Früher haben sich Bundesliga-Fans über den Schiedsrichter aufgeregt. Heutzutage regen sie sich über den Schiedsrichter und den Video-Schiedsrichter auf. Der Entscheidungsprozess nach einer Intervention aus Köln ist intransparent und dauert immer länger. Das nimmt den Zuschauern den Spaß am Spiel. Der DFB will den Nerv-Faktor reduzieren.

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Die Ursprünglichkeit des Fußballs leidet zunehmend unter dem Nutzen der modernen Technik. Der sogenannte Video-Schiedsrichter vergällt dem Schützen und den beglückten Fans immer häufiger die Freude am Torerfolg. Denn niemand weiß, ob eine Intervention aus dem berühmten Kölner Keller, in dem ein zuständiger Unparteiischer sämtliche Partien auf mehreren Monitoren aus verschiedenen Perspektiven verfolgt, kommt.

Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus gehört zum Aufgebot der Video-Assistent-Referees des DFB, die in Köln am Spieltag die parallel laufenden Partien überwachen und ihre Kolleginnen und Kollegen auf dem Rasen gegebenenfalls auf Fehlentscheidungen hinweisen.

Und wenn sie kommt, dann dauert es bis zu einer Entscheidung durch den zuständigen Referee auf dem Platz seit Einführung des VAR-Instruments in der Bundesliga im Sommer 2017 immer länger.

VAR: Bundesliga-Fans brauchen immer mehr Geduld

In der laufenden Saison mussten sich Spieler, Trainer und Fans durchschnittlich 22 Sekunden länger gedulden als noch 2017/18. Die Dauer der Interventionen erhöhte sich von durchschnittlich 57 Sekunden zunächst auf 61 Sekunden in der Spielzeit 2018/19. Nach 18 Spieltagen 2019/20 ist sie auf durchschnittlich 79 Sekunden nach oben geschnellt.

"Das Ziel ist es, die Dauer wieder auf unter eine Minute zu drücken", sagte Lutz-Michael Fröhlich, Schiedsrichter-Chef des DFB, im Rahmen des Workshops "Schiedsrichter schulen Sportjournalisten" im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Doch nicht nur die formell nicht eingeschränkte Dauer der Entscheidungsfindung nervt vor allem Besucher vor Ort. Die Zahl der Interventionen durch den Video-Assistenten steigt zudem.

Der VAR griff an den ersten 18 Spieltagen der Bundesliga 61 Mal in das Spiel ein. Das entspricht 0,4 VAR-Unterbrechungen pro Begegnung.

Nach Abschluss der vergangenen Saison lag der Wert bei 111 (0,36). In der Premieren-Spielzeit des VAR 2017/18 waren es 88 (0,29) Unterbrechungen gewesen.

VAR hat 2019/20 bisher 53 Fehlentscheidungen verhindert

Von den 61 Eingriffen in dieser Saison stufte der DFB 57 als korrekte Interventionen ein: In der 1. Bundesliga seien somit 53 Fehlentscheidungen verhindert worden.

Ziel des VAR war und bleibt es, den Fußball gerechter zu machen. Dies geschieht jedoch zunehmend auf Kosten des Seh-Genusses. Im Stadion wissen Fans - im Unterschied zu jenen vor dem Fernseher - meist nicht, was zwischen Köln und dem Spielort gerade vor sich geht.

Während der Live-Übertragung sieht der Zuschauer im Falle einer Intervention durch den VAR derzeit einen geteilten Bildschirm mit drei Einstellungen. Unter anderem werden die Sequenzen gezeigt, die der Video-Assistent dem Schiedsrichter für eine Überprüfung zur Verfügung stellt.

Der Stadionbesucher erhält auf der Leinwand lediglich Informationen über den Grund einer Überprüfung und die darauf folgende finale Entscheidung.

Im Stadion sollen Video-Sequenzen gezeigt werden

Der Entscheidungsprozess soll als Konsequenz aus dieser Diskrepanz nicht nur schneller, sondern auch transparenter vonstattengehen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zieht deshalb in Erwägung, den Zuschauern in den Stadien der 1. und 2. Bundesliga als Service relevante Video-Sequenzen auf den Leinwänden abzuspielen. "Wir würden das begrüßen, es würde viel Druck rausnehmen", betonte Fröhlich.

Das Problem dabei: Derzeit erfüllen nicht alle Stadionleinwände die notwendigen Kriterien, um die Video-Sequenzen abspielen zu können.

Insofern werde laut Fröhlich auch darüber diskutiert, den Schiedsrichter direkt zu den im Stadion anwesenden Zuschauern sprechen zu lassen. Diese Anleihe aus dem American Football käme einer Revolution der Rolle des Schiedsrichters gleich.

Man kann Manuel Gräfe nur ein Kompliment machen. Erneut hat der Bundesliga-Schiedsrichter aus Berlin den Mut, die Dinge, die ihn beim DFB stören, beim Namen zu nennen und anzuprangern.

Kommunikation aus dem American Football als Vorbild

Dementsprechend möchte sich Fröhlich bezüglich eines solchen "Jobbildes der Zukunft" noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. "Im Moment", so der frühere FIFA-Referee, "sind wir noch ein wenig skeptisch. Ich denke, dass es auch Schulung sowie einen Mentalitätswechsel bei den Schiedsrichtern braucht." (hau/AFP)

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