Die übelsten Fouls im Fußball

Es gibt Regelverletzungen im Fußball, die zu eindeutig sind, um übersehen zu werden. Unsere Beispiele ließen den Schiedsrichtern - eigentlich - keinen Interpretationsspielraum und beweisen, wie gedankenlos so mancher Spieler die Gesundheit seiner Kollegen gefährdet.

Das Bild, für das der spätere Dortmunder Axel Witsel als Spieler Standard Lüttichs gegen den damaligen Anderlechter Marcin Wasilewski am 30. August 2009 sorgt, ist nur schwer zu ertragen. Es veranschaulicht zudem die Wucht, mit der Profis im Zweikampf zu Werke gehen.
Nicht anders hier: Eine fiese Grätsche von Luke Young von Aston Villa, rechts, gegen Fulhams Carlos Salcido.
Nigel de Jong tritt Xabi Alonso gegen die Brust: das wohl brutalste Foul der WM 2010. Im Finale kommt der Niederländer von rechts angeflogen. Dass dem einstigen Hamburger der Spanier Xabi Alonso im Weg steht, interessiert de Jong nicht. Mark van Bommel, wie später auch Alonso ein Münchner Bayer, schaut gespannt zu.
Vier Jahre später geht es im Kampf um den WM-Titel kaum sanfter zu. Ezequiel Garays Schulter nimmt Deutschlands Christoph Kramer nicht nur früh aus dem Spiel, sondern dem damals 23-Jährigen auch große Teile der Erinnerung an seinen größten Erfolg als Fußballer. Den sichert später Mario Götze gegen die Argentinier.
In der Gruppenphase der WM 2014 verbeißt sich Uruguays Torjäger Luis Suarez in die Schulter seines italienischen Gegenspielers Giorgio Chiellini. Da es den Videobeweis noch nicht gibt, geht Suarez straffrei aus. Stattdesen gerät Italien in Unterzahl und scheidet durch eine 0:1-Niederlage aus.
Deniz Naki foult Lukasz Zaluska so hart, dass von einem Freundschaftsspiel keine Rede sein kann. Zum hundertsten Geburtstag des FC St. Pauli gastiert im Mai 2010 Celtic Glasgow am Millerntor. Es sind aber offensichtlich nicht die körperlich stabilen Schotten, die die Härte ins Spiel bringen.
Auch Kevin-Prince Boateng, hier im Jahre 2009 für den BVB am Ball, ist kein Kind von Traurigkeit. Neben der Attacke an Michael Ballack, die den "Capitano" die WM 2010 kostet, hier ein weiteres Foul, das damals für Diskussionen sorgt: Wolfsburgs Makoto Hasebe ist der Leidtragende. Acht Jahre später treffen sich Boateng und Hasebe als Kollegen bei Eintracht Frankfurt wieder.
Der vorherige Leverkusener Dimitar Berbatov bekommt einen Tritt in die Genitalien: Der damals für Manchester United stürmende Bulgare wird im September 2008 von einem Chelsea-Spieler genau dort getroffen, wo es Männern am meisten weh tut.
Auch in Frankreichs Ligue 1 geht es mitunter brutal zu. Hier ein Bild aus dem Januar 2008. Das Motto: "Fuß trifft Kopf". Mitwirkende: Caens Jeremy Sorbon, rechts, und Kanga Akale, damals in Diensten von Marseille.
Der damalige Hoffenheimer Isaac Vorsah beweist seinen Hang zur rustikalen Spielweise im November 2007 gegen Jenas Jan Simak. Dessen Schädeldecke besteht den Härtetest.
Am 25. August 2007 verhindert auch die Unfairness von Hannovers Steven Cherundolo gegen Bayerns Filigrantechniker Franck Ribéry den 3:0-Erfolg der Münchner nicht. Bemerkenswert: Der Franzose behält den Ball immer im Blick.
Auch die Nachwuchskräfte lassen sich nicht lumpen: Abdou Fatawou Dodja, links, von Togos U17 trifft Beom Seok Cho aus Südkorea am 24. August 2007 an der Schläfe. Südkorea gewinnt das Gruppenspiel trotzdem mit 2:1. Beide Mannschaften scheiden jedoch vor der K.-o.-Runde aus.
Liverpools Brasilianer Lucas bekommt einen unsanften Schlag vor den Kehlkopf.
Diese Szene "unsanft" zu nennen, wäre deutlich untertrieben: Eric Cantonas spektakulärer Kung-Fu-Tritt aus dem Jahr 1995 gehört zu den berühmtesten Fouls der Fußball-Geschichte. Vor allem deshalb, weil Cantona keinen Gegenspieler attackiert, sondern Crystal-Palaces-Fan Matthew Simmons. Cantona war dessen Beleidigungen satt.
Deutschlands berühmtester Kung-Fu-Fußballer heißt Oliver Kahn. Dessen Tritt gegen Dortmunds damaligen Torjäger Stephane Chapuisat verdeutlicht die Brisanz des Bundesliga-Klassikers FC Bayern gegen den BVB - und Kahns Reizbarkeit auf dem Platz.
Einer von Kahns Erben im Tor des FC Bayern München, Alexander Nübel, sorgt während seiner Schalker Zeit für eine schmerzhafte Zwangspause für den Frankfurter Mijat Gacinovic. Wieder fliegt der Fuß zuerst in den Mann. Gacinovic postet später in den sozialen Netzwerken die Blutspuren auf seinem Brustkorb.
Am 7. Mai 2008 kennt Werder Bremens Torwart Tim Wiese gegen den damaligen Torjäger des Erzrivalen Hamburger SV, Ivica Olic, in der 42. Minute kein Pardon. Beide Spieler haben Glück: Wiese, weil er nur Gelb sieht. Und Olic, weil er keine schwere Verletzung davonträgt und weiterspielen kann.
Beim vielleicht berühmtesten Torwartfoul der deutschen Fußball-Geschichte ist das im Halbfinale der WM 1982 nicht der Fall. Das Opfer, Frankreichs Verteidiger Patrick Battiston verliert im Zweikampf mit dem ungestümen Toni Schumacher zwei Zähne und das Bewusstsein. Zehn Minuten nach seiner Einwechslung wird Battiston vom Platz getragen. Der teilnahmslos zuschauende Schumacher bleibt, wird vom Referee nicht mal verwarnt.
Glück mit dem Schiedsrichter hat im WM-Finale 2014 auch Deutschlands damaliger Nationaltorwart Manuel Neuer. Bei einem gefährlichen Konter springt er weit vor seinem Tor gegen Argentiniens Torjäger Gonzalo Higuain mit angezogenem Knie zum Ball und rammt dabei Higuain weg. Es gibt nicht einmal Freistoß für Argentinien.
Ewald Lienens aufgeschlitzter Oberschenkel schreibt bereits Bundesliga-Geschichte, als Neuer noch nicht mal geboren ist. Norbert Siegmanns Stollen hat sich in Bremen in vollem Lauf in Lienens Oberschenkel gebohrt. Die Risswunde ist 25 Zentimeter lang, das Entsetzen - nicht nur beim Gefoulten - groß. Seine Wunde wird mit 23 Stichen genäht. 17 Tage später trainiert der damalige Bielefelder schon wieder.