Chamäleons, Schlangen, Spinnen: Sind derlei Exoten in Privathaushalten bald verboten? Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir setzt sich für eine EU-weite Regelung ein, die die Haltung bestimmter Haustiere untersagt.

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Schluss mit Exoten? Geht es nach Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, soll die Haltung bestimmter Haustiere künftig nicht mehr erlaubt sein. "Manche Menschen legen sich Tiere zu, die aus meiner Sicht in privaten Haushalten nichts zu suchen haben", sagte Özdemir den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. Der 57-jährige Grünen-Politiker kritisiert insbesondere die Haltung von nicht domestizierten Tieren, deren eigentlicher Lebensraum nicht den Bedingungen in unseren Breitengraden entspricht.

"Warum braucht jemand etwa anspruchsvoll zu haltende, exotische Tiere wie Schlangen oder ein Chamäleon zu Hause? Das habe ich nie verstanden", sagte der Bundesagrarminister. Hintergrund hinter diesem Vorstoß ist der Wunsch nach Entlastung der Tierheime in Deutschland. Wegen der gestiegenen Energiekosten geben viele Halter Reptilien und andere wärmebedürftige Tiere ab. Die exotischen Tiere bereiten den Einrichtungen einen hohen Aufwand, gerade finanziell. Exoten wie Schlangen, Echsen oder Spinnen sind zudem schwer vermittelbar.

Abgegebene Exoten sind schwer zu vermitteln.
Abgegebene Exoten sind schwer zu vermitteln. © Foto: unsplash.com/Tamara Gore (Symbolfoto)

"Positivliste" mit erlaubten Haustieren?

Özdemir plädiert für eine "Positivliste" auf EU-Ebene, die alle Tiere enthält, deren Haltung erlaubt ist. Im Umkehrschluss wäre der private Besitz aller Tiere, die nicht auf der Liste stehen, illegal. Tierschutzverbände unterstützen Özdemirs Vorstoß. Aus ihrer Sicht sollte die Positivliste vor allem domestizierte Arten enthalten, die sich an das Leben mit dem Menschen über mehrere Generationen angepasst haben. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine schnelle Umsetzung des Vorhabens – es reiche nicht, auf die EU zu warten.

Kritik an dieser Idee erntet Özdemir von Amphibienexperte Axel Kwet. Der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde betont, die private Haltung dieser Exoten, helfe dem Artenschutz. "Mit seiner geforderten Positivliste will er zwar den Tier- und Artenschutz, aber er erreicht das Gegenteil", wirft Kwet dem Landwirtschaftsminister vor.

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Amphibienexperte für Halter-Führerschein

Statt eines breiten Verbots wünscht sich der Experte einen "Führerschein" für Halter bestimmter Tierarten. Thomas Kölpin, Direktor des Stuttgarter Zoos, hält eine solche Lizenz generell für sinnvoll – auch bei Hunden und Katzen. "Vogelspinnen und Kornnattern sind leichter zu halten als viele Hunde und Katzen", sagt er. In Wien brauchen Halter von exotischen Tieren seit dem Jahreswechsel bereits einen Sachkundenachweis, der umgangssprachlich auch als "Exotenführerschein" bezeichnet wird.  © Deine Tierwelt

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