieses Turnier berufen worden sind, ist es natürlich eine Auszeichnung. Es ist aber auch eine weitere Strapaze nach zwei durch Corona ohnehin atemlosen Jahren. Dies insbesondere eingedenk der Tatsache, dass etliche Spieler ja selbst an Corona erkrankt waren – und eine längere Erholungsphase demnach gut für sie wäre.

An der Stelle darf durchaus die Frage nach der Verantwortung der Verbände gestellt werden: Wie viele Turniere und Quatschpokale sollen eigentlich noch eingeführt werden, bis bei den Sportlern und Sportlerinnen irgendwann gar nichts mehr läuft? Schließlich geht es nach den Begegnungen in der Nations schon fast wieder in die Sommervorbereitung – und statt einer Winterpause wird im Dezember die besagte WM gespielt. Selbst Menschen, die des Fußballs als Sport, Spiel und Spektakel niemals müde werden, können da nur mit dem Kopf schütteln.

Alle Augen auf England

Turnierfrei ist dieser Sommer übrigens auch nach der Nations League keineswegs, vielmehr steht die EM (f) in England an. Ursprünglich sollte das Turnier bereits 2021 gespielt werden, da die EM der Männer aber von 2020 auf 2021 geschoben wurde, verlegte man die der Frauen kurzerhand auf 2022. Ich glaube immer noch, ein gemeinsames Turnier wäre eine gute Chance gewesen, die Aufmerksamkeit auf beide Nationalteams zu lenken, leider wurde die aber nicht ergriffen. Nun sollte die Verlegung aber zumindest dazu führen, dass die Frauen endlich auch medial die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdiene. Es wäre an der Zeit.

Bei vielen Anbietern müssen Fans sich durch Ergebnisse sämtlicher Randsportarten scrollen, bevor ein Hinweis auf die Begegnungen der Spielerinnen auftaucht. Die UEFA (!) führt in ihrem Match Schedule nach wie vor die längst ausgeschlossenen Russinnen auf – und auch sonst ist die Welle, die bezüglich des Turniers hierzulande gemacht wird, noch sehr überschaubar. Dabei ist das Interesse am Spiel in den letzten Jahren international stetig gestiegen und auch die Möglichkeiten, sich die Spiele anzuschauen, haben sich verbessert.

In diesem Sinne, all eyes on #EURO2022.

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